SAC-Manager Cohen: Ermittler jagen Hedgefonds-Milliardär

Von , New York

Die Justiz ist dem Hedgefonds-Granden Steven Cohen auf den Fersen. Seine Firma SAC soll von Insider-Geschäften profitiert haben, mehrere Manager wurden bereits verurteilt - und jetzt richten sich die Blicke auf den Milliardär.

SAC-Mann Cohen: Hedgefonds-Manager im Visier der Fahnder Zur Großansicht
REUTERS

SAC-Mann Cohen: Hedgefonds-Manager im Visier der Fahnder

Es war die Charity-Gala der Saison. Mehr als 4200 Millionäre und Milliardäre drängelten sich im Kongresszentrum Manhattans, das in eine enorme Cocktail-Lounge verwandelt worden war. Slogans flimmerten über die Leinwände: "Armut bekämpfen wie ein New Yorker."

Die Robin Hood Foundation, die Spendenstiftung der US-Hedgefonds-Branche, brachte vorige Woche wieder die Fürsten der Wall Street zusammen. Die Finanzjongleure, die sich von Superstars wie Bono, Sting und Elton John unterhalten ließen, gaben fast 81 Millionen Dollar für wohltätige Zwecke - aus ihrer Sicht eine verschmerzbare Gabe.

Unter den VIP-Gästen war auch Steven Cohen. Als Vorstandsmitglied der Organisation hat der legendäre Hedgefonds-Manager selbst schon Millionen gestiftet. Am Rande der Party lobte er den Gründer der Gruppe, den Top-Investor Paul Tudor Jones, für seine sozialen Verdienste: "Es gibt nichts Vergleichbares", sagte er.

Die vom Wirtschaftsdienst Bloomberg kolportierte Freude an der gemeinsamen Großzügigkeit dürfte nicht lange gehalten haben. Cohen, einer der erfolgreichsten Hedgefonds-Stars seiner Generation, hat andere Sorgen. Seit Jahren ist ihm die Justiz wegen des Verdachts auf Insiderhandel auf den Fersen. Lange galt er als unberührbar. Doch jetzt zieht sich die Schlinge offenbar zu.

Indiziennetz gegen den SAC-Chef

Am Donnerstag meldete das "Wall Street Journal", die Staatsanwaltschaft habe drei Top-Manager aus Cohens Fondsfirma SAC Capital Advisors vorgeladen, darunter SAC-Präsident Tom Conheeney. Die Cohen-Vertrauten sollen vor einem Großen Geschworenengericht aussagen, das eine Anklage wegen Insiderhandels gegen SAC prüft.

Es ist der jüngste Angriff der Justiz auf Cohen und sein Haus, das mehr als 14 Milliarden Dollar verwaltet. Andere SAC-Mitarbeiter waren schon vorgeladen worden, auch Cohen selbst. Gegen neun Fondsmanager erhob die Staatsanwaltschaft inzwischen Anklage. Vier bekannten sich schuldig und wurden zu Kronzeugen.

Es ist eine klassische Strategie: Aus den Geständnissen der kleinen Fische will die Justiz ein Indiziennetz flechten, in dessen Mitte am Ende der große Fisch landen soll: Steven Cohen.

Der nächste Gordon Gekko?

Es wird eng für den Multimilliardär, den man an der Wall Street bisweilen mit dem "großen Gatsby" vergleicht, F. Scott Fitzgeralds mysteriösem Roman-Aufschneider. US-Staatsanwalt Preet Bharara und die Börsenaufsicht SEC vermuten, dass ein Teil der SAC-Gewinne illegal erschwindelt sind. Der Firma wird unter anderem vorgeworfen, 2008 von vertraulichen Informationen über ein Alzheimer-Medikament an der Börse profitiert zu haben.

Cohen beteuert seine Unschuld. Trotzdem hält dieser Krimi die Wall Street in Atem: Immer mehr erinnert er an den Sturz des Junkbonds-Jongleurs Michael Milken im Jahre 1990. Milken wurde zum Vorbild für Gordon Gekko, dem Finanzbösewicht aus Oliver Stones Film "Wall Street".

