Geplatzte Fusion EADS-BAE Bruchlandung für Major Tom

Die Fusion mit BAE ist gescheitert - eine herbe Niederlage für EADS-Chef Thomas Enders. Der undiplomatische Führungsstil des deutschen Top-Managers passt schlecht zu einem Konzern unter Staatseinfluss. Denn Rüstungsindustrie hat mit Marktwirtschaft nur wenig zu tun.

Eurofighter "Typhoon" von EADS: Das Zurückdrängen der Politik im Konzern ist gescheitert
dapd

Eurofighter "Typhoon" von EADS: Das Zurückdrängen der Politik im Konzern ist gescheitert

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Hamburg - Man muss kein Militarist sein, ja nicht einmal gedient haben, um für die nassforsche Art von Thomas "Tom" Enders eine gewisse Sympathie zu hegen. Der Ex-Fallschirmjäger und Major der Reserve mag klare Ansagen. Eine davon machte Enders schon bevor er vor vier Monaten den Chefposten bei EADS übernahm: Der Einfluss der Großaktionäre Frankreich und Deutschland auf den Luftfahrt- und Rüstungskonzern sollte zurückgedrängt werden.

Enders hatte gute Gründe für diesen Wunsch. Immer wieder wurde EADS in der Vergangenheit durch Machtkämpfe zwischen Deutschen und Franzosen gelähmt. Die zum Teil enormen Lieferverzögerungen bei der Tochter Airbus schienen alle Vorurteile über die Ineffizienz von Unternehmen unter Staatseinfluss zu bestätigen. Dass der neue EADS-Chef die Politik nun in die Schranken weisen wollte, war angesichts dieser Vorgeschichte verständlich.

Doch nun ist Enders' Vorhaben schon kurz nach seinem Amtsantritt gescheitert: EADS Chart zeigen musste seine geplante Fusion mit dem britischen Rüstungskonzern BAE Chart zeigen aufgeben, nachdem Deutschland und Frankreich nicht auf ihre Sonderrollen für das Unternehmen verzichten wollten und sich in diesem Punkt offenbar auch nicht mit Großbritannien einigen konnten.

Das bedeutet auch ein Scheitern von Enders' Verhandlungsstil. Schneidige Auftritte mögen bei der Führung eines Unternehmens funktionieren. Doch sie reichen nicht, um Regierungsvertreter mit einer eigenen Agenda zu überzeugen.

Französische Politiker geben der Wirtschaft ohnehin viel zu gerne selbst Anweisungen - so wie kürzlich Präsident François Hollande, der geplante Entlassungen bei Peugeot als "inakzeptabel" bezeichnete. Dass der französische Staat sich, wie von Enders gefordert, beim neuen Rüstungsriesen mit einer goldenen Aktie begnügen würde, war deshalb unwahrscheinlich.

Bemerkenswert aber ist, dass Enders zu Hause auf noch größeren Widerstand stieß und die Fusion am Ende vor allem hier scheiterte. Deutsche Politiker, besonders der Luftfahrtkoordinator der Bundesregierung, Peter Hintze (CDU), reagierten zunehmend allergisch auf Enders' selbstbewusste Forderungen.

Das Verhältnis zur deutschen Politik war nicht erst durch den geplanten BAE-Deal gestört. Noch vor seinem Amtsantritt sprach Enders sich für eine Konzentration der EADS-Aktivitäten in Toulouse aus, was in seiner bayerischen Heimat für wütende Reaktionen sorgte. Auch dass er 2011 aus Protest gegen die deutsche Libyen- und Atompolitik aus der CSU austrat, dürfte in den vergangenen Wochen wenig hilfreich gewesen sein.

Enders hätte die Empfindlichkeiten kennen können. Schließlich war er schon einmal EADS-Chef und hat früher im Bundestag und Verteidigungsministerium gearbeitet. Unbedingt hätte er vor seinem überfallartigen Fusionsplan die Rückendeckung in Berlin sichern müssen. Das hat der Major nicht geschafft.

Keine Branche wie jede andere

Rüstung ist keine normale Branche und sollte es auch nicht sein. Die von Enders verfolgte Vision eines ganz normalen Unternehmens wird EADS nicht erreichen, solange Waffen zu den wichtigsten Produkten gehören. Auch andere Länder mischen sich massiv in die Geschäfte von Rüstungsfirmen ein - das zeigen die zum Teil bizarren Kontrollmechanismen, denen sich BAE und EADS in den USA unterwerfen müssen.

Doch in der Argumentation deutscher Politiker spielten Sicherheitsaspekte höchstens eine untergeordnete Rolle. Vielmehr ging es wie schon immer bei EADS vor allem darum, möglichst viel vom Kuchen abzubekommen. Deutschland forderte umfassende Arbeitsplatz- und Standortgarantien - und brachte dabei offenbar mit seiner Forderung nach einer Konzernzentrale in München das Fass zum Überlaufen.

