Dubiose Geschäfte Ex-Manager wirft HSH Nordbank große Fehler vor

Einst leitete er die Londoner Filiale der HSH Nordbank, nun hielt Luis Marti-Sanchez seinem früheren Arbeitgeber schwere Versäumnisse beim Risikomanagement vor - "es gab überhaupt keine Kontrolle".

Ex-Filialleiter Marti-Sanchez: "Der Vorstand hatte keinen Überblick über die Risiken"
dapd

Ex-Filialleiter Marti-Sanchez: "Der Vorstand hatte keinen Überblick über die Risiken"


Kiel - Die Affäre um die HSH Nordbank ist vor dem Untersuchungsausschuss im Kieler Landtag in die nächste Runde gegangen: Der ehemalige Leiter der Londoner Niederlassung, Luis Marti-Sanchez, lastete der Landesbank grobe Nachlässigkeiten im Risikomanagement an. "Meine erste Überraschung war, es gab überhaupt keine Kontrolle", sagte Marti-Sanchez im Hinblick auf seine Anfangszeit bei der Bank im Jahr 2006.

Der parlamentarische Untersuchungsausschuss will die Hintergründe der Schieflage aufklären, in die die Bank in der Finanzkrise geraten war. Hamburg und Schleswig-Holstein sind Hauptanteilseigner, sie hatten die Bank 2009 mit Milliardenhilfen gerettet. Der Grünen-Obmann im Ausschuss, Thorsten Fürter, erklärte, die Aussage des Ex-Managers zeige, dass die Ursache für die Verluste der Bank Fehlentscheidungen seien. "Das Lügengebäude mehrerer ehemaliger Aufsichtsratsmitglieder, die Bank sei bis zur Lehman-Pleite kerngesund gewesen, bricht immer mehr in sich zusammen."

Die Vorstände hätten von den Problemen gewusst, sagte Marti-Sanchez. Er übte auch Kritik an der Geschäftsstrategie. "Ich kenne keine Bank, die mit so einer kleinen Kapitalausstattung so große Risiken eingegangen ist." Bis er die Bank 2009 verlassen habe, habe es bei der HSH Nordbank kein vernünftiges "Value at Risk", eine Risikoabschätzung über einzelne Anlagen, gegeben. "Das bedeutet, dass der Vorstand keinen Überblick hatte über die Risiken der Bank." Es hätten "die richtigen Leute und die richtige Expertise gefehlt". Die Bank habe strukturierte Wertpapiergeschäfte getätigt, die dort keiner verstanden habe. Anlagen seien "zu spät und zu schlecht" verkauft worden. Ausreichende Kontrollmechanismen hätten gefehlt. Er habe darüber mit vielen Mitarbeitern in der Bank gesprochen.

Eigene Abteilung "Steuer-Transaktionen"

Der Ex-Manager behauptete vor dem Ausschuss zudem, die Bank habe seit 2002 oder 2003 über eine eigene Abteilung "Steuer-Transaktionen" veranlasst, um Steuern zu sparen. Ohne diese Transaktionen wäre die Bank "in einigen Jahren vielleicht nicht so profitabel" gewesen. "Alle Deals gingen durch den Vorstand und durch den Aufsichtsrat", sagte Marti-Sanchez.

Die Hamburger Staatsanwaltschaft bestätigte den Eingang einer Strafanzeige wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung. "Wir prüfen die Anzeige", sagte Sprecher Wilhelm Möllers.

Ein Sprecher der HSH Nordbank wies den Vorwurf der Steuerhinterziehung zurück: "Die in Rede stehenden Geschäfte sind der Finanzverwaltung im Zuge der Steuererklärung offengelegt worden und unterliegen der laufenden Betriebsprüfung."

wit/dapd/dpa



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onkel hape 29.10.2010
1. Wie lange noch...
...lassen sich die Länder HH u. SH, die ja Haupteigentümer der HSH-Nordbank sind, das unfähige, kriminelle ? Treiben des Herrn Nonnenmacher noch gefallen? Dieser Mann steht seit Monaten in der Kritik u. trägt die Hauptverantwortung für diesen maroden Laden. Offensichtlich hält der immer noch mächtige Herr Kopper seine schützende Hand über ihn. Man kann es nicht begreifen,
Joerg 29.10.2010
2. ...
Zitat von onkel hape...lassen sich die Länder HH u. SH, die ja Haupteigentümer der HSH-Nordbank sind, das unfähige, kriminelle ? Treiben des Herrn Nonnenmacher noch gefallen? Dieser Mann steht seit Monaten in der Kritik u. trägt die Hauptverantwortung für diesen maroden Laden. Offensichtlich hält der immer noch mächtige Herr Kopper seine schützende Hand über ihn. Man kann es nicht begreifen,
Tja, wenn der Herr Nonnenmacher nicht so viel wüsste, wäre er schon längst im Abseits.
mmeissner, 29.10.2010
3. Sumpf von Korruption
Offenbar ist es wirklich so, anders ist das Verhalten von Kopper nicht zu erklären. Noch verrückter finde ich aber, was die Politik für einen schwachsinnigen Vertrag mit Nonnenmacher geschlossen hat: Wird der Vertrag vorzeitig beendet, muß N. nicht nur nicht mehr bis 2012 arbeiten, nein, er bekommt auch noch 3 Mio. wegen der Vorzeitigen Auflösung! Welcher Depp hat denn bitte diesen Vertrag verhandelt? Ich finde das alles richtig schlimm, hoffentlich werden gegen Nonnenmacher so hohe Schadensersatzforderungen wegen der Omega-Geschäfte geltend gemacht, dass ihm grün und blau in der Birne wird und seine 2,7 Mio Sonderzahlung wie ein Tropfen auf einem 100 Grad heißen Stein verdampfen. Ich wäre bereit an einer regelmäßigen täglichen Demo gegen diesen Typen vor der HSH teilzunehmen, gibt es da bereits Pläne? Wir können uns in Hamburg doch nicht alle so verarschen lassen!!!
sorgenbrecher70, 29.10.2010
4. Immer wieder Nonnenmacher
Jedes Unternehmen dieser Welt hätte sich wahrscheinlich bereits längst ihres CEOs entledigt, wenn dieser jede Woche, wieder und wieder, negativ in den Schlagzeilen steht. Und das unabhängig seiner letztlich persöblichen Schuldfrage. Allein um ihr Ansehen halbwegs zu retten. Da er scheinbar weiterhin fest im Sattel sitzt und Kopper ihm die Treue schwört, gilt wohl der Umkehrschluss: angekommen auf dem Nullpunkt, kann es um die Reputation der HSH nicht schlimmer kommen.
fxe1200 29.10.2010
5. Nonnenmacher...
....würde heute schon einsitzen, wenn diejenigen, die das Wissen um ihn, daß wir heute besitzen, auch belegen würden. Nur diese haben sicherlich auch die Hand aufgehalten und hüllen sich in Schweigen.
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