Ebay trennt sich von PayPal 3.. 2.. 1.. weg damit

Ebay will mit dem Börsengang seiner Online-Bezahltochter PayPal Kasse machen. Damit verkauft das Auktionshaus das Wertvollste, was es noch besitzt. Aus dem innovativen Unternehmen von einst ist ein träger Riese geworden.

Ebay-Zentrale in San Jose: Müde gewordener Internetkonzern
DPA

Ebay-Zentrale in San Jose: Müde gewordener Internetkonzern


Der Freitag wird wohl ein guter Tag für Ebay Chart zeigen-Aktionäre: Die Online-Auktionsplattform spaltet ihre Unternehmenstochter PayPal ab, für jeden Ebay-Anteilsschein erhalten die Aktionäre einen des rasch wachsenden Bezahlservice. Bis zu 60 Milliarden Dollar könnte der Dienst wert sein, glauben Analysten.

Damit trennt sich Ebay von dem Wertvollsten, was es noch hat: Der am Donnerstag vorgestellte Geschäftsbericht lässt bereits ahnen, wie es um das Online-Auktionshaus knapp 20 Jahre nach seiner Gründung bestellt ist: Aus einem Umsatz von 4,4 Milliarden Dollar im zweiten Quartal holte der US-Konzern gerade noch 83 Millionen Dollar Gewinn raus - im Vierteljahr zuvor waren es immerhin noch 676 Millionen. Schon im Januar erklärte Ebay, dass man 2400 Stellen streichen werde.

Die glorreichen Tage des US-Konzerns liegen lange zurück. Als Ebay 2002 PayPal kaufte, war die Auktionsplattform mit den bunten Buchstaben eines der am schnellsten wachsenden Unternehmen der Welt. Auf dem Online-Flohmarkt konnten Menschen ihre vollen Regalbretter und zugerümpelten Garagen zu kleinen Schatzkisten machen. Bereits kurz nach dem Start, als Gründer Pierre Omidyar seinen kaputten Laserpointer als erstes Produkt über die Plattform verkaufte, war das Unternehmen profitabel.

"3.. 2.. 1.. meins!" - für Auktionen blieben Kunden bis spät nachts auf

Gleichzeitig wurde Ebay zum kulturellen Phänomen: Verrückte Ebay-Auktionen wie die eines amerikanischen Fighter-Jets (für eine Million Dollar, fand keinen Käufer) machten Schlagzeilen, der Werbeslogan "3.. 2.. 1.. meins!" wurde zum Motto einer Generation von deutschen Online-Shoppern, die für die Auktion eines besonders begehrten Stücks auch mal bis tief in die Nacht aufblieben.

Sogar den wenige Wochen älteren Konkurrenten Amazon Chart zeigen schien Ebay abzuhängen: "Einkaufen auf Amazon.com ist praktisch, sogar angenehm. Aber auf Ebay macht es richtig Spaß", schrieb "Businessweek" im Jahr 2000. Und in Deutschland fanden drei unternehmerisch gesinnte Brüder so viel Gefallen an der Idee, dass sie eine deutsche Ebay-Kopie gründeten - Alando wurde zum Grundstein des heutigen Internetimperiums der Samwers.

Mit dem Aufstieg der Onlinehändler begann der Abstieg von Kaufhausketten und kleinen Läden: Unternehmen wie Karstadt konnten nicht mithalten mit Millionen Händlern, die ihre Waren immer billiger anboten - schon weil sie ihre Wohnungen als Lager nutzen und die Bücherkisten und luftgepolsterten CD-Päckchen in ihrer Freizeit packen.

Aber die Zeiten, als Ebay die Welt des Einkaufens veränderte, sind vorbei. Anders als Jeff Bezos, der sein Amazon Stück für Stück zum "Everything Store" ausbaut, gelang Ebay nach der PayPal-Übernahme nicht mehr viel. 2005 kauften die Kalifornier den Videotelefoniedienst Skype, der so gar nichts mit dem eigenen Geschäftsmodell zu tun hatte und bereits wenige Jahre später an Microsoft weitergereicht wurde - immerhin mit Gewinn.

Den Handel der Zukunft erfinden Amazon und andere

Längst nicht jedes Abenteuer endete so glimpflich: 2011 legte Ebay 2,4 Milliarden Dollar hin für ein Unternehmen, das die Onlineshops stationärer Händler aufhübschte. Eine absurde Idee für einen Konzern, der selbst einmal den "perfekten Markt" auf seiner Plattform schaffen wollte. Und eine teure: Ebay verkauft diese Firmenkundensparte nun an einen Finanzinvestor - für magere 925 Millionen Dollar.

Schlimmer aber war, was Ebay in diesen Jahren der Strategielosigkeit alles verpasste: Wer auf Etsy heute seine selbstgehäkelten Wollmützen verkauft, hätte vor wenigen Jahren noch einen Ebay-Shop geführt. Gebrauchte CDs werden in Zeiten von Spotify sicher nicht mehr zum Verkaufsschlager, statt nach alten DVDs zu stöbern, streamen viele Leute heute über Netflix - oder Amazon Instant Video.

