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Drohender Streik: Lufthansa lockt Piloten mit Jobgarantie

Der Lufthansa droht der größte Pilotenstreik in ihrer Firmengeschichte, und diesen versucht der Konzern in letzter Minute zu verhindern: Jetzt bot das Unternehmen der Gewerkschaft Gespräche ganz ohne Vorbedingungen an - unter bestimmten Voraussetzungen.

Lufthansa-Flugzeug: Deutschland steht vor dem größten Pilotenstreik seiner Geschichte Zur Großansicht
ddp

Lufthansa-Flugzeug: Deutschland steht vor dem größten Pilotenstreik seiner Geschichte

Frankfurt - Viel Zeit bleibt nicht, um den heftigsten Streik in der Konzerngeschichte zu verhindern. Am Sonntagnachmittag hat die Lufthansa ihre Bereitschaft zu Gesprächen bekräftigt. "Wir sind offen für Gespräche ohne Vorbedingungen", ließ Konzernsprecher Klaus Walther in einer Mitteilung verbreiten. Doch dann folgt schon eine Einschränkung: Voraussetzung dafür müsse sein, dass unabhängig vom Forderungskatalog der Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit gesprochen werden könne.

Am Morgen hatte der Konzern sich bereits in einem Punkt bewegt, von dem er lange nichts wissen wollte: "Wir sind bereit, eine Arbeitsplatzgarantie bis Ende 2012 zu geben", sagte Personalvorstand Stefan Lauer der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". Möglicherweise könne diese Garantie auch bis 2013 oder 2014 ausgeweitet werden. "Voraussetzung ist aber, dass wir wieder an einen Tisch kommen", so Lauer weiter. Das Management fordert bei den Gehältern von der Gewerkschaft im Gegenzug "mehr als die bislang angebotenen zwölf Monate Nullrunde".

Die Gewerkschaft lehnte dies Angebot am Sonntagnachmittag ab: Ein Sprecher der Vereinigung Cockpit, Jörg Handwerg, sagte auf NDR Info, die Gesprächsbemühungen hätten nichts gebracht. Die Bedingungen, die der Konzern an eine Jobgarantie bis Ende 2012 knüpfe, seien unannehmbar.

Auch eine Vermittlungsinitiative von Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) brachte keinen schnellen Erfolg. Die Tarifpartner müssten schnell aufeinander zugehen, sagte der Minister. Selbst wenn am Montag gestreikt werde, sei das Feld für neue Gespräche bereitet.

Beim größten Knackpunkt bewegen sich weder die Lufthansa noch die Vereinigung Cockpit (VC): Bei der Frage, ob die Gehaltsstrukturen deutscher Piloten auch bei Töchtern wie Lufthansa Italia gelten sollen. Die Gewerkschaft befürchtet einen sukzessiven Abbau der hoch bezahlten Lufthansa-Piloten und die Verlagerung von Arbeitsplätzen. Deutsches Tarifrecht für Unternehmensteile im Ausland durchsetzen zu wollen, sei inakzeptabel, so Lauer. "Darauf kann sich ein Unternehmen niemals einlassen."

Cockpit fordert weiter Gespräche ohne Vorbedingungen

Ein von VC angeregtes persönliches Spitzentreffen mit Lufthansa-Chef Wolfgang Mayrhuber kam am Wochenende wegen der verhärteten Fronten zunächst nicht zustande - dafür haben Mayrhuber und VC-Präsident Winfried Streicher nach Angaben der "Bild"-Zeitung" miteinander telefoniert.

In dem Telefonat blieben die Fronten dem Bericht zufolge verhärtet: Lufthansa bestand darauf, dass Cockpit von der Forderung Abstand nimmt, auch auf die künftige Geschäftsentwicklung der Fluggesellschaft Einfluss zu nehmen. Lufthansa-Personalvorstand Stefan Lauer sagte der "Bild am Sonntag", sein Unternehmen sei dialogbereit, allerdings nur, wenn die VC von der Forderung abrücke, dass der deutsche Tarifvertrag auch für ausländische Piloten gelten soll, die für die Lufthansa oder eine ihrer Tochtergesellschaften fliegen.

Doch Cockpit fordert hingegen Gespräche ohne Vorbedingungen. Lauer sagte: "Das ist absurd. Die Gewerkschaft hat sich da in eine völlig falsche Richtung verrannt, die übrigens auch rechtswidrig ist, weil international das Territorialprinzip gilt."