Cohen, 56, passt ins gleiche Klischee. Sein Privatvermögen wird auf 9,3 Milliarden Dollar geschätzt, seine Kunstsammlung ist Legende, sein Anwesen bei weitem das größte in der Milliardärsenklave Greenwich in Connecticut.

Das alles soll auf Sand gebaut sein. Im Zuge des Insider-Verfahrens gegen den gestürzten Hedgefonds-King Raj Rajaratnam stießen die Ermittler auf ein ganzes Netzwerk aus Tippgebern und Kursflüsterern, die sich illegal bereicherten, indem sie mit Hilfe nicht öffentlicher Konzern-Interna spekulierten.

Und immer wieder führten die Spuren zu SAC. Im April erklärte sich das Unternehmen bereit, die Rekordsumme von 616 Millionen Dollar zu zahlen, um zwei Verfahren per Vergleich beizulegen.

"Kriminelle Vereinigung"?

Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft stoppte das aber nicht. Die erwägt laut "Wall Street Journal" inzwischen, SAC als "kriminelle Vereinigung" anzuklagen. Grundlage ist das sogenannte Rico-Gesetz, das sonst gegen Mafiosi und Drogengangs zum Einsatz kommt.

Wie ernst die Lage ist, zeigte sich auch vorige Woche: Da erklärte die Firma SAC in einem Brief an ihre Investoren, dass sie nicht länger mit der Justiz kooperiere und Details des Falls fortan vor ihren Klienten geheim halten werde. Die Kunden verlieren allmählich das Vertrauen. Anfang des Jahres zogen sie 1,7 Milliarden Dollar aus den SAC-Fonds ab, rund ein Viertel des nicht von Cohen persönlich gestellten Kapitals.

"Das einzige, das Steve Cohen interessiert, ist, dass wichtige Leute ihn für den tollsten Trader der Welt halten", sagte einer seiner ehemaligen Freunde zu "Vanity Fair". "Vieles von dem, für das er gearbeitet hat, wurde ihm bereits genommen."

Diese Woche meldete Bloomberg, Cohen habe der Justiz einen Kompromiss angeboten: SAC würde sich schuldig bekennen und schließen - er dafür aber nicht länger verfolgt werden.

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 16 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Der Täter
zylmann 24.05.2013
bestimmt über den Gesetzgeber. Sind wir jetzt so weit oder waren wir schon immer in der Gefangenschaft der Großkapitalverbrecher?
2. Artenschutz?
sunburner123 24.05.2013
Was, die Amis rücken einem Milliardär auf die Pelle? Dachte die stehen Weltweit unter Artenschutz? Zumindest bei uns ist das ja so.
3.
glen13 24.05.2013
Zitat von sysopDie Justiz ist dem Hedgefonds-Granden Steven Cohen auf den Fersen. Seine Firma SAC soll von Insider-Geschäften profitiert haben, mehrere Manager wurden bereits verurteilt - und jetzt richten sich die Blicke auf den Milliardär. Druck auf Hedgefonds-Milliardär Steven Cohen von SAC Capital steigt - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/druck-auf-hedgefonds-milliardaer-steven-cohen-von-sac-capital-steigt-a-901608.html)
Veruntreue oder betrüge die Steuer und von dem geklauten Geld gibst du ein Fünftel oder weniger den ehrlichen Trotteln als Spende. Lass dich dann als großzügiger Mäzen feiern, der sozial und gerecht die Armen speist.
4. Eine Überlegung
HeinrichMatten 24.05.2013
Was hülfe es Herrn Cohen, wenn er noch mehr Geld gewönne und nähme Schaden an seiner Seele?
5. Hedgedsfons
bayern2004 24.05.2013
Ich glaube, dies hat auch schon der Letzte kapiert, daß die Finanzwelt nur auf ein Gerüst von Absprachen, insider Infos und Betrug aufgebaut ist. Wer glaubt an der Wallstreet wird fair und gesetzlich gearbeitet, lebt im 12. Jahrhundert!!!
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Wirtschaft
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Unternehmen & Märkte
RSS
alles zum Thema Hedgefonds
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 16 Kommentare
Fotostrecke
Erklärgrafiken: So zocken Hedgefonds

Fotostrecke
Erklärgrafiken: So funktionieren Leerverkäufe

Fotostrecke
Grafik-Strecke: So zockt man mit Kreditversicherungen