Drohung der Rating-Agentur Fitch Anleger fliehen aus Bankaktien

Der Dax steigt, aber die Aktien der Finanzinstitute rutschen ab - an der Frankfurter Börse verlieren Titel von Commerzbank und Deutscher Bank kräftig. Grund sind vor allem negative Aussagen der Rating-Agentur Fitch: Sie droht Großbanken mit einer Abstufung ihrer Kreditwürdigkeit.

Finanzviertel in Frankfurt: Der Deutschen Bank droht die Herabstufung
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Finanzviertel in Frankfurt: Der Deutschen Bank droht die Herabstufung


Frankfurt am Main - Die Drohung zeigt Wirkung - zumindest am Aktienmarkt: Nachdem die Rating-Agentur Fitch einer ganzen Reihe von Großbanken mit einer Herabstufung ihrer Kreditwürdigkeit gedroht hat, gaben die Kurse von Finanzaktien am Donnerstag kräftig nach.

Während der Rest des Aktienmarkts deutliche Gewinne verbuchte, verloren Banktitel teilweise drastisch an Wert. Aktien der Commerzbank Chart zeigen verloren zeitweise mehr als fünf Prozent, Papiere der Deutschen Bank Chart zeigen lagen mit fast vier Prozent im Minus, erholten sich dann aber wieder. Auch andere europäische Institute bekamen die schlechte Stimmung der Anleger zu spüren: Vor allem die Aktienkurse französischer Banken brachen ein.

Händler werteten die Gefahr einer Herabstufung durch Fitch als "klar negativ". Die Agentur hatte mehreren Großbanken in Europa und den USA mit einer Verschlechterung der Bonitätsnote gedroht, darunter der Deutschen Bank. Begründung: Das Geschäftsmodell dieser Institute sei den Turbulenzen an den Finanzmärkten besonders stark ausgesetzt. Zudem würden die Banken durch die geplanten schärferen Regeln empfindlich getroffen.

Europas Banken brauchen bis zu 300 Milliarden frisches Kapital

Auf die Stimmung der Anleger drückte zudem eine Branchenstudie der US-Investmentbank Goldman Sachs Chart zeigen zu den europäischen Banken. Darin urteilte Analyst Jernej Omahen, dass Kapitalerhöhungen sehr wahrscheinlich seien. Um den gewünschten Effekt einer Stabilisierung der Branche zu erreichen, seien zudem begleitende politische Maßnahmen notwendig. Ohne solche Schritte dürfte der Sektor instabil bleiben.

Die EU-Kommission und die europäische Bankenaufsicht wollen den Banken vorschreiben, mehr Eigenkapital vorzuhalten, um mögliche Verluste durch Staatsanleihen pleitebedrohter Euro-Länder besser abfangen zu können. Sollte die Kernkapitalquote wie von der EU-Kommission geplant tatsächlich bei neun Prozent liegen, würden laut Goldman-Sachs-Studie 298 Milliarden Euro benötigt, verteilt auf 68 Banken. Eine solche Quote würde eine "sehr hohe Hürde" darstellen, heißt es in dem Bericht.

Nachdem die US-Bank JPMorgan Chase Chart zeigen zuletzt enttäuschende Zahlen vorgelegt hatte, senkten die Experten von Goldman nun die Umsatzprognosen für den gesamten Sektor. Die schwache Entwicklung an den Kapitalmärkten im dritten Quartal habe das Investmentbanking-Geschäft in Europa sowie den USA belastet, schreibt Analyst Omahen. Bei den europäischen Investmentbanken seien die Umsätze unter Druck. Weil es zudem neue Regeln für Geschäfte gebe, sei es für die Konzerne schwer, Erträge zu erwirtschaften, die über den Kosten zur Beschaffung neuer Mittel lägen.

Als Folge all dieser Belastungsfaktoren senkten die Goldman-Analysten ihre Einschätzung für die Aktie der Commerzbank von "Kaufen" auf "Neutral". Auch das Kursziel für die Deutsche Bank wurde gesenkt.

Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann hatte noch am Donnerstag betont, dass der europäische Bankensektor deutlich robuster dastehe als in der Finanzkrise im Herbst 2008.

stk/dpa-AFX/Reuters



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insgesamt 61 Beiträge
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BiffBoffo 14.10.2011
1. Wer rated die Rating-Agenturen runter ?
Die Raten solange rumm bis sie sich selber Ausgerated haben. Ganz ehrlich, ich kanns nicht mehr hören. Warum können die nicht auf ihrer eigenen Wiese spieln und die anderen die damit gar nichts am Hut haben in ruhe lassen ? Es ist einfach unglaublich was man da aufgebaut hat. Auf Kosten anderer zu Spielen kann nur nach hinten losgehn.
tilleule 14.10.2011
2. Die Ratten verlassen das sinkende Schiff
und sie tun es, weil es hochintelligente Tiere sind und sich auf die Erhaltung ihrer Art verstehen.
h_grabowski 14.10.2011
3. ...
Und alle so...YEAH. Erst fliehen die Aktieninhaber, dann die Kunden...lasset den Bankrun beginnen. Hoffentlich fährt das System mal vor die Wand, auch unter Berücksichtung der Tatsache, dass dadurch meine bescheidenen Ersparnisse und Altersvorsorge den Bach runter geht. Dieses Leben in der Krise hält doch kein Mensch aus...
reniehketztalf 14.10.2011
4. Kursverfall nach Rating
Zitat von sysopDer Dax steigt, aber die Aktien der Finanzinstitute rutschen ab - an der Frankfurter Börse verlieren Titel von Commerzbank und Deutscher Bank kräftig. Grund sind vor allem negative Aussagen der Rating-Agentur Fitch: Sie droht Großbanken mit einer Abstufung ihrer Kreditwürdigkeit. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,791838,00.html
Ja, so einfach ist Insider-Handel... ..kurz mal was Negatives ankuendigen, Aktion abstossen - auf Kursabfall warten ...danach guenstig wieder einkaufen und schon hat man ein paar Millionen gemacht. Diese Rating-Argenturen sind eine Pest !
hanneshpl 14.10.2011
5. Warum klingelt der Wecker erst jetzt?
Die Deutsche Bank weist eine Bilanzsumme von ca. 2 Billionen aus. Und das bei einem Eigenkapital von ca. 50 Mrd. "Verflüchtigen" sich nur 2,5% der Bilanzsumme aufgrund der Überschuldung vieler Staaten (Kunden), ist das Eigenkapital futsch und die Bank ist pleite. Noch Fragen?
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