Standort-Übersicht EADS-Mitarbeitern in Bayern droht Jobabbau

Bei EADS steht der Tag der Wahrheit kurz bevor. Konzernchef Enders präsentiert am Montag Kürzungspläne für den Konzern, der in Deutschland bislang mehr als 50.000 Menschen beschäftigt - vor allem in Bayern. Ein Überblick der Standorte.

Cassidian-Werk in Bayern: EADS fürchtet Mobilisierung der Mitarbeiter in Manching
dpa

Cassidian-Werk in Bayern: EADS fürchtet Mobilisierung der Mitarbeiter in Manching

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Hamburg - Xaver ist vorbeigezogen, ohne in Deutschland große Schäden angerichtet zu haben. Für Tausende von EADS-Mitarbeitern aber herrscht an diesem Wochenende die Ruhe vor dem Sturm. Am Montag will Konzernchef Thomas Enders seine Umbaupläne für den Luft-, Raumfahrt- und Rüstungskonzern vorstellen, er hat harte Einschnitte angekündigt. Sie dürften vor allem die Rüstungssparte Cassidian betreffen, die mit Airbus Military und dem Raumfahrtbereich Astrium zusammengelegt wird. Von bis zu 8000 wegfallenden Stellen war die Rede, besonders hart dürfte es Verwaltungsjobs treffen.

Wie viele Arbeitsplätze potentiell auch in Deutschland von dem Umbau betroffen sind, zeigen aktuelle Beschäftigtenzahlen, die SPIEGEL ONLINE vorliegen. Demnach arbeiten allein an den wichtigsten Standorten von Cassidian knapp 11.000 Festangestellte und Leiharbeiter, bei Astrium sind es fast 5000. Insgesamt kommt EADS in Deutschland derzeit auf weit mehr als 50.000 Mitarbeiter (siehe Grafik).

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Besonders treffen dürften die Einschnitte Bayern, wo sich ein großer Teil der deutschen Rüstungsindustrie konzentriert. Zuletzt verdichteten sich Hinweise, dass EADS den Standort Unterschleißheim komplett schließt und die Zentrale der neuen Rüstungs- und Raumfahrtsparte in Ottobrunn ansiedelt. Zwei große Standorte im Münchner Raum scheinen angesichts der lahmenden Rüstungsgeschäfte nicht mehr ins Konzept zu passen. Zudem ist in Ottobrunn reichlich Platz, seitdem Enders den EADS-Sitz ins französische Toulouse verlegte.

Leiharbeiter bei Airbus könnten zuerst betroffen sein

Sorgen machen sich aber auch die Arbeitnehmer im oberbayerischen Manching, wo bislang unter anderem die Endmontage und Erprobung des pannenträchtigen Kampfjets "Eurofighter" erfolgt. Mit gut 4000 Mitarbeitern ist Manching mit Abstand der größte Cassidian-Standort. Dort werden derzeit schon 850 Stellen abgebaut. "Wir sind mit dem Personalabbau noch nicht fertig, da kommt der nächste schon obendrauf", wetterte Betriebsratschef Thomas Pretzl kürzlich bei einer Protestkundgebung. Aus Arbeitnehmerkreisen heißt es, gerade in Manching fürchte EADS eine Mobilisierung der Mitarbeiter. Auch deshalb habe man sich bislang so bedeckt zu allen Details des Umbaus gehalten.

Auch in Norddeutschland werden Arbeitnehmer wohl gehen müssen. In Bremen etwa arbeiten jeweils rund tausend Menschen für Astrium und Cassidian, zudem findet hier bei Airbus ein Teil der Produktion des Militärtransporters A400M statt. Zu den ersten Betroffenen könnten wie bereits bei früheren Sparrunden Leiharbeiter bei Airbus gehören. Sie machen in Hamburg knapp ein Viertel der derzeitigen Belegschaft aus, in Bremen und Stade sogar rund ein Drittel.

Wie heftig die Proteste in Deutschland am Ende ausfallen, dürfte auch davon abhängen, wie Enders die Kürzungen zwischen den verschiedenen europäischen Standorten verteilt. In Frankreich hat der Konzern derzeit eine Stammbelegschaft von gut 54.000 Mitarbeitern, in Spanien sind es 11.000 und in Großbritannien knapp 15.000. Und trotz des Sparkurses könnte demnächst noch ein fünftes Land mitmischen: Laut unbestätigten Medienberichten erwägt Polen, mit ein bis zwei Prozent bei EADS einzusteigen.



insgesamt 38 Beiträge
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alsterhai 07.12.2013
1. Los Horst!
Hier erwarte ich, dass die gewählte Landesregierung in Bayern aktiv wird. Herr Enders ist erneut ein Top-Manager mit Allerwelts-Fantasien. Stoppt den Mann. Airbus muss in seiner starken Position Arbeitsplätze schaffen, nicht reduzieren.
h.vonbun 07.12.2013
2. Anschlag
Wegen zuviel Frieden auf Erden geschlossen. Rücknahme von Kriegsgerät zu Schrottpreisen möglich! - Das wäre mal eine Sache!!
ofelas 07.12.2013
3. Keine Strategie
das Deutschland in vielen Punkten halt ohne eine Strategie faehrt raecht sich bei all den Kooperationen, von EADS bis Euro....wir werden immer ausgenommen
wibo2 07.12.2013
4. @ofelas ... Der Michel soll stets der Dumme sein!
Zitat von ofelasdas Deutschland in vielen Punkten halt ohne eine Strategie faehrt raecht sich bei all den Kooperationen, von EADS bis Euro....wir werden immer ausgenommen
Der Plan zur großen Enteignung geht auf ... Jetzt werden auch noch die Arbeitsplätze weggenommen. Das belastet einmal mehr die Steuerzahler. Unsere selbsternannten Eliten gefährden stets das Wohl des gemeinen Volkes. Taktik allein reicht nicht, ohne Strategie lässt sich das Unheil nicht verhindern.
genugistgenug 07.12.2013
5. Nachschub
Weiterer Nachschub für das Hartz IVerbrechen! Kündigung plus 12 Monate (nach Verbrauch Ersparnisse) und auch ihr gehört zu den Hartz IVerbrechensopfern! Die Bürokratie muss wachsen - dort gibt es gesicherte Arbeitsplätze! PS die Mitarbeiter sind sogar stolz darauf, dass sie auch Steuern zahlen müssen - kapieren aber nicht, dass sie selbst aus Steuern finanziert werden zu 100% - sozusagen Schneeballgeschäft.
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