Ebeling-Nachfolger Staubsauger-Manager wird ProSiebenSat.1-Chef

"Ein bisschen fettleibig und ein bisschen arm", so hatte ProSiebenSat.1-Chef Thomas Ebeling seine Kunden beschrieben. Er geht vorzeitig- sein Nachfolger war Chef bei einem Staubsaugerhersteller.

 Max Conze, ehemaliger Dyson-Chef, soll die Nachfolge von Thomas Ebeling antreten
DPA

Max Conze, ehemaliger Dyson-Chef, soll die Nachfolge von Thomas Ebeling antreten


Der Fernsehkonzern ProSiebenSat.1 wird künftig vom ehemaligen Chef des Staubsauger-Herstellers Dyson geführt. Max Conze übernimmt den Vorstandsvorsitz im Juni. Wie ProSiebenSat.1 Chart zeigen mitteilte, wird Vize-Chef Conrad Albert den Konzern nach dem Abschied von Vorstandschef Thomas Ebeling an diesem Donnerstag bis zu Conzes Amtsantritt kommissarisch leiten.

Auch Ebeling kam einst als Außenseiter - mit Managementerfahrung beim Pharmakonzern Novartis und dem Cola-Hersteller Pepsi.

Conze hatte den britischen Hausgeräteanbieter Dyson von 2011 bis zum Herbst 2017 geleitet. In dieser Zeit expandierte der Familienkonzern international und forcierte technologische Entwicklungen. Diese gipfelten zuletzt in der Ankündigung, ein Elektroauto zu bauen.

Nach Conzes Abschied entbrannte ein öffentlicher Streit über den Vorwurf seines früheren Arbeitgebers, er habe Firmengeheimnisse verraten. Conze wies die Anschuldigung zurück. Mittlerweile haben beide Seiten den Konflikt beigelegt.

Verknüpfung mit Online-Handel und TV-Produktion geplant

Vor seinem Wechsel zu Dyson arbeitete der gebürtige Bielefelder 17 Jahre in mehreren Ländern bei Procter & Gamble Chart zeigen. Das für Marken wie das Waschmittel Ariel, die Zahnpasta Blend-a-med oder Gillette-Rasierklingen bekannte US-Unternehmen zählt weltweit zu den größten Kunden der Werbeindustrie und damit auch von Senderketten wie ProSiebenSat.1. Der Fernsehkonzern erlöst rund die Hälfte seiner Einnahmen mit dem Verkauf von Werbezeiten.

Aufsichtsratschef Werner Brandt setzt große Hoffnungen in Conze: "Mit seiner Innovationsstärke und seinem Marketingverständnis wird er ProSiebenSat.1 zu neuen Erfolgen führen." Die Strategie für die kommenden Jahre - eine Verknüpfung der Senderkette mit Online-Handel und dem TV-Produktionsgeschäft - haben Vorstand und Aufsichtsrat allerdings bereits im vergangenen Jahr zementiert.

Ebeling verärgerte Anleger, Kunden und Zuschauer

Ebeling, der die Sendergruppe seit 2009 erst zu einem beispiellosen Aufstieg führte und dann mehrfach Anleger, Kunden und Zuschauer verärgerte, hatte im November überraschend seinen vorzeitigen Rückzug angekündigt. Branchenexperten erwarten, dass das Geschäft trotz eines durchwachsenen Schlussquartals im Gesamtjahr gewachsen ist.

Ebeling hatte sich wiederholt bei der Entwicklung der TV-Werbeerlöse als wichtigster Einnahmequelle verschätzt. Schließlich löste er mit einer Äußerung über die eigenen Zuschauer Empörung aus. Er bezeichnete sie als "ein bisschen fettleibig" und "ein bisschen arm". Nach Konzernangaben wollte er damit eine Zuschauergruppe beschreiben, die lieber klassisches Fernsehen schaue als zu Online-Videodiensten wie Netflix zu wechseln.

ans/dpa/Reuters



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