Kurskorrektur Kernenergie bleibt nun doch bei E.on

Der Energieriese E.on beugt sich dem Druck der Politik - und will seine Kraftwerkssparte nun doch nicht auf die Schwester Uniper übertragen. Aufgespalten wird das Unternehmen dennoch. Der Konzern bleibt 2015 tief in den roten Zahlen.

E.on-Vorstandsvorsitzender Johannes Teyssen (Archivbild): Risiken vorbeugen
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E.on-Vorstandsvorsitzender Johannes Teyssen (Archivbild): Risiken vorbeugen


Der künftig gespaltene Energiekonzern E.on hat richtungsweisende Entscheidungen aus dem Frühjahr in Teilen wieder zurückgenommen. Das Unternehmen werde sein Kernenergiegeschäft nicht wie ursprünglich geplant auf die neue Gesellschaft Uniper übertragen, teilte der Konzern mit.

Der verbleibende Betrieb und Rückbau der deutschen Erzeugungskapazität aus Kernenergie gehe nicht auf Uniper über, sondern bleibe in der Verantwortung von E.on, heißt es. Die grundsätzliche Aufspaltung in zwei Unternehmen sei davon nicht berührt. Diese verlaufe im Zeitrahmen.

"Mit dieser Entscheidung beugen wir Risiken für die Umsetzung unserer Konzernstrategie vor", sagte E.on-Chef Johannes Teyssen. "Wir können und wollen nicht auf etwaige politische Entscheidungen warten, die die Abspaltung von Uniper verzögern könnten."

In der Politik waren zuletzt die Zweifel gewachsen, ob der Konzern nach einer Aufspaltung noch für die Abwicklung seines Atom-Erbes gerade stehen kann. Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel(SPD) willmit einem neuen Gesetz verhindern, dass Energiekonzerne sich vor den Kosten für den Atomausstiegdrücken.

Gabriels Pläne hätten dazu geführt, dass E.on nach der endgültigen Abgabe aller Uniper-Anteile für die Atomkraftwerke zwar weiter haften müsste, aber keine Kontrolle mehr über die Anlagen hätte. Insbesondere das Risiko einer gesetzlich verankerten Entkopplung zwischen Haftung und unternehmerischem Einfluss sei nicht tragbar, betonte Teyssen. Seiner Einschätzung nach seien die Pläne Gabriels zwar verfassungswidrig. Eine jahrelangen Rechtstreit wolle E.on aber nicht abwarten.

Uniper soll zum Jahreswechsel an den Start gehen. Die deutsche Kernenergie werde künftig durch PreussenElektra in Hannover gesteuert, kündigte E.on an, die Kernenergie sei für den Konzern kein strategisches Geschäftsfeld. Rund 2300 E.on-Mitarbeiter werden angesichts des Verbleibs der Kernenergie im Konzern nun doch nicht zu Uniper wechseln.

E.on bleibt 2015 tief in den roten Zahlen

Die Kursberichtigung gehe insbesondere auf aktualisierte Annahmen zur Entwicklung von Strom- und Primärenergiepreisen sowie der politischen Rahmenbedingungen und deren Auswirkungen auf die erwartete Profitabilität zurück, heißt es weiter. E.on wird auch im laufenden Jahr mit einem dicken Minus abschließen: Im dritten Quartal müssten Abschreibungen in der Größenordnung eines "höheren einstelligen" Milliarden-Euro-Betrags verbucht werden, teilte der Konzern mit. Im Geschäftsjahr 2015 werde es zu einem erheblichen Fehlbetrag kommen. Es ist der zweite Milliardenverlust in Folge. Der Konzern hatte bereits im vergangenen Jahr ein Minus von knapp 3,2 Milliarden Euro verbucht.

Die Aktie von E.on hat am Donnerstagmorgen im vorbörslichen Handel 1,27 Prozent verloren. Seit Jahresbeginn sank das Papier bereits um fast 32 Prozent und war damit zweitschlechtester Dax-Wert nach dem Branchenkollegen RWE.