Unterdessen bemüht sich Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer darum, den bevorstehenden Streik der Piloten in letzter Minute zu verhindern. "Ich werde heute alles daran setzen, die beiden Lager zusammenzubringen, um diesen Streik abzuwenden", sagte Ramsauer am Sonntag. Er stehe sowohl mit der Lufthansa als auch mit der Vereinigung Cockpit (VC) in Kontakt. Ein Streik hätte verheerende Folgen, die weit über die Luftfahrtbranche hinaus gingen, und sei ein schlechtes Signal für andere Tarifparteien, sagte Ramsauer. Beide Seiten hätten ihm aber erklärt, dass ihnen nicht unbedingt an einem Streik gelegen sei. Sie bräuchten aber eine vernünftige Lösung.

Gelingt nicht noch in letzter Minute eine Einigung droht Zehntausenden Lufthansa-Passagieren ab Montag ein Chaos. Gut 4000 Piloten wollen dann für vier Tage streiken. Die Flughäfen in Deutschland rüsten sich für den Streik, der am Montag um 0 Uhr beginnen solle. Flüge aus dem Ausland nach Deutschland wollen die Piloten zwar noch absolvieren, dann aber die Maschinen parken. Am Frankfurter Flughafen wurde ein detaillierter Abstellplan für die Maschinen erstellt. Die Deutsche Bahn rechnet mit deutlich mehr Reisenden auf der Schiene, wenn die innerdeutschen Flüge ausfallen. Einige ausländische Airlines wollen größere Flugzeuge einsetzen, um gestrandete Passagiere aufnehmen zu können.

Rund 3200 Flüge sollen ausfallen

Nach dem Notfallplan der Lufthansa sollen rund zwei Drittel der bestreikten Flüge ausfallen, ein Drittel soll unter anderem mit Hilfe von Piloten aus dem Management angeboten werden. Insgesamt würden damit bei Lufthansa rund 3200 Flüge ausfallen. Beim Billigflieger Germanwings sollen rund zwei Drittel der Flüge trotz des Streiks stattfinden - es wurden unter anderem Maschinen und Besatzungen von anderen Gesellschaften angemietet.

Nicht bestreikt werden die Lufthansa-Regionalpartner wie Cityline oder Eurowings, die auf weniger stark nachgefragten Routen unterwegs sind. An normalen Tagen befördern Lufthansa und ihre Regionalpartner im Schnitt rund 150.000 Passagiere.

Unterdessen warnt der Bundesverband der Deutschen Industrie vor schweren wirtschaftlichen Folgen durch den angedrohten Pilotenstreik. "Ein Streik wäre doppelt bitter in einer wirtschaftlich sensiblen Phase", sagte BDI-Präsident Hans-Peter Keitel der Zeitung "Bild am Sonntag". "Gerade jetzt sind die endlich wieder erstarkenden Unternehmen ganz besonders auf eine funktionierende Infrastruktur angewiesen. Für einen Streik würde die gesamte Exportnation Deutschland einen hohen Preis zahlen müssen." Er appelliere an die Streitparteien, "sich umgehend an einen Tisch zu setzen, um einen Streik in letzter Minute zu vermeiden", so Keitel.

