Miniflugzeuge als Dienstleister Wie Drohnen das Arbeiten lernen

Drohnen haben die Kriegsführung revolutioniert - und könnten demnächst den Arbeitsmarkt umwälzen. Erste Firmen nutzen die automatischen Flugmaschinen bereits versuchsweise als Pizzaboten oder Wildhüter. Manche Wissenschaftler glauben, dass Drohnen Tausende Dienstleistungsjobs überflüssig machen.

Aus Edinburgh berichtet

Drohne: Die Zukunft ist vielleicht näher, als es scheint
DPA

Drohne: Die Zukunft ist vielleicht näher, als es scheint


Stellen Sie sich vor, Ihre Bestellung vom Asia-Imbiss bringt nicht mehr ein Laufbursche, sondern eine Drohne. Ebenso ihre Pakete - weil ein kleines, brummendes Flugobjekt mit vier Rotoren weit schneller durch die stauverstopfte Großstadt kommt als ein Mensch im Lieferwagen. Wenn Sie jetzt nicht "In Deckung" brüllen - dann sind Sie für Telepizza, DHL & Co wahrscheinlich der Kunde der Zukunft.

Beim Wort Drohne denkt man gemeinhin an unbemannte militärische Aufklärer oder gar Killer. Doch Unternehmen arbeiten längst an anderen Einsatzmöglichkeiten. Denn wie schon Internet oder GPS hat auch diese Militärtechnik großes Potential für zivile Zwecke - auch wenn viele der Einsatzideen noch wie Science Fiction klingen.

Anfang Juni sorgte eine Filiale von Domino's Pizza mit einem YouTube-Video für Aufsehen. Es zeigt eine Drohne, die zwei Pizzen ausliefert. Im April kursierte das Gerücht, die französische Post wolle Drohnen als Briefträger einsetzen - das entpuppte sich zwar als Aprilscherz; UPS aber teilte wenige Tage später mit, man habe diese Option tatsächlich "auf dem Radar". Andere nutzen Drohnen längst: In Asien fungieren die Flugobjekte als Wildparkhüter, mit Kameras ausgestattet überfliegen sie vollautomatisch schwer zugängliche Dschungel-Gebiete und überwachen Orang-Utans und andere Tiere.

"Die Revolution wird schnell und schmutzig sein"

Mögliche Einsatzfelder für Drohnen gibt es genug: die Polizeistreife, die Werbefotografie, die Gebäudewartung... fast überall könnten Maschinen irgendwann Menschen ersetzen, und die Zukunft ist vielleicht näher als es scheint. Die US-Regierung hat bereits begonnen, Gesetze für eine zivile Nutzung unbemannter Flugobjekte zu lockern; die Federal Aviation Administration, Amerikas zentrale Luftfahrtbehörde, prognostiziert, dass solche Drohnen ab 2015 im Einsatz sein könnten. Die "New York Times" rief kürzlich die "Morgendämmerung der Dienstboten-Drohnen" aus, "Harvard Business Review" die nächste Boom-Branche.

Gut möglich, dass Sicherheitsbedenken und ziviler Widerstand die Entwicklung bremsen; aufzuhalten ist sie wohl nicht. "Wir werden schon bald die ersten Drohnenarbeiter sehen", sagte Raffaello d'Andrea, Professor für Robotik an der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich, auf der TEDGlobal-Konferenz in Edinburgh SPIEGEL ONLINE.

Sein Team zeigt dort, was Drohnen können: In einem Kellerraum werfen Konferenzbesucher ihnen Gummibälle zu, die Drohnen schlagen sie per aufmontiertem Badmintonschläger zurück - vollautomatisch. "Schon jetzt können Drohnen einfache Arbeiten verrichten", sagt d'Andrea. Und die Herstellungspreise sinken rapide.

Nächste Stufe der Automatisierung

Andreas Raptopoulos, Gründer der Firma Matternet, will Drohnen nutzen, um Medikamente in schwer zugängliche Gebiete in Afrika zu transportieren. "Ein Flug kostet 24 Cent", sagt er. "Schon jetzt wäre es schneller, effizienter und günstiger, Drohnen im großen Stil einzusetzen als Straßen zu bauen und zu erhalten."