Denn während Jeff Bezos seinen Internetladen ständig neu erfindet, war Ebay an den Innovationen des E-Commerce der letzten Jahre praktisch nicht beteiligt. Neben den Ebay-Kleinanzeigen, mit denen der Konzern in Deutschland 2014 laut dem Datendienstleister Statista weniger als 15 Millionen Euro umsetzte, versucht er sich seit einigen Jahren von der Auktionsplattform für Secondhand-Ware zum Marktplatz für Händler zu wandeln - also das, was Amazon seit Jahren ist.

Und dieses Geschäft schrumpft, ohne PayPal wäre der Ebay-Umsatz schon im abgelaufenen Quartal gesunken. Doch noch könnte das Unternehmen Start-ups kaufen, die frische Geschäftmodelle mitbringen. So machen es andere müde gewordene Internetriesen wie Yahoo Chart zeigen oder Microsoft Chart zeigen. Oder Ebay wird selbst übernommen, etwa von Alibaba. Eine bekannte Marke käme dem chinesische E-Commerce-Giganten für seinen Einstieg in westliche Märkte gerade recht.

Zusammengefasst: Ebay spaltet den Online-Bezahldienst PayPal ab - doch die Probleme des Internet-Pioniers bleiben. Während Amazon und neue Marktplattformen wie Etsy den Handel im Netz dominieren, ist die Plattform für Online-Auktionen heillos abgehängt.

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insgesamt 76 Beiträge
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Seite 1
lupidus 17.07.2015
1.
DIE Plattform spaltet SEINE tochter ab ?
denis111 17.07.2015
2. Der Lack ist ab!
Ich bin ein (damals blutjunger) ebayer der ersten Stunde. Seinerzeit hieß es alando, doch an meiner ebay-ID steht "seit 01.04.1999", so wie bei allen "Dinosauriern". Damals, 1998/99 kam das Internet in Deutschland gerade auf, zu Zeiten der Werbebanner von "alladvantage.com" oder "cash-machine.de", von Meinungsforen wie "ciao", "yopi" oder "dooyoo". Alles längst untergegangen oder zumindest in der Bedeutungslosigkeit verschwinden. Es war ein echter Hype damals und das zurecht: es machte Spaß. Sehr viel Spaß. Unzählige Dinge habe ich verkauft und gekauft, obwohl nur eine Privatperson habe ich mittlerweile über 1.700 Sterne (ohne negative Bewertungen, Applaus bitte). Doch dann wurde ebay leider zu kommerziell. Die Gebühren wurden unverschämt teuer: gerade für Privatverkäufer zu hoch. Seit über 10 Jahren kaufe ich nunmehr nur noch bei ebay, jedoch ist das Flair quasi nicht mehr vorhanden. Überschwemmt von Massenangeboten von professionellen Händlern weit über der 10.000er Marke wird das Ganze viel zu unpersönlich, aufgrund der Massenabwicklung hat die Unzuverlässigkeit / Sorgfalt zudem stark abgenommen. In der Tat kaufe ich mittlerweile lieber bei ebay, zumal sich preislich gesehen so gut wie gar nicht mehr ein Schnäppchen bei ebay machen lässt. Der "Einmarsch" der "Big-Seller" zerstört ebay nach und nach und das lässt sich nicht mehr aufhalten. Schön war die Zeit, spannend und faszinierend, einst zur Jahrtausendwende, doch das ist aus und vorbei.
MatthiasPetersbach 17.07.2015
3.
Naja…. Ich weiß nicht, was das immer höher, größer, alles wem nützen soll? Über die Praktiken von Ebay kann man streiten - aber ein E-Gebrauchtwarenhandel incl. Ersteigerungsplattform wird immer und ewig Gewinne einfahren. Nicht soviel, daß man andere Firmen reihenweise aufkauft - aber muß man das? Die Knowledge ist da, die Software, die Leute. Ich würde das einfach laufenlassen.
siamkatz 17.07.2015
4. Gebühren
Die Gebühren für Privatverkäufe belaufen sich mittlerweile auf 10% des Verkaufspreises plus Porto. Ich verkaufe da nix mehr. Die haben echt dem Ast abgesägt auf dem sie sitzen.
OrreWombell 17.07.2015
5.
Zitat von siamkatzDie Gebühren für Privatverkäufe belaufen sich mittlerweile auf 10% des Verkaufspreises plus Porto. Ich verkaufe da nix mehr. Die haben echt dem Ast abgesägt auf dem sie sitzen.
Völlige Zustimmung, der Charme war der private "Flohmarkt" Wenn ich etwas von einem professionellen Geschäft online bestellen möchte, bietet Amazon den weitaus besseren Service, warum da bei Ebay reinschauen?
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