anr/dpa/Reuters/apn

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Forum - Verdienen Lufthansa-Piloten zu wenig?
insgesamt 1792 Beiträge
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1.
Sunny, 17.02.2010
Fragen wir doch mal Guido.. ;) Aber im Ernst: Piloten haben sicher einen anstrengenden und verantwortungsvollen Job, aber den haben andere Berufsgruppen mit wesentlich geringerem Salär auch (Busfahrer z.B. - und unter der Annahme, dass die Angaben zu den Gehältern stimmen). Bleibt also die Frage: was sind die Fluggesellschaften zu zahlen bereit, und das testen die Piloten jetzt aus. Ist ja auch mindestens 2 Jahre her, seit das letzte Mal Piloten gestreikt haben... Kurze Frage: wer bezahlt eigentlich eine Pilotenausbildung? Geht der Pilot in Vorleistung?
2.
unente, 17.02.2010
"Cockpit" will für Arbeitsplatzsicherheit streiken, nicht für mehr Geld. ---Zitat von spon--- ...Kern der aktuellen Auseinandersetzung ist der Wunsch der Arbeitnehmer, die Auslagerung von Stellen in billigere Tochtergesellschaften zu stoppen, was der Konzern aber nicht ausschließen will. *Für eine derartige Zusage wären die Piloten auch zu einer Nullrunde beim Gehalt bereit*... ---Zitatende---
3. Auf zu neuen Ufern !
Kalix 17.02.2010
Die Probleme mit Sysop werden grösser. In einer marktwirtschaftlichen Tarifauseinandersetzung ist es vollkommen egal, ob wie hier die Piloten gut verdienen oder nicht. Es geht ausschliesslich um den Interessenausgleich zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern. Die Lufthansa hat trotz stärkstem Wettbewerb gute Erträge; garantiert unter anderem durch den Einsatz der Piloten und des fliegenden und nicht fliegenden Personals. Warum sollen hiervon ausschliesslich die Aktionäre profitieren ? Warum sollen die Mitglieder von Cockpit tatenlos zuschauen, wenn ihre Arbeitsplätze weg rationalisiert werden zugunsten von Billigfliegern unter dem Dach der Lufthansa? Ich denke, die Akzeptanz eines Streikes ist von der Bevölkerung erst dann gegeben, wenn Unternehmen wie Lufthansa gezwungen werden, ihre Unternehmensstrategie auch an den Beschäftigten zu orientieren. Wir brauchen mehr Streiks, um das Perfide in den Unternehmensstrategien 1fach unmöglich zu machen. Jede Drohung, Unternehmensverwaltungen in das Ausland zu verlagern, zeigt von der fehlenden moralischen Qualifikation dieser sogenannten Manager, deren Leistung nur im unteren Drittel des Rankings weltweit gewürdigt wird.
4. Naja
highn00n 17.02.2010
Bei der wirtschaftlichen Lage zu streiken ist nicht so ganz ungefährlich. Durch die Wirtschaftskrise ist der Fracht und auch der Personenverkehr so stark zurückgegangen wie noch nie zuvor. Ob da ein Streik wirklich Sinn macht, wenn dann die Airline pleite macht, wage ich zu bezweifeln. Unternehmen müssen Überkapazitäten nun mal abbauen können, um ihr Überleben zu sichern.
5.
dennis.hoppler 17.02.2010
Zitat von sysopPiloten gehören zu den Besserverdienern in Deutschland - insbesondere bei der Lufthansa. Ist ihr Streik trotzdem berechtigt?
Schon wieder diese Boulevard-Vorlage, die am Thema vorbeigeht. Es geht nicht um Gehaltsverhandlungen, sondern um Rettung der Arbeitsplätze in Lufthansa-Cockpits und gegen das vehemente "Outsourcing", das seit Jahren vom Management betrieben wird-entgegen geschlossener Vereinbarungen. Die Pilotenschaft bietet sogar eine Nullrunde an.
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Rechte der Fluggäste bei Streiks
Umbuchung
Auch nach der Aussetzung des Streiks versucht die Lufthansa betroffene Passagiere auf alternative Flüge umzubuchen. Bei Zielen in Deutschland können Fluggäste ihren Flugschein am Ticketschalter auch gegen einen Reisegutschein der Deutschen Bahn eintauschen. Eine spätere Erstattung des Bahntickets ist ebenso möglich, dafür muss der Kunde einen Kaufbeleg für das Flugticket einreichen.

Wer fürchtet, dass sein schon gebuchter Lufthansa-Flug zwischen dem 22. und 25. Februar ausfällt und nun seine Reisepläne ändern will, kann schon jetzt kostenlos einen anderen Flug mit gleichem Start und Ziel wählen. Das neue Reisedatum muss aber vor dem 31. Mai liegen.
Stornierung
Wenn ein Flug als Folge des Arbeitskampfs gestrichen wird, kann der Kunde ihn am Flughafenschalter oder auch von zu Hause aus stornieren und bekommt dann sein Geld zurück - entweder von der Lufthansa oder vom Reisebüro, das das Ticket verkauft hat. Die Lufthansa listet ausgefallene und verspätete Flüge im Internet unter www.lufthansa.com (Ankunft und Abflug) auf. Informationen erhalten Fluggäste auch unter der Nummer 0800-8506070, für Flüge mit Germanwings unter 0800-6644935.
Leistungen bei Verspätung
Ab zwei Stunden Verspätung haben Fluggäste laut EU-Verordnung Anspruch auf Betreuungsleistungen, also Telefonate, Getränke, Mahlzeiten und gegebenenfalls eine Übernachtung im Hotel. Die Wartezeit gilt für Flüge bis zu 1500 Kilometern. Bei einer Strecke von 1500 bis 3500 Kilometern gibt es Unterstützung nach drei Stunden Warten, ab 3500 Kilometern Strecke nach vier Stunden Wartezeit. Ab einer Wartezeit von fünf Stunden können Passagiere eine Erstattung des Flugpreises verlangen.

