Boykott für günstigere Preise Nestlé will Einigung mit Supermärkten

Europäische Einzelhändler boykottieren Nestlé-Produkte, um günstigere Einkaufpreise zu erzielen. Nestlé bedauert das Vorgehen und bemüht sich nach eigenen Angaben um eine einvernehmliche Lösung.

DPA


Der Schweizer Lebensmittelkonzern Nestlé will einen Bestellstopp für seine Produkte bei europäischen Supermarktketten aus der Welt schaffen. Auch Edeka zählt laut einem Medienbericht zu den Einzelhändlern, die den Lebensmittelgroßhändler boykottieren.

"Wir bedauern, dass unsere Kunden in einigen Geschäften in Europa derzeit keinen Zugang zu Nestlé-Produkten haben", sagte ein Sprecher. "Wir setzen die Verhandlungen in bester Absicht fort, um bald eine einvernehmliche Lösung für diese sehr bedauerliche Situation zu finden."

Einen Bestellsstopp für mehr als 150 Nestle-Produkte hat unter andrem die Schweizer Einzelhandelskette Coop bestätigt. Der Boykott gelte etwa für alle gekühlten Thomy-Salatsaucen, Cailler Perles, Nescafé Azera und Buitoni La Fina.

Boykott für bessere Einkaufsonditionen

Vergangene Woche hatte die "Lebensmittel Zeitung" berichtet, dass auch die deutsche Kette Edeka zusammen mit den Partnern der europäischen Händlerallianz Agecore mit einem Boykott bessere Einkaufskonditionen bei dem Weltmarktführer aus Vevey am Genfersee durchsetzen will.

Zur Händlerallianz Agecore gehören neben Coop und Edeka auch Intermarché aus Frankreich, der belgische Einzelhändler Colruyt, der italienische Verband Conad und und die Handelskette Eroski aus Spanien.

Analyst: Einigung wahrscheinlich

Dass Einzelhändler Druck ausübten, sei nichts Neues, sagte ein Analyst. Dass dies aber mit dem Rauswurf von Produkten eskaliere und damit auch an die Öffentlichkeit komme, sei seltener. Dennoch hatte Lidl vor drei Jahren Produkte von Coca-Cola aus den Regalen verbannt und stattdessen zeitweise billigere Marken ins Angebot genommen.

Dass die Nahrungsmittelindustrie in der jüngeren Vergangenheit einen stärkeren Margenfokus eingenommen habe, zum Teil zu Lasten von Marketing und Innovationen, könnte sich dabei als Bumerang erweisen, so der Analyst weiter. Er geht allerdings davon aus, dass sich Nestlé mit dem Einkaufsbündnis auf für beide Seiten akzeptable Konditionen einigen kann.

ans/Reuters/dpa

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