EADS-Teilverkauf Daimler-Angebot stößt in der CDU auf Skepsis

Soll die Bundesregierung EADS-Anteile von Daimler kaufen? Unionspolitiker sehen eine mögliche Teilverstaatlichung des europäischen Luft- und Raumfahrtkonzerns kritisch - obwohl der Staat die deutsch-französische Machtbalance beibehalten will.

EADS-Werk in Friedrichshafen: Daimler-Paket mit einem Marktwert von 2,7 Milliarden Euro
DPA

EADS-Werk in Friedrichshafen: Daimler-Paket mit einem Marktwert von 2,7 Milliarden Euro


Berlin - Weniger Daimler, mehr Bund: Der Autohersteller bietet die Hälfte seiner Beteiligung am Luft- und Rüstungskonzern EADS der Bundesregierung an. Doch in der Koalition wird die mögliche Teilverstaatlichung kritisch gesehen. "Wir müssen weg kommen von den Verstaatlichungen, die in der Krise, aber nur in der Krise nötig waren", sagte der wirtschaftspolitische Sprecher der Union, Michael Fuchs, der "Berliner Zeitung". Aus seiner Sicht sei EADS wohl nicht die Ausnahme, die einen Bruch mit ordnungspolitischen Grundsätzen rechtfertige.

Laut der "Financial Times" hat Daimler der Bundesregierung die Hälfte seines 15-Prozent-Anteils an EADS zum Kauf angeboten. Zusammen mit dem bei einem deutschen Bankenkonsortium geparkten Paket von weiteren 7,5 Prozent habe der Bund die Möglichkeit, insgesamt 15 Prozent an EADS zu erwerben. Das Paket hat derzeit einen Marktwert von 2,7 Milliarden Euro. Es wird seit langem spekuliert, dass der Autobauer seine EADS-Beteiligung ganz oder teilweise abgibt.

Die Regierung steht vor einer schwierigen Entscheidung: Sie möchte die deutsch-französische Machtbalance in dem europäischen Gemeinschaftskonzern erhalten. Doch dürfte es der FDP, allen voran Wirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) schwerfallen, einem Kauf zuzustimmen. Der FDP-Vizechef hatte sich in der Vergangenheit wiederholt gegen öffentliche Unterstützung für Unternehmen ausgesprochen.

Kanzlerin Angela Merkel (CDU) will nun am kommenden Mittwoch mit Brüderle und Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) über EADS beraten.

yes/dpa-AFX

Mehr zum Thema


Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 3 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Haligalli 18.02.2011
1. Daimler Angebot kommt für die Kanzlerin zur Unzeit
Zitat von sysopSoll die Bundesregierung EADS-Anteile von Daimler kaufen? Unionspolitiker sehen eine mögliche Teilverstaatlichung des*europäischen Luft- und Raumfahrtkonzerns kritisch - obwohl der Staat die deutsch-französische Machtbalance beibehalten will. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,746257,00.html
Wir dürfen alle gespannt sein, wie sich die Kanzlerin in dieser Frage verhalten wird. meines Erachtens nach muss der Bund die feil gewordenen Anteile kaufen. Frau Merkel wie und mit welcher Geschwindigkeit werden sie entscheiden? Rumlavieren wie üblich gilt in dieser wichtigen Frage nicht!
Rainer Daeschler, 18.02.2011
2. Warum kein baden-württembergisches Eilverfahren?
Warum fragt die Kanzlerin nicht Stefan Mappus? Der ist für solche Geschäfte immer gern zu haben, das Land kennt einen hochflexiblen Nothilfeparagraphen, er hat noch die Mehrheit im Parlament und die Regierungsfraktionen von CDU und FDP sind das Abnicken seiner Entscheidungen schon geübt.
caecilia_metella 18.02.2011
3. Er wird noch billiger
Ich würde mir mit dem Kauf dieses Bankrott-Unternehmens also ebenfalls Zeit lassen. Vielleicht würde ich es auch gar nicht kaufen, sondern mir schenken lassen. Dank erstklassiger Missionstätigkeit zahlreicher Glaubensgemeinschaften werden etliche Produkte dieses Unternehmens immer weniger gefragt sein.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.