Auch wenn ein Flug absehbar große Verspätung hat, sollten Passagiere immer zur ursprünglichen Abflugszeit am Flughafen sein. Es besteht sonst die Gefahr, dass die Fluggesellschaft doch früher einen Ersatzflug anbieten kann - und der Reisende ihn dann verpasst.
Entschädigung
Bei Annullierung, Überbuchung oder Verspätung ab drei Stunden haben Passagiere zwar laut EU-Verordnung Anspruch auf eine Entschädigung bis 600 Euro - aber nur, wenn kein "außergewöhnlicher" Umstand daran schuld ist. Die Lufthansa wertet Streiks aber wie miserables Wetter oder einen technischen Defekt als außergewöhnlichen Umstand. Eine Entschädigung zahlt sie deshalb nicht.

Was die Streitparteien wollen
Die Verhandlungslinie der Piloten
Die Gewerkschaft Cockpit befürchtet einen sukzessiven Abbau der hochbezahlten Piloten im Konzerntarifvertrag. Sie will eine Verlagerung von Arbeitsplätzen auf neu übernommene oder neugegründete Töchter vermeiden und fordert daher eine "belastbare Beschäftigungsgarantie" für die Flugzeugführer. Im Gegenzug für diese Arbeitsplatzgarantie hatte sich die Gewerkschaft bereiterklärt, auf ihre zu Beginn der Verhandlungen im Mai geforderte Lohnerhöhung von 6,4 Prozent für zwölf Monate zu verzichten und eine Nullrunde zu akzeptieren. Der Konzerntarifvertrag umfasst neben der Lufthansa Passage die Töchter Lufthansa Cargo und Germanwings.
Die Verhandlungslinie der Lufthansa
Die Lufthansa steht der geforderten Beschäftigungsgarantie skeptisch gegenüber und drängt vielmehr auf deutliche Einsparungen, auch bei den Piloten. Bis Ende 2011 sollen die Kosten im Passagiergeschäft im Rahmen des Sparprogramms Climb 2011 um eine Milliarde Euro gesenkt werden.

