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Konzernteilung: Was E.on-Kunden jetzt erwartet

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E.on-Schild in Hannover: Tiefgreifend wie radikal Zur Großansicht
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E.on-Schild in Hannover: Tiefgreifend wie radikal

E.on teilt sich bald in zwei Unternehmen auf. Was bedeutet dieser Strategiewechsel für Verbraucher und Aktionäre? Müssen Kunden mit steigenden Preisen rechnen? Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Berlin - E.on-Chef Johannes Teyssen wirkte übernächtigt, als er am Dienstag erste Details seiner neuen Konzernstrategie erläuterte. Er muss das derzeit oft und lange tun, denn der strategische Schwenk, den E.on am Sonntagabend überraschend ankündigte, ist so tiefgreifend wie radikal.

Europas größter Energieversorger will sich selbst zerschlagen und in zwei Firmen aufteilen, die sich teils gegenseitig Konkurrenz machen werden. Der Teil, der weiter E.on heißt, soll sich auf Stromnetze sowie dezentrale und erneuerbare Energien konzentrieren. Die andere Firma soll unter anderem das Geschäft mit der konventionellen Stromerzeugung weiterführen. Einen Namen für diese Firma hat Teyssen noch nicht bekanntgegeben. E.off wäre vielleicht ein guter Name, lästert mancher Energieexperte, der dieses Geschäft für wenig zukunftsträchtig hält.

Teyssen verkauft die Abspaltung der alten Energiewelt lieber als logische Trennung zweier unvereinbarer Welten. In der Welt der großen Kraftwerke gehe es darum, zu jeder Minute eine stabile Stromversorgung zu gewährleisten, sagt er. In der anderen Welt würden "radikal die Interessen der Kunden verhandelt", teils mit großem "Egoismus" - und eben ohne Rücksicht auf eine stabile Versorgung.

Was aber bedeutet die Selbstzerschlagung des Energieriesen E.on für seine rund 33 Millionen Kunden? Was für seine Aktionäre?

Was passiert mit den Kundenverträgen?

Auf dem Papier ändert sich für die Kunden zunächst nicht viel. "Die Kunden behalten ihre bestehenden Verträge", sagte Teyssen SPIEGEL ONLINE. Ihr Versorger ist weiterhin E.on oder einer der Tochterfirmen. Da die neue E.on alle großen Kraftwerksblöcke abspaltet, wird sie den Strom, den sie liefert, teils bei anderen Firmen einkaufen müssen.

Steigen die Strompreise?

Teyssen gibt sich in diesem Punkt zuversichtlich. "Es wird keine Preiserhöhungen durch die Abspaltung geben", verspricht der Konzernchef gegenüber SPIEGEL ONLINE. "Alles andere wäre den Kunden nicht zu vermitteln." Es besteht aber in der Tat das Risiko, dass die neue, kleinere E.on es nicht schafft, Strom günstig einzukaufen - und dass in der Folge die Preise für die Verbraucher steigen.

Da sich das Geschäft mit dem reinen Stromverkauf immer weniger rechnet, könne er sich "langfristig vorstellen, dass es Strom-Flatrates geben wird". Sprich: dass Stromlieferungen nicht mehr pro Kilowattstunde abgerechnet werden, sondern per Pauschale und der Endpreis eher von zusätzlichen Dienstleistungen wie Smart-Home-Lösungen oder Energieeffizienz abhängt. Auch wenn dieses Preismodell aus der Telekommunikation hinlänglich bekannt ist: In der Energiewirtschaft müsste es sich erst etablieren.

Wie sieht die Stromversorgung der Zukunft aus?

Erneuerbar. Und vor allem dezentral. Wenn neben Vorreitern wie Lichtblick nun auch ein Energieriese wie E.on Lösungen für eine dezentrale Energieversorgung forciert, dürfte die Konkurrenz bald nachziehen. Der Entwicklung entsprechender Kundenlösungen dürfte das einen Schub geben.

