Öko-Suchmaschine Ecosia will RWE den Hambacher Forst abkaufen

Trotz des Rodungsstopps im Hambacher Forst ist die Zukunft des Waldes noch nicht entschieden. Die Betreiber der Suchmaschine Ecosia bieten RWE nun eine Million Euro für die verbliebenen 200 Hektar.

Braunkohlebagger am Rande des Hambacher Forsts
DPA

Braunkohlebagger am Rande des Hambacher Forsts


Normalerweise lässt Ecosia Bäume pflanzen, jetzt wollen die Betreiber der Suchmaschine einen ganzen Wald kaufen: Nach dem vorläufigen Rodungsstopp im Hambacher Forst hat das im Umweltschutz engagierte Unternehmen dem Energiekonzern RWE ein Kaufangebot unterbreitet.

Für die verbleibenden 200 Hektar Wald in Nordrhein-Westfalen bietet Ecosia eine Million Euro. Das Unternehmen geht davon aus, dass die in RWE aufgegangene Rheinbraun in den Siebzigerjahren umgerechnet etwa 500.000 Euro für den Wald gezahlt hat.

"Wir denken, dass so ein fairer Interessenausgleich zwischen RWE und der Bevölkerung gefunden werden kann, und verpflichten uns mit dem Kauf der Fläche, die ökologischen und gesellschaftlichen Interessen gemeinsam mit Organisationen zu verfolgen, die sich für den Schutz des Forsts eingesetzt haben und sich dem Naturschutz widmen", schreibt Ecosia-Geschäftsführer Christian Kroll an RWE-Chef Rolf Martin Schmitz. Das Angebot sei gültig bis zum 31. Oktober.

Konzern erwägt, Kohleförderung zu drosseln

RWE hatte einen Großteil des Forsts abholzen wollen, um Braunkohle zu baggern, dagegen gab es viel Protest. Aktivisten besetzten den Wald in Baumhäusern, diese wurden von der Polizei geräumt. Das Oberverwaltungsgericht Münster verfügte am vergangenen Freitag schließlich den vorläufigen Rodungsstopp. Der Konzern erwägt inzwischen, die Kohleförderung in Hambach um bis zu 15 Millionen Tonnen zu drosseln.

Die Suchmaschine Ecosia hat nach eigenen Angaben acht Millionen Nutzer. Die Einnahmen von Anzeigenkunden verwendet das Unternehmen dafür, Bäume zu pflanzen. Zudem würden Rücklagen gebildet, sagte Génica Schäfgen von Ecosia der Deutschen Presse-Agentur. Aus diesen Rücklagen wolle man den Hambacher Forst kaufen, wenn RWE zustimme.

Im Video: Deutschland und die Kohle - "Hambi bleibt!"

Deutsche Welle

mes/dpa

insgesamt 71 Beiträge
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anti-empath 09.10.2018
1.
Was für ein billiger Werbetrick einer unbekannten Suchmaschine. Natürlich wird RWE das Angebot nicht annehmen. Das weiß auch die Suchmaschine. Daher spielt es auch keine Rolle, ob sie das überhaupt finanzieren kann; vermutlich aber nicht bei nur 8 Mio. Nutzern
andreika123 09.10.2018
2. Umweltschutz
das ist natürlich nicht verkehrt muss aber gut abgewogen sein. Nach den wir aus der Atomenergie aussteigen muss der Strom mit Braunkohle hergestellt werden. Mit Wunsch an mehr Elektroautos würde es den Rahmen sprengen wo soll der Strom den kommen? wir zahlen jetzt schon überdurchschnittlich viel für Energie. Nach Meinung der Umweltschützer sollen wir alle in Baumhäser Leben mit der Natur in Einklang.
ruhepuls 09.10.2018
3. Chance für RWE
Mit dem Hambacher Forst wird RWE nicht mehr "glücklich". Egal, wie die Rechtslage ist, der Imageschaden ist schon jetzt enorm. Kunden von RWE-Unternehmen kündigen ihre Verträge, inzwischen werden neue Baumhäuser gebaut - und je länger es dauert, desto mehr Kosten laufen auf. Mit diesem Angebot käme RWE aus der Sache raus.
tanzindenmai 09.10.2018
4. nur mal so nebenbei
1 ha mischwald wird um die 17.000 euro bewertet.
hileute 09.10.2018
5. Unsinn
die Kohle unter dem Wald hat doch sicher einen höheren Wert, die müssten dann schon mehr bieten als der eigentliche wert beträgt, das das für RWE lukrativ wird das Waldstück zu verkaufen
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