Für 40 Millionen Euro Easyjet übernimmt Teile des Air-Berlin-Geschäfts

25 Flugzeuge, Start- und Landerechte in Berlin - dazu Flug- und Bodenpersonal: Nach Lufthansa hat sich auch die britische Billig-Fluggesellschaft Easyjet mit Air Berlin auf eine Teilübernahme geeinigt.

Maschinen von Air Berlin und EasyJet
Getty Images

Maschinen von Air Berlin und EasyJet


Die britische Billig-Fluggesellschaft Easyjet will Teile des Geschäfts von Air Berlin am Hauptstadtflughafen Tegel übernehmen. Easyjet werde von der bankrotten Airline 25 geleaste A-320-Flugzeuge sowie Start- und Landesrechte für Tegel übernehmen, teilte das Unternehmen mit. Dafür will es Air Berlin 40 Millionen Euro zahlen. Zudem will Easyjet rund tausend Air-Berlin-Mitarbeitern neue Jobs anbieten, meldet die Nachrichtenagentur Reuters.

Mit der Übernahme will Easyjet nach eigenen Worten zum "führenden Kurzstreckenanbieter in Tegel" werden und Flüge innerhalb Deutschlands sowie zu Zielen im europäischen Ausland anbieten. Bislang bedient die britische Linie nur den Berliner Flughafen Schönefeld.

Die Teilübernahme müsse noch von den Regulierungsbehörden genehmigt werden, erklärte Easyjet. Mit einem Abschluss des Geschäfts werde im Dezember gerechnet. Im Winter solle zunächst ein begrenztes Flugangebot von Tegel aus betrieben werden, im Sommer 2018 werde Easyjet dann auf ein komplett ausgebautes Flugangebot umstellen.

Air Berlin war nach Lufthansa seit dem Jahr 2003 die zweitgrößte deutsche Fluggesellschaft. Im Rekordjahr 2011 kam sie auf mehr als 35 Millionen Passagiere bei 4,2 Milliarden Euro Umsatz. Mit 1,5 Milliarden Euro verschuldet musste Air Berlin Mitte August Insolvenz anmelden. Der Flugbetrieb konnte dank eines Überbrückungskredites des Bundes über 150 Millionen Euro bis Freitag aufrechterhalten werden.

In der Nacht zu Samstag war der letzte Air-Berlin-Flug in Tegel gelandet, die bankrotte Airline stellte damit nach fast 40 Jahren den Betrieb ein. Air Berlin hatte Mitte August Insolvenz angemeldet und soll zu großen Teilen von der Lufthansa übernommen werden.

Viele Mitarbeiter weiter vor ungewisser Zukunft

Viele der zuletzt 8000 Mitarbeiter stehen dennoch vor einer ungewissen Zukunft. Frank Kebekus, Generalbevollmächtigter der insolventen Fluglinie, beteuert, "dass wir am Ende des Tages 70 bis 80 Prozent der Arbeitsplätze erhalten beziehungsweise neu überleiten können". Der Betriebsrat hält das für extrem unwahrscheinlich.

Tatsächlich gibt es große Fragezeichen, wie viele der Air Berliner beispielsweise tatsächlich bei der Lufthansa landen werden. Der Konzern übernimmt 81 der 144 Air-Berlin-Flieger- und führt stets die Zahl von 3000 neuen Mitarbeitern an. Fest übernommen werden allerdings wohl nur rund 1700, die bei den Air-Berlin-Töchtern LGW und Niki beschäftigt waren. Hinzu könnten bis zu 1300 weitere kommen. Sie sollen aber bei der Lufthansa-Billigtochter Eurowings erst mal einen Bewerbungsprozess durchlaufen.