Es wird immer mehr Endverbraucher geben, die sich per Solaranlage mit angeschlossener Batterie oder einem Blockkraftwerk im Keller teils selbst mit Strom und Wärme versorgen. Die Licht und Heizung mit dem Smartphone steuern oder ihre Elektroautos, wenn sie sie nicht brauchen, der Allgemeinheit als dezentrale Stromspeicher zur Verfügung stellen.

Die ersten Kunden, die in diesem Bereich Pionierarbeit leisten, brauchen allerdings eine große Frustrationstoleranz. In sozialen Netzwerken liest man immer wieder Beschwerden von Smart-Home-Besitzern, deren Fußbodenheizung, Warmwasseraufbereitung oder Lichtanlage Sperenzchen macht.

Was erwartet die Aktionäre?

Zunächst werden sie, gewollt oder ungewollt, zu Eigentümern von zwei Firmen. "Wer bereits Aktionär ist, bekommt Aktien beider Firmen aufs Depot gebucht", sagt Teyssen. Wer dies nicht möchte, muss Anteilsscheine einer oder beider Firmen entsprechend abstoßen.

Bei Weitem nicht allen Aktionären dürfte diese Zwangsumwandlung ihrer Anteilsscheine gefallen. Denn solange die zwei neuen Firmenstrategien nicht im Detail vorliegen, wird große Unsicherheit darüber herrschen, wie sich die Aktienkurse der beiden Unternehmen entwickeln werden.

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insgesamt 56 Beiträge
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1. Smart Homes vs. Smart Phones
onkel_faultier 02.12.2014
Spiegel schreibt "In sozialen Netzen liest man immer wieder Beschwerden von Smart-Phone-Besitzern," Da hat wohl die Autokorrektur einen Fehler eingebaut...;-)
2. Größte Dummheit
rationalism 02.12.2014
Die Energiewende ist die größte Dummheit von nationalen Ausmaßen, seit Chinas "Großen Sprung nach vorn" in den Fünfzigern, als Mao die dezentrale Stahlproduktion verordnete. Das Ergebnis waren Hunderttausende von Hungertoten und einer Zunahme der Armut im Lande, zumindest letzteres wird auch die Energiewende auslösen. Um so einen Blödsinn auch in Deutschland anzufangen, bedurfte es zweifelsohne einer Person, die ebenfalls wie Mao, in einem kommunistischen Staat sozialisiert wurde und die sozialistische Machbarkeitswahnfantasien sozusagen mit der Muttermilch aufgesogen hat.
3. E.On verkauft Strom?
t dog 02.12.2014
Ich habe in dem Preisvergleichsportal meiner Wahl 2 Minuten lang nach unten gescrollt, auf der Suche nach E.On. Es muss angemerkt werden, das der günstigste Anbieter ganz oben angezeigt wird. 33 Millionen Kunden, also Haushalte, beliefern die? Mit Sicherheit der Teil der Gesellschaft, der kein Internet benutzt. Ich lach mich schlapp...
4. dezentral ist gut, autark ist besser!
fliegender-robert 02.12.2014
Ich habe Freunde, die gemeinsam mit ihren Nachbarn ihr eigenes autarkes 220-V-Netz haben: Photovoltaik + Generator am alten Mühlen-Wasserrad + Wasserturbine + 4 große Akku + 220V Spannungswandler, zusätzlich Solarthermie. Funktioniert prima (na gut, Wäsche waschen nur mittags und abends, wenn Warmwasser von der Sonne vorhanden ist...), Null Anschluss vom Energieversorger, Holz zum Heizen aus dem Wald. So läuft es!
5. Ja
rotertraktor 02.12.2014
"Müssen Kunden mit steigenden Preisen rechnen?" Diese Frage kann man bei Eon zweifelsfrei mit einem "Ja" beantworten, und zwar völlig unabhängig davon, ob der Konzern zerteilt wird, oder ob die Preise an der Strombörse wahlweise zu hoch oder zu niedrig sind, es gibt für unsere Energie-Oligarchen beim Kundenpreis immer nur eine Richtung, und zwar nach oben. Das ist jedenfalls meine persönliche Lebenserfahrung als Stromkunde aus den letzten Jahrzehnten.
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