Gewinneinbruch E.on-Chef fordert Hilfen für Kohle- und Gaskraftwerke

E.on leidet unter sinkenden Gewinnen. Konzernchef Teyssen sieht die Politik in der Pflicht, die Kosten einer sicheren Stromproduktion mitzutragen - und fordert daher Hilfen für schwächelnde Kraftwerke.

E.on-Chef Teyssen: Konzern macht Konkurrent durch Ökostrom zu schaffen
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E.on-Chef Teyssen: Konzern macht Konkurrent durch Ökostrom zu schaffen


Düsseldorf - Mitten in die Diskussion um einen Atomfonds platzt E.on-Chef Johannes Teyssen mit einer weiteren Forderung: Der Vorstandschef dringt nach einem Gewinneinbruch auf Hilfen für die schwächelnden Kohle- und Gaskraftwerke. Er hoffe, dass die Bundesregierung kurzfristig einen Weg einschlage, um die Stromerzeugung aus ständig verfügbaren Kraftwerken durch eine angemessene Vergütung abzusichern, schrieb der Manager in dem am Dienstag veröffentlichten Quartalsbericht an die Aktionäre.

Die Konkurrenz durch den Ökostrom und der Preisverfall bei den Strom-Großhandelspreisen drückten die Gewinne im ersten Quartal weiter. Unter dem Strich brach der Gewinn auf 762 Millionen Euro ein - ein Minus von 65 Prozent. E.on machte dabei - wie der Konkurrenz - auch der milde Winter zu schaffen. "Deutschland ist unser wichtigster Markt, aber auch der mit den größten Herausforderungen durch Politik und Regulierung", sagte Teyssen. E.on sei überzeugt, dass die Energiewende effizient und sicher gestaltet werden könne.

Im ersten Quartal fiel der operative Gewinn (Ebitda) um zwölf Prozent auf 3,2 Milliarden Euro, der für die Dividende entscheidende nachhaltige Konzernüberschuss ging um 13 Prozent auf 1,2 Milliarden Euro zurück. Teyssen bekräftigte die Prognose für 2014: Demnach wird unter anderem der operative Gewinn im Gesamtjahr auf 8,0 bis 8,6 Milliarden Euro fallen. Im Vorjahr waren es 9,3 Milliarden Euro gewesen.

E.on leidet wie RWE, EnBW, Vattenfall und zahlreiche Stadtwerke unter der Konkurrenz durch den Ökostrom. Dies lässt die Börsenpreise fallen und drängt die Gas- und Kohlekraftwerke aus dem Markt. Die Versorger fordern, dass ihre rund um die Uhr laufenden Anlagen im Vergleich zu den Ökostromanlagen gestärkt werden. Sie treffen dabei aber bei der Bundesregierung bislang auf wenig Gegenliebe. Gleiches gilt für die Überlegungen der Atomkonzerne E.on, RWE und EnBW, den Betrieb der Kernkraftwerke und ihren Abriss in eine öffentliche Stiftung auszulagern.

Teyssen hat auf die Krise mit Stellenstreichungen, Kostensenkungen und dem Verkauf milliardenschwerer Beteiligungen reagiert. Dennoch drücken den Konzern Schulden in Höhe von mehr als 31 Milliarden Euro. Vor Jahresfrist waren es sogar noch mehr als 32 Milliarden gewesen. Der seit 2010 amtierende E.on-Chef hat mit Milliardensummen neue Geschäfte im Ausland aufgebaut, um die Einbußen durch die Energiewende in Deutschland wettzumachen. In Brasilien musste der Konzern nun aber erneut 200 Millionen Euro nachschießen, um seiner Beteiligung, dem Stromversorger Eneva, auf die Sprünge zu helfen.

yes/Reuters

insgesamt 142 Beiträge
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s.4mcro 13.05.2014
1. Gewinneinbruch ungleich kein Kapital
Diese Konzernen haben doch bereits so viel Gewinn gemacht, dass es für sie ein leichtes sein sollte die "schwächelnden" Gleider in der kette selbst zu fördern. Aber ok, solang der Steuerzahler es mit sich machen lässt, soll er auch bluten...
spon-facebook-1338657918 13.05.2014
2. Nein!
Man sollte die Konzerne verstaatlichen und das Monopol fgür Energie wieder in die Hand des Staates zurück geben. Es darf ja wohl nicht wahr sein. Da wurden Milliardengewinne gemacht und abgezockt bis der Arzt kommt und jetzt soll wieder der Steuerzahler einspringen nachdem der schon die Atomruinen finanziert hat. Man kann nur noch kotzen.
jimSelf 13.05.2014
3. Subventionen
Es war abzusehen: Subventionen (für volatilen Ökostrom) werden Subventionen (für grundlastfähige Energieträger) nach sich ziehen....
pimann 13.05.2014
4. politische Kapitalismus
Ohne Staat (also Steuerzahler) ist autoritäre Kapitalismus (also die unersätliche Kapitalisten) nicht zu retten.
u.loose 13.05.2014
5. Konkurrenz durch Ökostrom?
Zum Begriff Konkurrenz gehört allerdings untrennbar der Begriff Markt und eine identische Rechtslage. Beides trifft beim Öko-Strom bekanntermaßen nicht zu. Die leben weitestgehend von 23 Mrd Subventionen pro Jahr und auch der Begriff Markt gilt für die Ökos nicht. Das wird für die Bundesrepublik noch ein böses Ende nehmen wenn schon bei vergleichsweise geringem "Ökostrom" Anteil der Gesamtbedarf an Strom nur noch mit roten Zahlen gedeckt werden kann. Schlimmer noch - egal an welcher Schraube man auch dreht, die direkte Folge sind stark steigende Strompreise.
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