Klimaschutz DZ Bank will keine Kohlekraftwerke mehr finanzieren

Deutschlands zweitgrößtes Geldinstitut steigt aus der Finanzierung von Kohlekraftwerken aus. Das geht aus einem Brief des Vorstands der DZ Bank hervor. Künftige Anfragen für Projektfinanzierungen will man demnach ablehnen.

Sonnenaufgang hinter dem Steinkohlekraftwerk Mehrum in Niedersachsen
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Sonnenaufgang hinter dem Steinkohlekraftwerk Mehrum in Niedersachsen


Pünktlich zum Klimagipfel in Bonn kommt Bewegung in die Diskussion um den Kohleausstieg - und die Beteiligung von Unternehmen und Banken. So will das zweitgrößte deutsche Kreditinstitut, die DZ Bank, aus der Finanzierung von Kohlekraftwerken aussteigen. Das geht aus einem Brief des genossenschaftlichen Spitzeninstituts an die GLS Bank hervor, die ebenfalls zum Verbund der Volks- und Raiffeisenbanken gehört.

Die GLS, die sich selbst als "soziale und ökologische Bank" versteht, setzt sich innerhalb der Genossenschaftsbanken schon länger für eine nachhaltige Anlagestrategie ein. Sie konnte in der Vergangenheit aber nicht sicherstellen, dass die von ihr bei der DZ Bank angelegten Gelder nach solchen Kriterien verwendet wurden.

Nun kommt die DZ Bank dem Wunsch nach mehr Nachhaltigkeit zumindest teilweise nach. Der Vorstand sei "zu dem Ergebnis gekommen, künftig neue Anfragen für Projektfinanzierungen für Kohlekraftwerke abzulehnen", heißt es in dem Brief, der dem SPIEGEL vorliegt. "Die DZ Bank wird damit aus der Finanzierung von Kohlekraftwerken aussteigen." Zusätzlich arbeite man an einer neuen Klimastrategie für die Unternehmen der DZ Bank Gruppe. Unterzeichnet ist der Brief von den beiden Firmenkunden-Vorständen Stefan Zeidler und Uwe Berghaus. Ein Sprecher der DZ Bank bestätigte auf Anfrage die Entscheidung des Vorstands.

Auf die Finanzierung des Kohlebergbaus bezieht sich der Entschluss offenbar zunächst nicht. In Bankkreisen heißt es, man habe in diesem Bereich aktuell ohnehin keine Projektfinanzierungen. Umweltorganisationen wie Urgewald haben die Bank jedoch immer wieder wegen Krediten an Bergbaukonzerne wie BHP Billiton kritisiert.

Der Ausstieg der DZ Bank zeigt, wohin der Trend in großen Teilen der deutschen Wirtschaft geht - wenn auch eher langsam. Bereits vor zwei Jahren hatte der weltgrößte Versicherer Allianz seinen Ausstieg aus allen Kohleinvestitionen verkündet. Andere Unternehmen folgten bisher nur zögernd.

Seit dieser Woche findet in Bonn die Weltklimakonferenz statt, bei der es auch um die klimaschädlichen Kohlekraftwerke geht. Zeitgleich ringen Union, FDP und Grüne in den Verhandlungen über eine Regierungskoalition um die Frage des Kohleausstiegs. Vor allem FDP und Grüne streiten heftig darüber, ob und wie schnell deutsche Kohlekraftwerke stillgelegt werden können, um die deutschen Klimaziele für das Jahr 2020 noch zu erreichen.

Auch in diesen Konflikt mischt sich jetzt die deutsche Wirtschaft ein. Rund 50 deutsche oder in Deutschland aktive Unternehmen fordern von der künftigen Bundesregierung einen "verlässlichen und sozialverträglichen Ausstiegspfad bei der Kohleverstromung". In großen Anzeigen wollen die Konzerne diese Forderung auch öffentlich machen.

stk



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