Raptopoulos' Vision ist es, ein medizinisches Versorgungsnetz über den gesamten Kontinent zu spannen. Aber er sieht auch Einsatzmöglichkeiten in Großstädten. "Drohnen schaffen eine neue Ebene der Infrastruktur", sagt er, " zwischen dem Internet und der Straße." Es sei nicht immer schlecht, dass dabei Jobs verlorengehen. Allein in São Paulo gibt es schätzungsweise 250.000 Botenjungen, sogenannte Motorboys. Jedes Jahr sterben Hunderte von ihnen in Unfällen oder Schießereien.

Drohnenarbeiter könnten Leben retten. Sie könnten aber auch für gesellschaftliche Unruhe sorgen. "Unsere Arbeitswelt wird immer automatisierter", sagt Daniel Suarez, ein Science-Fiction-Autor, der viel über das Thema recherchiert hat. "Drohnen sind die nächste Stufe dieses Trends." Mit jedem Automatisierungsschritt gingen mehr Jobs verloren als in anderen Bereichen neu entstünden. "Vor allem einfache Arbeiter bleiben auf der Strecke." In den vergangenen Jahren hat sich die technische Entwicklung beschleunigt; der Welt bleibt weniger Zeit, sich auf Umbrüche einzustellen. Suarez findet das bedenklich. "Wenn der Drohnen-Pizzabote irgendwann günstiger ist als ein Arbeiter mit Mindestlohn, sollte die Gesellschaft darauf vorbereitet sein."

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insgesamt 75 Beiträge
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Seite 1
Battlemonk 18.07.2013
1.
Es bleibt die Frage ob die Gesellschaft bereit ist auf einen gewissen Teiles des Lebensstandard zu verzichten um auch jenen einen hohen Standard anzubieten die selbst 0 Leistungsbereitschaft zeigen von der Schule bis zur Rente... oder ob amerikanische Verhältnisse nicht besser sind Erpressungsargumente wie soziale Unruhen sollten keine Rolle spielen die USA zeigt wie man mit solchen Spinnern fertig wird
copenista 18.07.2013
2. gefickt eingeschädelt
wenn der Lustraum erstmal voll ist mit den Dingern und wir uns den ganzen Tag die Ohren zuhalten müssen können dann ja auch ungestört für jeden Bürger zwei Überwachungsdrohnen unterwegs sein, ohne dass man's merkt... Natürlich nur zum Schutz! Schirme aus Blech sollte man jetzt herstellen, um sich vor den runterfallenden Trümmerteilen zu schützen! Wenn man Glück hat ist wenigstens die Pizza noch intakt. Na, das kann ja alles sehr lustig werden.
brainwayne 18.07.2013
3. volle drohnung
...ok blöde überschrift, aber die Möglichkeiten dieser Flieger finde ich klasse. Wie bei allem auf dieser Welt, kann jemand auch damit böses anstellen. Solange also eventuellen superintellügenten Drohnen nicht irgendwann, als künstliche Lebensform anerkannt, die vollen Menschenrechte und -pflichten zugesprochen werden, tragen wir wohl die Verantwortung für das, was sie tun. Also, wie ist jetzt genau die Fragestellung zum Thema Drohnen?
SysOpa 18.07.2013
4. In DE eher nicht
Mehr als 200 Regentage, restriktive Überflugregeln von Privatgelände und das Gefährdungspotential(sollen wir demnächst alle Helme tragen? Die Dinger stürzen gerne mal ab) dürften die realistischen Anwendungen sehr reduzieren. Und wenn die erste Überwachungsdrohne einem Bürger ad Kopf fällt freue ich mich ad Gerichtsurteil...
papayu 18.07.2013
5. Wunderbar, noch mehr Arbeitslose !
Und der Mensch wird ueberfluessig. Jetzt koennen Alle wieder in die kath. Kirchen gehen und sich sattessen beim Abendmahl. Erst spaehe ich aus, wo eine Pizza unterwegs ist und dirigierte die zu mir um. Bezahlt isse ja.
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