Die Fluggesellschaft kämpft derzeit mit massiven Geschäftseinbußen durch die Wirtschaftskrise und der Sanierung und Integration der jüngst übernommenen Töchter wie Austrian Airlines und British Midland. Außerdem setzen der größten europäischen Fluggesellschaft im Europaverkehr zunehmend Billigflieger wie Air Berlin oder Ryanair zu, an die Lufthansa sukzessive Marktanteile verliert.
Knackpunkt eins: Internationale Zukäufe
Zukäufe Bei den zuletzt übernommenen Töchtern wie Brussels Airlines oder Austrian Airlines arbeiten die Piloten teilweise für weniger Gehalt als bei Lufthansa. Die Gewerkschaft befürchtet, dass das Unternehmen Lufthansa-Strecken zunehmend auf die Töchter verlagern könnte, um so Kosten zu sparen. Dann würden die billigeren Piloten der Töchter die Strecken fliegen und nicht mehr die Lufthansa-Piloten, deren Arbeitsplätze die Gewerkschaft in Gefahr sieht. Nach Angaben von Lufthansa ist im Passagierverkehr jedoch weiteres Wachstum geplant. Die Zahl der Konzerntarifvertrag-Arbeitsplätze habe sich - ohne die frühere Tochter Condor - seit 2001 um acht Prozent erhöht, argumentiert das Unternehmen.
Knackpunkt zwei: Lufthansa Italia
Lufthansa hat 2009 eine eigene Tochter in Italien gegründet. Bislang konnten sich Gewerkschaft und Lufthansa aber nicht darüber einigen, wer die Maschinen fliegen soll. Nach dem Willen von Lufthansa sollen das langfristig Piloten außerhalb des Konzerntarifvertrags machen, die Gewerkschaft will das verhindern. Die deutschen Piloten fürchten, dass Lufthansa Italia künftig mehr Strecken übernehmen und Konzernpilotenstellen wegfallen könnten. Bislang fliegen noch Lufthansa-Piloten die Maschinen. Allerdings hat die Gewerkschaft diesen Verhandlungspunkt am Montag vor dem Arbeitsgericht in Frankfurt am Main aufgegeben. Nun soll nur über Entgelte im deutschen Tarifgebiet verhandelt werden.
Knackpunkt drei: Logistiktochter Aerologic
Ähnlich ist die Situation bei der gemeinsam mit der Deutschen Post neugegründeten Frachttochter Aerologic. Deren Flugzeuge werden nicht wie bei der eigenen Frachttochter Cargo von Konzernpiloten geflogen, sondern von neu eingestelltem Personal. Auch will die VC Lufthansa-Konzernpiloten ins Cockpit holen. Wie es mit diesem Streitpunkt nun weitergeht, müssen die Verhandlungen in den kommenden Tagen zeigen.
Knackpunkt vier: Größere Regionalmaschinen
Lufthansa mustert im Regionalverkehr die kleinen Flugzeuge mit weniger als 70 Sitzen aus und ersetzt sie durch größere Maschinen. Das Unternehmen muss gemäß einer vor Jahren getroffenen Vereinbarung bei Flugzeugen über 70 Sitzen, die unter der Marke Lufthansa eingesetzt werden, mit der Gewerkschaft über die Arbeitsbedingungen der Piloten verhandeln. In dem seit Jahren schwelenden Konflikt gab es jedoch keine Einigung - auch weil sich die Gewerkschaft intern nicht einigen konnte. Ein Teil der neuen Maschinen kommt daher bei Partnern wie Air Dolomiti und Augsburg Airways zum Einsatz. Hier steht das Lufthansa-Logo nicht auf den Maschinen. Einen ähnlichen Weg hatte Lufthansa bei der Tochter Cityline gewählt - auch hier werden die Flugzeuge nicht mit dem Namen Lufthansa beschriftet. Bei dem Partner Eurowings werden durch den Sparkurs 19 Flugzeuge stillgelegt und Hunderte Arbeitsplätze abgebaut.

Der Lufthansa-Konzern
Austrian Airlines
war einst die nationale Fluggesellschaft von Österreich und wurde stark angeschlagen von Lufthansa übernommen.
British Midland
ist die zweitgrößte Fluggesellschaft am Londoner Flughafen Heathrow. Lufthansa will das Unternehmen sanieren, was danach geschieht ist unklar.
Swiss
war die erste große Übernahme einer ausländischen Airline durch die Lufthansa. Swiss gilt heute als erfolgreich saniert.
German Wings
ist ein unter Beteiligung der Lufthansa gegründeter Billigflieger, der in den vergangenen Jahren sein Streckennetz deutlich ausgebaut hat.

Die Pilotengewerkschaft Cockpit
Die 1969 als Berufsverband gegründete Vereinigung Cockpit (VC) hat ihre gewerkschaftliche Kraft erst vor zehn Jahren entdeckt. Damals schockte die kleine Pilotengewerkschaft die größte deutsche Fluggesellschaft Lufthansa mit einer Forderung nach 30 Prozent mehr Geld, die sie 2001 in einem harten Streik auch weitgehend durchsetzte.

Bis dahin hatte die Vereinigung zusammen mit der Deutschen Angestellten-Gewerkschaft (DAG) eine Tarifgemeinschaft gebildet und eine im internationalen Vergleich eher niedrige Pilotenbezahlung zugelassen. Den Weg der DAG in die Dienstleistungsgewerkschaft Ver.di machten die Piloten nicht mit und wurden lieber eigenständig.

Inzwischen sieht sich die in Frankfurt sitzende Vereinigung zumindest bei der Lufthansa auf Augenhöhe mit den Wettbewerbern. Die VC vertritt nach eigenen Angaben rund 8200 Besatzungsmitglieder von Verkehrsflugzeugen und Verkehrshubschraubern.

Der größte Teil arbeitet bei der Lufthansa, aber auch in allen anderen deutschen Luftfahrtgesellschaften hat die VC nach eigenen Angaben Mitglieder. Neben der Tarifpolitik sieht die VC die soziale Absicherung ihrer Mitglieder und die Sicherheit des Luftverkehrs als wichtige Aufgaben.


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