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E.on-Vorstand: "Erneuerbare Energien lohnen sich in Deutschland nur selten"

Die Energiewende kann nur mit Hilfe der großen Versorger gelingen - doch ausgerechnet E.on sieht Ökostrom-Investitionen in Deutschland kritisch. Im Interview erläutert Technikvorstand Klaus-Dieter Maubach, warum die Bundesrepublik für Solar- und Windanlagen ein schlechter Standort ist.

E.on-AKW an der Isar: Konzern vor Atomdämmerung Zur Großansicht
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E.on-AKW an der Isar: Konzern vor Atomdämmerung

SPIEGEL ONLINE: Herr Maubach, Sie sind E.ons Vorstand für Zukunftstechnologie. Erneuerbare Energien, CO2-Vermeidung - alles Ihr Beritt. Sind Sie ein Öko?

Maubach: Ich bin Ingenieur und Kaufmann, und ich bin für saubere Energieerzeugung. Mit dem Begriff "Öko" kann ich nichts anfangen. Das ist für mich keine Kategorie.

SPIEGEL ONLINE: Andersherum gefragt: Sind Sie der Mann, der den Atom- und Kohlekonzern E.on begrünen soll? Der Norbert Röttgen des Unternehmens?

Maubach: Ich soll nichts begrünen. Meine Aufgabe ist es, E.on zukunftsfähige Technologien zur Verfügung zu stellen, um damit neue Geschäftsfelder zu erschließen. Das sind größtenteils die erneuerbaren Energien. Schließlich haben wir unsere Strategie darauf ausgelegt, überall wo wir aktiv sind die Energieversorgung sauberer und effizienter zu machen.

SPIEGEL ONLINE: Gleichzeitig müssen Sie Kosten sparen. Ab 2013 muss E.on massenhaft CO2-Zertifikate kaufen, um seine Kohlekraftwerke weiter betreiben zu können.

Maubach: In der Tat, CO2 wird zum Kostenfaktor. Auch deshalb haben wir das Ziel ausgegeben, unsere Emissionen in Europa bis 2020 zu halbieren - von 720 Gramm auf 360 Gramm pro erzeugter Kilowattstunde Strom.

SPIEGEL ONLINE: Schon, nur setzen Sie dabei auf die CO2-arme Atomkraft. Die ist in Deutschland nun ein Auslaufmodell. Gilt Ihr Klimaschutzversprechen nach Fukushima noch?

Maubach: Wenn der Turboausstieg kommt, muss E.on tatsächlich neu rechnen, ob sich die Klimaschutzziele auch ohne Atomkraft einhalten lassen. Ich halte das aber für möglich.

SPIEGEL ONLINE: Wenn der Ausstieg kommt? Mal ehrlich: Wenn er nicht kommt, begeht die Regierung politischen Selbstmord.

Maubach: Die Frage ist nicht ob, sondern wie schnell er kommt und zu welchem Preis für Klima und Steuerzahler. Die Erkenntnis, dass man nichts überhasten sollte, setzt sich immer mehr durch. Die Untersuchung der Reaktorsicherheitskommission hat gezeigt, dass es keinen Anlass für übereiltes Abschalten gibt. Es bleibt natürlich ein Restrisiko. Aber da gilt immer noch die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts, dass ein Restrisiko bei Technologien grundsätzlich gesellschaftlich tolerierbar ist - um den technischen Fortschritt nicht zu blockieren.

SPIEGEL ONLINE: Seit dem Super-GAU in Japan hält ein Großteil der Deutschen dieses Restrisiko nicht mehr für tolerierbar.

Maubach: Ich toleriere das Restrisiko nach wie vor - zumindest in Deutschland. Unsere Kraftwerke sind so gebaut, dass sie zum Beispiel einem Erdbeben standhalten, wie es seit 100.000 Jahren nicht mehr in Deutschland vorgekommen ist. Fukushima wurde von einem Tsunami getroffen, wie er dort vor gut 100 Jahren das letzte Mal vorkam. Ich frage mich schon, wie so etwas überhaupt gebaut und betrieben werden durfte.

SPIEGEL ONLINE: Kein Unternehmen trifft der Atomausstieg so hart wie Ihres. E.on ist an 11 der 17 Meiler in Deutschland beteiligt. Wird der Konzern unprofitabel?