Bei allem Verständnis für das Bemühen um deutsche Arbeitsplätze ist beachtlich, wie weit die Begehrlichkeiten der deutschen Seite gingen. Luftfahrtkoordinator Hintze hatte schon vor der geplanten Fusion in einem Brief an Enders gefordert, nicht weniger als die obersten fünf EADS-Gremien gleichmäßig mit Deutschen und Franzosen zu besetzen. Schwer vorstellbar, dass ein Unionspolitiker eine ähnlich weitreichende Forderung für Frauen in Führungspositionen erhebt.

Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) verlangte gar, bei einer Fusion mit BAE dürften die deutschen Kapazitäten bei EADS "nicht beschnitten, sondern müssen weiter gestärkt werden", und auch die Konzernzentralen müssten "gleichberechtigt zwischen den beteiligten Ländern verteilt sein". Es war derselbe Philipp Rösler, der kurz zuvor noch im Fall der Schlecker-Pleite jegliche staatliche Intervention abgelehnt und um Vertrauen in die Selbstregulierungskräfte des Marktes geworben hatte. Doch offenbar gelten auch für Liberale andere Überzeugungen, wenn bei einem Unternehmen der Staat mit an Bord ist.

Das immerhin ist Thomas Enders mit seinem forschen Vorgehen gelungen: Er hat gezeigt, wie sehr die Politik bei EADS noch immer hineinregiert - und dass der wirtschaftliche Erfolg dabei schnell zum Randaspekt wird.

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insgesamt 53 Beiträge
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Seite 1
diepresselügt 10.10.2012
1. ja was denn ...
Zitat von sysopAPDie Fusion mit BAE ist gescheitert - eine herbe Niederlage für EADS-Chef Thomas Enders. Der undiplomatische Führungsstil des deutschen Top-Managers passt schlecht zu einem Konzern unter Staatseinfluss. Denn Rüstungsindustrie hat mit Marktwirtschaft nur wenig zu tun. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/eads-und-bae-tom-enders-schuld-an-der-gescheiterten-fusion-a-860272.html
Deutschland ist der Zahlemann und in Frankreich wird produziert ... Man kann den Franzosen keinen deut trauen... die machen seit jahrzehnten nur das was ihnen nützt und DEUTSCHLAND bezahlt.
kuschl 10.10.2012
2. Nicht nur die!
Zitat von diepresselügtDeutschland ist der Zahlemann und in Frankreich wird produziert ... Man kann den Franzosen keinen deut trauen... die machen seit jahrzehnten nur das was ihnen nützt und DEUTSCHLAND bezahlt.
Nicht nur die Franzosen machen in Europa nur das, was ihnen nützt. Eins stimmt aber in allen Fällen: Deutschland zahlt............
ofelas 10.10.2012
3. Enders - brainwashed
Zitat von diepresselügtDeutschland ist der Zahlemann und in Frankreich wird produziert ... Man kann den Franzosen keinen deut trauen... die machen seit jahrzehnten nur das was ihnen nützt und DEUTSCHLAND bezahlt.
Politisch so gewollt, unsere Damen und Herren damals in Bonn und heute in Berlin haben die Uebereignung deutscher Technologie nach Frankreich zugestimmt und unterstuetzt. Von MBDA ueber EADS bis zu verschiedenen anderen Hochtechnologie kooperationen, die Systemfuehrersschaft liegt in Frankreich, F&E immer mehr, und letztendlich werden dort auch die Weichen gestellt. In Frankreich wird von Airbus als franzoesisches Unternehmen gesprochen. Bei EADS in Muenchen oder Bremen ist franzoesisch in vielen Gremien Haussprache. Hier wird systematisch und das seit Jahrzehnten Technologie aus Deutschland abgesogen und nach Frankreich verlagert und das mit Wissen und unterstuetzung aus Berlin (Bonn). Schoen das hier mal ein Punkt gesetzt wird
jehudi 10.10.2012
4.
Das wäre ja noch schöner gewesen... Jetzt ließ man es aus gutmenschlicher Absicht schon zu, dass Know How nach Frankreich abwandert , nun auch noch nach GB. Und als Dank dafür gibt es dann nicht mal einen Konzernsitz. Aber der Politik eines Landes, das akzeptiert, dass es nicht mehr Stimmrecht in der EZB hat als Zwergstaaten ist grundsätzlich alles zuzutrauen.
Stefnix 10.10.2012
5. Nanü?
Deutsche Politiker setzen sich für deutsche Interessen ein? Träum´ ich oder wach´ ich?!?
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