E.on betreibt derzeit in Deutschland noch drei aktive Kernkraftwerke und hält Minderheitsbeteiligungen an drei weiteren. Der Anteil der deutschen Kernenergie am heutigen Erzeugungsportfolio des Unternehmens liegt nach Konzernangaben bei rund acht Prozent. PreussenElektra werde die drei noch aktiven Kernkraftwerke solide und verantwortungsvoll bis zum Ende der Laufzeit betreiben und den Verpflichtungen für Rückbau und Entsorgung uneingeschränkt nachkommen.

Gabriels Gesetz könnte nach SPIEGEL-Informationen neben den Energieriesen E.on, RWE und Vattenfall auch die grün-rote Landesregierung in Baden-Württemberg in Schwierigkeiten bringen: Danach müssten das Land und einige Landkreise unbefristet für den milliardenschweren Rückbau der Atomanlagen und für die Endlagerung nuklearer Abfälle von EnBW haften, sollte Gabriel sein Gesetz in der jetzigen Form durchsetzen.

bos/dpa

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insgesamt 15 Beiträge
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Seite 1
karljosef 10.09.2015
1. Der Steuerzahler wartet gespannt auf
einen zu den bad banks parallelen bad Energieriesen!
wo_st 10.09.2015
2.
Jetzt kann E.on in nächster Zeit Insolvenz anmelden und der Steuerzahler erledigt den Kernkraftwerk-Rückbau. "Edle Klasse"
eisbärchen_123 10.09.2015
3. So wird eine ganze Branche abgewickelt...
...dank Frau Merkels Energiewende-Murks. Arbeitsplatzverluste und horrende finanzielle Verluste für Kleinanleger inklusive!!
litholas 10.09.2015
4.
--------------------------- ZITAT von eisbärchen_123: --------------------------- "So wird eine ganze Branche abgewickelt... ...dank Frau Merkels Energiewende-Murks. Arbeitsplatzverluste und horrende finanzielle Verluste für Kleinanleger inklusive!!" ----------- ZITATENDE ----------- Besser diese Branche wird abgewickelt als dass die Branche Deutschland abwickelt. Dass das passieren wird ist seit 2001 bekannt, die Arbeiter und die Kleinanleger haben 21 Jahre Zeit sich drauf einzustellen. Von den Arbeitern geht in der Zeit eh die Hälfte in Rente, und der Rest könnte in den Konzernen bleiben, es wird ja weiterhin Strom gebraucht. 21 Jahre sollten den Arbeitnehmern als auch den Betrieben genügen um intern umzuschulen. Und wenn die Kleinanleger stur in Kernkraft investieren, dann haben sie es so gewollt. Haben jahrelang Dividenden verjuxt anstatt ihr Portfolio zu diversifizieren. Dafür können sich Investoren in andere Aktien nun freuen - dank der Energiewende. Die nicht durchgeführt wird um die Kernkraftinvestoren zu bestrafen, sondern um Deutschlands Zukunft zu sichern. Die Kernkraftinvestoren hätten sich ja beteilgen können, oder war das verboten?
tempus fugit 10.09.2015
5. Atommurks,...
Zitat von eisbärchen_123...dank Frau Merkels Energiewende-Murks. Arbeitsplatzverluste und horrende finanzielle Verluste für Kleinanleger inklusive!!
...weil der ganze Nuklearmurks startete, um von vornherein in einem Billionenloch zu enden, das noch Generationen zu füllen haben! Die Rückbau- und Endlagerkosten - ohne 1 (ein) einziges Endlager weltweit - werden weit mehr kosten als Bau und Stromkosten dieser dümmsten, gefährlichsten, teuersten Technik, Wasser heiss zu machen! Frankreich wird möglicherweise daran zugrund gehen, mit 75 Meilern, die schlicht altersbedingt in absehbarer Zeit dicht gemacht werden müssen. Und sollte sich mitten in Westeuropa auch nur 1 SuperGAU ereignen (nicht 4 wie in Fukushima in dort noch günstiger geograf. und meteorlog. Lage..) dann ist Europa am ENDE! Kriegsähnliche Zustände! Für Gross- und Kleinanleger, wenn man nur kleinlich denkt...
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