Maubach: Nein, wir sind da nicht einseitig abhängig. Wir haben bereits sechs Milliarden Euro in erneuerbare Energien investiert - bis 2013 kommen noch einmal 3,6 Milliarden hinzu. Zudem sind wir in den meisten unserer zwölf europäischen Märkte auch ohne Kernkraftwerke erfolgreich.

SPIEGEL ONLINE: Das meiste Geld für die Erneuerbaren ist ins Ausland geflossen - aus Angst, die eigenen AKW zu kannibalisieren?

Maubach: Aus ökonomischer Vernunft. In den USA gibt es in einigen Regionen hervorragende Winderträge. Also haben wir dort Windräder gebaut. Spanien ist ein EU-Land mit besonders vielen Sonnenstunden. Deshalb bauen wir dort unser erstes großes Solarkraftwerk, das in diesem Jahr ans Netz gehen wird.

SPIEGEL ONLINE: In Deutschland gibt es für Solarenergie ebenfalls tolle Profite - wegen der hohen Förderung. Warum haben Sie da nicht abgesahnt?

Maubach: Weil es hier viel länger dauern wird, bis Solarenergie ohne hohe Subventionen wirtschaftlich ist. Bis dahin ist man von der Politik abhängig. Da ist Spanien der bessere Markt. Was zählt sind die langfristigen Erträge. Viele Menschen unterstellen den Energieversorgern Profitgier. Aber wenn wir aus strategischen Gründen auf kurzfristige Profite verzichten, glaubt man uns nicht.

SPIEGEL ONLINE: Auch bei der Offshore-Windenergie investieren Sie eher in Dänemark und Großbritannien.

Maubach: In Deutschland müssen Hochsee-Windparks sehr weit draußen auf dem Meer gebaut werden. In anderen Ländern kann man näher an der Küste im flacheren Wasser bauen. Dort gibt es den gleichen Windertrag für geringere Investitionskosten. Wir sind aber auch am ersten deutschen Offshore-Windpark Alpha Ventus beteiligt und wollen weitere derartige Parks auch vor Deutschlands Küsten bauen.

SPIEGEL ONLINE: Klingt trotzdem so, als ob Deutschland in Ihrer Zukunftsplanung an Bedeutung verliert.

Maubach: Nein, Deutschland ist und bleibt unser wichtigster Markt. Bei neuen Investitionen geht es für uns aber immer darum: Wann lohnt sich welche Technologie in welchem Land am meisten? Und bei den erneuerbaren Energien lautet die Antwort im Moment selten Deutschland.

Das Interview führte Stefan Schultz

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insgesamt 268 Beiträge
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1. Gelddruckmaschinen
amerlogk 25.05.2011
11 von 17 Gelddruckmaschinen beteiligt.... Es überrascht das der Mann kein Interesse an dezentraler Energieversorgung unabhängig von russischem Gas und dem Jahrhunderttausend Verbrechen Kernkraft hat. Länder haben die Politiker die sind verdienen. Aber warum werden wir außer mit Frau Merkel noch mit solchen Wirtschaftsbossen bestraft? 28. Mai, zur Demo gehen!
2. wie lächerlich ist das denn
fordp 25.05.2011
Zitat von sysopDie Energiewende kann nur mit Hilfe der großen Versorger gelingen - doch ausgerechnet E.on sieht Ökostrom-Investitionen in Deutschland kritisch. Im Interview erläutert Technikvorstand Klaus-Dieter Maubach, warum die Bundesrepublik für Solar- und Windanlagen ein schlechter Standort ist. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,764789,00.html
natürlich lohnen sich im moment investitionen in deutschland für eon nicht, da sie ja ihren eigenen melkkühen akw und kohlekraftwerke konkurenz machen würden. wenn das wirklich seine sorge wäre hätten eon und konsorten doch schon lange in "besseren" gegenden investiert. widerliche, dem shareholdervalue unterworfene lügner.
3. Schweinefleisch
h_grabowski 25.05.2011
"Schweinefleisch essen ist ungesund, teuer und schmeckt nicht"...sagte die Sau
4. Solarstrom ist billiger als Diesel OHNE Mineralölsteuer
founder 25.05.2011
Dann kann er bestimmt sagen wieso sogar im sonnenarmen Deutschland Solarstrom billiger als Diesel OHNE Mineralölsteuer ist EEG Vergütung für kleine Dachanlagen 2012: 23 Cent pro kWh NEFZ innerorts Renault Cleanova II 23 14,4 kWh 3,31 EUR NEFZ innerorts Renault Kangoo 6,7 l 3,31 EUR / 6,7 = 0,49 EUR Alles was Diesel teurer ist als 49 Cent ist Diesel teurer als Solarstrom.
5. Nüchtern betrachtet,
ok-info 25.05.2011
hat dieser nüchterne Typ natürlich Recht. Schade, daß es darüber nichts zu diskutieren gibt ;) Bestimmt findet sich aber doch jemand, der sich zu Empörung verpflichtet fühlt ?
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Zur Person
Andreas Pohlmann/ E.ON
Klaus-Dieter Maubach, Jahrgang 1962, ist Vorstand für Forschung und Entwicklung bei E.on. Bei dem Energiekonzern arbeitet er schon seit 2001, unter anderem war er Vorstandsvorsitzender der E.on Energie AG. Der promovierte Diplomingenieur unterrichtet zudem als Honorarprofessor an der Technischen Universität Clausthal.

