Berlin - "Zeitnah" ist Politikerdeutsch und bedeutet: möglichst flott. In solch einem Tempo will sich die Bundesregierung nun offenbar Anteile am europäischen Luft- und Raumfahrtkonzern EADS sichern. Das geht aus einem Bericht des Bundeswirtschaftsministeriums an den Haushaltsausschuss des Bundestags hervor, aus dem mehrere Nachrichtenagenturen und das "Handelsblatt" zitieren. Danach könnte der Bund über die Staatsbank KfW schon bald bis zu zwölf Prozent der EADS-Aktien erwerben.
In dem Papier wird auf wachsenden Zeitdruck verwiesen, da sich der Autokonzern Daimler
noch in diesem Jahr von der Hälfte seines 15-prozentigen EADS-Anteils trennen will. "Vor diesem Hintergrund sollte die gesamte Transaktion zeitnah realisiert werden", heißt es. "Ansonsten droht die konkrete Gefahr, dass die Daimler AG ihre Anteile über den Markt verkauft."
Angesichts des Zeitdrucks würde die Bundesregierung offenbar auch mehr als den aktuellen Marktpreis bezahlen. In dem aktuellen Ministeriumspapier wird für die Übernahme ein Kaufpreis von 30 Euro je Aktie unterstellt, am Mittwoch lag der EADS
-Kurs dagegen bei 26,64 Euro. Der Bund würde sich den Einstieg knapp drei Milliarden Euro kosten lassen, heißt es in dem Bericht.
Zudem ist die Koalition offenbar auch zu gewissen Zugeständnissen gegenüber dem Partner Frankreich bereit. Deutschland strebe zwar ein Gleichgewicht mit dem französischen Staat in der Eigentümer-Struktur an und wolle deswegen den bestehenden Aktionärspakt aufschnüren, heißt es in dem Bericht. "Diese Balance soll auch zukünftig so weit wie möglich gewahrt bleiben."
Gewisse Abweichungen der deutschen Mitwirkungsrechte im Vergleich zu den französischen wären dem Papier zufolge aber unvermeidbar. Denn das für EADS geltende niederländische Übernahmerecht sieht vor, dass die KfW als neue deutsche Statthalterin auf Veto- und Nominierungsrechte im Eigentümerkreis verzichten muss.
"Das wird am Ende so kommen"
In einem ersten Schritt sollen die privaten Finanzinvestoren aus dem sogenannten Dedalus-Bankenkonsortium herausgekauft werden, die insgesamt 4,5 Prozent an EADS besitzen. Aus Finanzkreisen verlautete, die Investoren seien verkaufswillig. "Das wird am Ende so kommen", zitierte die Nachrichtenagentur Reuters einen Insider.
Das Daimler-Paket von 7,5 Prozent soll in einem zweiten Schritt erworben werden. Insgesamt käme der deutsche Staat dann direkt und indirekt auf 15 Prozent an EADS. Zusammen mit bereits bestehenden Dedalus-Anteilen der KfW käme der Bund auf 15 Prozent der Airbus-Mutter - und wäre gleichauf mit Frankreich. Weitere 7,5 Prozent würde Daimler behalten.
In den langen Machtpoker um EADS war durch die geplatzte Fusion des paneuropäischen Unternehmens mit der britischen BAE Systems Bewegung gekommen. Der Zusammenschluss war an den widerstreitenden Machtinteressen der betroffenen Regierungen gescheitert.
dab/Reuters/dpa
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