Für die Techniksparte von Air Berlin ist offenbar eine Lösung gefunden worden - auch wenn diese vielen Mitarbeitern wenig hilft: Die Berliner Wartungsfirma Nayak und der Berliner Logistiker Zeitfracht kaufen das Geschäft, übernommen werden sollen rund 330 Mitarbeiter. Die Mehrzahl - rund 550 Beschäftigte - kommen in eine Transfergesellschaft, "zur Abfederung sozialer Härten", heißt es.

Die Verhandlungen für eine große Auffanggesellschaft für bis zu 4000 Mitarbeiter sind am Mittwoch krachend gescheitert. Air Berlin, die Bundesregierung und die Bundesländer Bayern, Nordrhein-Westfalen und Berlin konnten sich nicht einigen, wie die veranschlagten Kosten in Höhe von rund 50 Millionen Euro aufzubringen wären. Die Bundesregierung lehnte eine Beteiligung offenbar ab.

oka/AFP/dpa

insgesamt 4 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Koana 28.10.2017
1. Stückpreis
Laut Preisliste von Airbus kostet ein neuer A320 99 Mio Dollar. Seltsam, ist das Inventar von Air-Berlin tatsächlich schon so marode, sind die Dinger quasi nur noch mit gigantischem Wartungsaufwand flugfähig? Die Slots scheinen ebenfalls kaum etwas wert gewesen zu sein. Oder gibt es einen offiziellen Preis - und die wahre Beute teilen sich dunkle Kreise, sprich sollten wir nicht eine Verschwörungstheorie formulieren. Gemach, ich denke langsam wird in der Branche die Tatsache wirksam, dass sie schlicht ökologisch desaströs wirkt und wahrscheinlich 95% des Fluggastaufkommens eher als Schwachsinn, den als sozial und ökologisch in irgend einer Weise verantwortbar gesehen werden kann. Zumindest solange Kerosinverbrennungsöfen an Tragflächen die nötige Energiewandlung bewerkstelligen. (Vom Lärm im Einzugsgebiet der Airports, von der gigantischen grauen Energie die zur Bereitstellung der Gerätschaften und Infrastruktur nötig ist, könnte man natürlich auch noch sprechen.) Nur, es fliegen auch Anwohner von Flughäfen zu ihrer "Entspannung" zu Ihren Traumzielen, so sind sie eben programmiert, die Konsumwesen. Könnte also gut sein, dass 40 Mio Investition für 25 Alutransportröhren mit Ofenantrieb und Slots, sowie eingearbeitete Funktionsbiobots zu günstigen Tarifen (die werden wohl glücklich sein mit 30 % Mindergehalt die Arbeitslosigkeit zu vermeiden, ihren Ausbeutern dafür die Füße küssen....) am Ende des Tages, zumindest für ein paar Jahre ein klasse Deal sind - für jene, die als Top-Performer das alles "organisieren" - sprich jene die das Biobotvölkchen dirigieren und dafür Millionengelder zum Maximalhedonismuskonsum einstreichen. Ob es für die große Mehrheit der Menschen ein guter Deal ist? Aber das gilt wohl für die ganze globale Ökonomie unserer Art.
peter79x 28.10.2017
2.
Die Erklärung ist recht simpel: Air Berlin hat gar keine eigenen Flugzeuge; die sind alle geleast. 40 Mio werden im Wesentlichen zur Übernahme der Slots bezahlt.
bauigel 28.10.2017
3. @ Koana
Wieder so ein Verschwörungstheoretiker der den Text nicht gelesen hat. Die Maschinen werden nicht gekauft, sondern es werden lediglich die Leasingverträge übernommen. Wert = 0 oder sogar negativ, da die Maschinen bereits ein paar Jahre alt sind und neuere Maschinen zu gleichem Preis (höherer Gegenwert) zu leasen wären. Also nichts mit ihrem Konzerbashing.
erst nachdenken 29.10.2017
4.
@Koana: Niemand zahlt den Airbus-Listenpreis, größere Airlines nicht mal im Ansatz. Nebenbei sind das übrigens Leasingverträge, die eigenen Maschinen wurden schon vor Jahren verkauft.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.