Energieriese E.on
Der Konzern
E.on ist eines der weltweit größten Energieunternehmen. Der Konzern hat gut 88.000 Mitarbeiter, erwirtschaftet einen Umsatz von gut 80 Milliarden Euro und hat rund 30 Millionen Kunden in mehr als 30 Ländern.
Die Geschäftsfelder
Strom und Gas sind E.ons Kerngeschäftsfelder. Der Konzern deckt die meisten Wertschöpfungsstufen der Energieversorgung ab - vom Kernkraftwerk und der Gasproduktion über die Verteilung bis hin zum Vertrieb. Regionaler Schwerpunkt des Konzerns ist das westliche und östliche Zentraleuropa.
Der Chef
Johannes Teyssen ist seit dem 1. Mai 2010 E.on-Chef. Im Vorstand des Konzerns sitzt er schon seit Januar 2004, seit 1. März 2008 war er stellvertretender Vorstandsvorsitzender. Teyssen sitzt zudem in den Aufsichtsräten der Deutschen Bank AG und der Salzgitter AG. ssu
Was kostet der Atomausstieg?
Zu den Kosten des Atomausstiegs kursieren verschiedene Zahlen. Die wichtigsten Werte im Überblick:
Privatwirtschaftliche Investitionen
Für den Atomausstieg müssen neue Windräder, Solaranlagen, Biomasseanlagen und Gaskraftwerke gebaut werden. Stromleitungen müssen ausgebaut werden. Hinzu kommen Investitionen in Energieeffizienz. Nach SPIEGEL-ONLINE-Berechnungen belaufen sich die Investitionen insgesamt auf rund 170 Milliarden Euro bis 2020. Andere Forschungsinstitute kommen auf ähnliche Werte.
Haushalt
Die Politik streitet vor allem darüber, was die Energiewende für Auswirkungen auf den Haushalt hat. Die im vergangenen Jahr beschlossene Brennelementesteuer etwa sollte der Regierung jährlich 2,3 Milliarden Euro bringen. Jetzt drohen die Energieversorger, gegen die Abgabe zu klagen - ihrer Ansicht nach war sie an die Laufzeitverlängerung gekoppelt. Manche fordern neue Subventionen für Industrien mit besonders hohem Energiebedarf.

Gleichzeitig verknüpft die Regierung Ausgaben mit dem Programm, die für den Atomausstieg gar nicht nötig sind: So will sie die Mittel für die Wärmedämmung alter Gebäude steigern. Generell gilt: Entschieden ist noch nichts - für Kostenberechnungen in puncto Haushalt ist es noch zu früh.
Strompreis
Die Preise für Endverbraucher werden auf absehbare Zeit nur wenig steigen. Denn der Strom, den sie beziehen, wird stets über mehrere Jahre eingekauft. Der aktuelle Preisschub fällt vorerst kaum ins Gewicht.

Bis Ende des Jahrzehnts könnte der Preis indes um mehrere Cent steigen. Allein durch den Netzausbau und die Großhandelspreise wäre ein Anstieg um drei Cent möglich - dazu kämen Milliardenkosten aus der EEG-Umlage.ssu

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Grafiken: Deutschlands Energiewirtschaft

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