Drohende Kürzungen EADS verpasst Milliardenauftrag für Kampfjets

Misserfolg für die schwächelnde Rüstungssparte von EADS: Ein Großauftrag aus Südkorea für Kampfjets geht an die Konkurrenz. Angesichts drohender Stellenstreichungen kündigten Mitarbeiter des Konzerns Proteste von Hamburg bis Manching an.

Eurofighter bei der Dubai Air Show: Geänderte technische Anforderungen
AP/dpa

Eurofighter bei der Dubai Air Show: Geänderte technische Anforderungen


Seoul/Hamburg - Der europäische Luft- und Raumfahrtkonzern EADS Chart zeigen hat den Wettbewerb um einen Kampfjet-Auftrag aus Südkorea verloren. Den Zuschlag für die Lieferung erhalte der US-Rivale Lockheed Martin Chart zeigen, teilte das Verteidigungsministerium in Seoul am Freitag mit. Das südkoreanische Militär habe sich für Tarnkappenflugzeuge des Typs F35 Lightning II entschieden, weil diese Technologie die Anforderungen am besten erfülle. Die offizielle Entscheidung des Verteidigungsministers steht aber noch aus.

Neben Lockheed Martin hatten sich auch Boeing Chart zeigen mit der F-15 Silent Eagle und EADS mit dem Eurofighter um den Auftrag beworben. Die Modelle von EADS und Boeing würden den geänderten "technischen Anforderungen" jedoch nicht mehr genügen, hieß es aus Militärkreisen.

Zwar lag das Angebot von Lockheed Martin zunächst über dem Budget der südkoreanischen Regierung. Das Land bestellte jedoch nur 40 Maschinen und nicht 60, wie eigentlich geplant. Bei den übrigen 20 Maschinen, die ab 2023 ausgeliefert werden sollen, sei man noch offen für verschiedene Modelle, sagte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums.

Die Rüstungsproduktion von EADS wird im Zuge eines Konzerumbaus mit der Raumfahrtsparte Astrium zusammengelegt. Konzernchef Thomas Enders hat bereits harte Einschnitte angekündigt, gegen die Arbeitnehmervertreter mit einem Aktionstag am kommenden Donnerstag mobil machen wollen. Wie die IG-Metall am Freitag mitteilte, sind in Norddeutschland Kundgebungen in Hamburg, Bremen, Stade und bei Premium Aerotec im niedersächsischen Varel und Nordenham geplant. Auch im bayerischen Manching, dem größten Standort der Rüstungstochter Cassidian, wurde eine Kundgebung angekündigt.

Die IG Metall forderte EADS auf, bei den geplanten Einschnitten mit offenen Karten zu spielen. Der Konzern habe es selbst in der Hand, ob die Gewerkschaft den Umbau des Unternehmens konstruktiv begleite oder auf Konfrontation schalte, sagte Konzernbetriebsratschef Rüdiger Lütjen in Hamburg. Er räumte jedoch ein, dass die Lage der Rüstungspsarte angesichts schrumpfender Verteidigungsbudgets schwierig sei. "Es redet auch niemand davon, dass die Sparte wachsen muss."

Sorgen vor Einschnitten gibt es auch in Bremen, wo sowohl rund 1000 Astrium-Mitarbeiter als auch etwa 120 Cassidian-Mitarbeiter beschäftigt sind. "Es könnten wieder Jobs verloren gehen", warnte der Betriebsratsvorsitzende von Astrium, Jan Jensen. "Wenn es Kündigungen gibt, gibt es Krieg."

Im Kampf gegen Kürzungen fordern die Gewerkschafter ein stärkeres Engagement der Politik. Die Bundesregierung hat jedoch nach eigenen Angaben bislang keinerlei Kenntnis zu den Details der Einschnitte. "Darüber ist mir auch nichts bekannt, kann ich nichts zu sagen", erklärte der stellvertretende Regierungssprecher Georg Streiter am Freitag in Berlin.

dab/dpa/Reuters

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insgesamt 18 Beiträge
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magoan 22.11.2013
1. Die Gewekschaften !
Die IG Metall forderte EADS auf, bei den geplanten Einschnitten mit offenen Karten zu spielen... Das sollten die linken Gewerkschaften jetzt auch mal tun und den deutschen Waffenhandel als sinnvoll und gerechtfertigt anzusehen, nicht immer nur scheinheilig vor sich hin stänkern
Marc Goatman 22.11.2013
2. optional
Ich könnte mir vorstellen, dass Südkorea den Eurofighter aufgrund von Nichterfüllung technischer Anforderungen ablehnt, weil das Kampfflugzeug nun einmal in der Entwicklung auch hinter der F35 liegt. Gleichzeitig sollte man jedoch auch nicht vergessen, dass Südkorea den USA politisch wesentlich näher steht als Europa.
Palmstroem 22.11.2013
3. Protest ist zu simple
Zitat von sysopAP/dpaMisserfolg für die schwächelnde Rüstungssparte von EADS: Ein Großauftrag aus Südkorea für Kampfjets geht an die Konkurrenz. Angesichts drohender Stellenstreichungen kündigten Mitarbeiter des Konzerns Proteste von Hamburg bis Manching an. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/eads-verpasst-milliardenauftrag-fuer-kampfjets-a-935202.html
Zuerst protestiert man gegen Rüstungsverkäufe und dann gegen den Abbau dieser Arbeitsplätze.
Jasmin Kraft 22.11.2013
4.
Wenn der Betriebsratsvorsitzende von Astrium, Jan Jensen so redet, merkt man wenigstens um was es hier eigentlich geht: Waffen für Kriege! Da scheint das Produkt auch auf den Sprachgebrauch des Betriebsratsvorsitzenden abzufärben. Angesichts der aktuellen Lage in Nordkorea ist der Gebrauch diese Kampfflugzeuge auch nicht soo unwahrscheinlich. Aber wenn es um deutsche Arbeitsplätze geht spielt das wohl alles keine Rolle. Hauptsache wir haben es gemütlich.
soph911 22.11.2013
5. ...wen wundert`s...
Zitat von Marc GoatmanIch könnte mir vorstellen, dass Südkorea den Eurofighter aufgrund von Nichterfüllung technischer Anforderungen ablehnt, weil das Kampfflugzeug nun einmal in der Entwicklung auch hinter der F35 liegt. Gleichzeitig sollte man jedoch auch nicht vergessen, dass Südkorea den USA politisch wesentlich näher steht als Europa.
....ich denke geheime angebotsinhalte, die die NSA der US konkurrenz zuspielt spielen eine grossere rolle als angelas sms an kauder... weiter so, wir haben ja nichts zu verbergen...auch nicht unser technisches know how... wacht auf!!
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