Billigflieger Easyjet-Chefin wechselt zum Fernsehen

Die britische Fluggesellschaft Easyjet verliert inmitten der Brexit-Turbulenzen ihre Chefin an einen TV-Sender. Carolyn McCall wechselt zum Jahresende an die Spitze des Privatsenders ITV.

Noch-Easyjet-Chefin Carolyn McCall
AFP

Noch-Easyjet-Chefin Carolyn McCall


Die Chefin der britischen Fluggesellschaft Easyjet, Carolyn McCall, verlässt das Unternehmen und wechselt am Jahresende zu der Fernsehsendergruppe ITV. Sie wird Nachfolgerin des bereits zurückgetretenen Adam Crozier. Die 55-jährige McCall hatte die Führung des Billigfliegers im Jahr 2010 übernommen.

Während ihrer sieben Jahre an der Spitze der Fluggesellschaft habe sie dazu beigetragen, mehr Kunden zu gewinnen und deren Verbundenheit mit der Marke zu festigen, hieß es in der Mitteilung des Unternehmens. Dies habe sich auch positiv auf den Aktienkurs ausgewirkt.

Der Posten an der Spitze der ITV-Gruppe ist für McCall nicht das erste Engagement in der Medienbranche. Vor ihrem Führungsjob bei Easyjet leitete sie den Zeitungsverlag Guardian Media Group. In den vergangenen Tagen hatten britische Medien bereits über McCalls Abgang bei Easyjet spekuliert.

Easyjet ist gemessen an den Passagierzahlen die zweitgrößte Fluggesellschaft in Europa hinter Ryanair. Im vergangenen Jahr beförderte die Fluglinie eine Rekordzahl von 74,5 Millionen Passagieren. McCall verlässt den Billigflieger allerdings in unruhigen Zeiten: Der Absturz des britischen Pfunds nach dem Brexit-Votum für einen Ausstieg des Landes aus der Europäischen Union belastet die Unternehmensbilanz.

Wie Easyjet zudem in der vergangenen Woche mitteilte, will das Unternehmen eine neue Fluglinie unter dem Namen Easyjet Europe mit Sitz in Wien gründen. Dadurch solle es ihm unabhängig vom Ausgang der Verhandlungen zwischen der EU und Großbritannien weiter möglich sein, Flüge in der EU anzubieten.

Derzeit dürfen britische Airlines aufgrund von EU-Regeln unbegrenzt zwischen den Mitgliedsländern und auch innerhalb der Staaten fliegen. Mit dem für März 2019 geplanten Ausstieg der Briten aus der Union fallen diese Rechte weg. Ersatzvereinbarungen wurden noch nicht geschlossen.

nck/AFP/Reuters



insgesamt 8 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
bronck 17.07.2017
1. Fachkenntnis
Ja, so ein Fernsehsender ist natürlich fast das Gleiche wie eine Fluglinie. Solche Personalien zeigen vor allem eines: Chefs benötigen möglichst keinerlei Fachkenntnis zur Ausübung ihrer Funktion.
Kometenhafte_Knalltüte 17.07.2017
2. Outing?
Zitat von bronckJa, so ein Fernsehsender ist natürlich fast das Gleiche wie eine Fluglinie. Solche Personalien zeigen vor allem eines: Chefs benötigen möglichst keinerlei Fachkenntnis zur Ausübung ihrer Funktion.
Ah, jemand, der noch nie im "Management" gearbeitet hat. ;-) Das Wort Arbeit trifft auch nicht für Management zu, ergo ist da auch keine Fachkenntnis gefordert. Es bedarf nur 2 Skills: - "Führungsfähigkeit" (also Andere anleiten können ohne sich von deren Fachwissen beeindrucken zu lassen, sondern stur die Kommando-Hierarchie leben und sich das Fachwissen der Anderen zu eigen machen, in dem man genau diese Mitarbeiter geschickt lenkt und am "gemeinsamen" Erfolg partizipiert und bestenfalls diesen Erfolg als eigene Managementleistung hervorhebt.). - "Netzwerken", und das fängt als Noch-Nicht-Führungskraft bereits mit den ausgedehnten Schwätzchen im Kaffeeraum an. Dort dann aber nicht mit x-beliebigen Mitarbeitern, sondern stets nur mit "Kollegen", die in der Hierarchie bereits über einem stehen. Denn "Netzwerken" dient dem "Hochkommen" in der Hierarchie. "Fachwissen" ist was, womit Angestellte in Fachabteilungen punkten können um auch mal bewundert zu werden von Kollegen innerhalb der gleichen Abteilung, aber garantiert keine Managementvoraussetzung! Und jetzt kommts: "Fachwissen" hilft einem am Anfang der Management-Karriere, um beim Skill "Netzwerken" leichter ein Gespächsthema zu finden mit dem Gegenüber, also dem potentiellen "Förderer in der Hierarchie". Je weiter "oben" man ist, umso uninteressanter wird "Fachwissen", denn da "oben" wird nicht mehr über "Fachwissen" ge-small-talked. ;-)
p-touch 17.07.2017
3. Naja, vorher
hat sie bei einem Zeitungsverlag gearbeitet. Man kann zwar aus Zeitung prima Papierflieger basteln, ansonsten habe beide Branche subjektiv betrachtet nicht viel gemeinsam. Trotzdem konnte die bei der Fluglinie die Umsätze steigern, also kann die Dame nicht ganz so unfähig sein und sich offensichtlich schnell in die Materie einarbeiten.
StefanXX 17.07.2017
4. Auf Management-Ebene sind Fachkenntnisse zweitraging
Zitat von bronckJa, so ein Fernsehsender ist natürlich fast das Gleiche wie eine Fluglinie. Solche Personalien zeigen vor allem eines: Chefs benötigen möglichst keinerlei Fachkenntnis zur Ausübung ihrer Funktion.
So ist es, auch wenn jemand wie Sie das nicht verstehen mag. Auf Management-Ebene geht es nicht mehr um möglichst gute Fachkenntnisse. Selbst wenn man aktuell gute Fachkenntnisse hätte: Um sich fachlich auf dem Laufenden zu halten (was nötig ist um die richtigen Entscheidungen zu treffen) bleibt auf so einem Posten keine Zeit mehr. Daher haben diese Leute (ebenso wie auch z.B. Spitzenpolitiker) einen Stab von Fachleuten an der Seite. Diese übernehmen den fachlichen Teil und beraten das Management. Auf solchen Posten geht es vor allem um Repräsentation, darum strategisch wichtige Entscheidungen zu treffen, das Unternehmen zu führen und um Handwerkszeug z.B. bzgl. Projektabwicklung, Controlling etc. Das ist in (fast) jedem beruflichen Umfeld so und hat schon seinen guten Grund: Je höher Sie kommen, desto unwichtiger werden Fachkenntnisse und desto wichtiger werden planerische, strategische, führungstechnische und repräsentative Dinge.
der_weisse_wal 17.07.2017
5. Obacht
Dann wird's bald ziemlich eng vor dem Fernseher. Die Zeiten vom Sofa mit Beinfreiheit sind vorbei. P.S.: Mrs. McCall, mein Sitz 16B im Airbus letztes Wochenende war kaputt und lies sich nicht aufstellen.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.