Wettbewerbshüter Kartellamt verbietet Edeka Übernahme von Kaiser's Tengelmann

Edeka darf die Supermärkte von Kaiser's Tengelmann nicht übernehmen. Das Kartellamt hat die Pläne des Marktführers trotz aller Zugeständnisse gekippt. Der Deal hätte den Wettbewerb in vielen Regionen zu stark eingeschränkt.

Tengelmann-Filiale: Übernahme untersagt

Tengelmann-Filiale: Übernahme untersagt


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Das Bundeskartellamt hat Deutschlands größtem Lebensmittelhändler Edeka die Übernahme von rund 450 Filialen des Konkurrenten Kaiser's Tengelmann untersagt. Bei einem Zusammenschluss befürchtet die Wettbewerbsbehörde Preiserhöhungen und weniger Wettbewerb, wie Kartellamtspräsident Andreas Mundt am Mittwoch in Bonn mitteilte.

Die Wettbewerbsbehörde geht davon aus, dass dies vor allem im Großraum Berlin, in München und Oberbayern sowie in Nordrhein-Westfalen der Fall wäre. Dort verschlechterten sich die Wettbewerbsbedingungen bei einer Übernahme demnach erheblich, was den Unternehmen neue Preiserhöhungsspielräume eröffnen würde. Außerdem würden die Auswahlmöglichkeiten der Verbraucher vor Ort stark eingeschränkt.

Den Wettbewerb sieht das Kartellamt aber nicht nur aus Sicht der Endkunden gefährdet, sondern auch aus der der Lieferanten: Den Markenartikel-Herstellern würde ein bedeutsamer unabhängiger Abnehmer verloren gehen, so dass die Einkaufsmacht der vier großen deutschen Lebensmittelhändler - Edeka, Rewe, Aldi und die Schwarz-Gruppe mit Lidl - noch weiter steigen würde.

Mögliche Folge: Nur noch zwei Nahversorger

Eigentlich wollte Edeka die Supermärkte der Tengelmann-Gruppe zum 30. Juni dieses Jahres kaufen. In München und Oberbayern firmieren sie unter der Marke Tengelmann, in Berlin und Teilen Nordrhein-Westfalens unter der Marke Kaiser's. Der Marktanteil entspricht Tengelmann zufolge 0,6 Prozent - bezogen auf ganz Deutschland.

In den Städten und Regionen hingegen, in denen die Tengelmann-Gruppe überhaupt vertreten ist, spielen deren Supermärkte eine wesentlich bedeutendere Rolle. Edeka hätte durch die Übernahme aller Filialen etwa in München und Berlin mehr als zehn Prozent Marktanteil hinzugewonnen. In vielen Regionalmärkten und Stadtbezirken hätte es nach dem Zukauf nur noch zwei Nahversorger mit umfassendem Warensortiment und vielen Markenartikeln gegeben - nämlich Edeka und Rewe mit ihren Discounter-Töchtern Netto und Penny, begründete das Kartellamt im Februar die Bedenken.

Die Entscheidung kommt nicht unerwartet, weil das Kartellamt bereits im Februar große Bedenken gegen die Übernahme geäußert hatte. Edeka und Tengelmann versuchten danach, den Deal durch umfangreiche Zugeständnisse zu retten. So boten sie an, rund hundert Filialen an andere Einzelhändler zu verkaufen. Für Edeka wäre damit noch ein Paket von rund 350 Filialen geblieben.

Zukunft der Filialen offen

Dieses Angebot reichte dem Kartellamt jedoch bei Weitem nicht aus. Nach Einschätzung der Wettbewerbsbehörde hätte der Handelsriese im Interesse des Wettbewerbs im Höchstfall rund ein Drittel der Kaiser's-Tengelmann-Supermärkte - insgesamt 150 bis 170 Geschäfte - übernehmen können. Es gebe eine ganze Reihe konkreter Hinweise auf alternative Interessenten für Teilnetze.

Edeka und Tengelmann können nun noch Beschwerde beim Oberlandesgericht Düsseldorf gegen die Entscheidung der Wettbewerbshüter einlegen. Außerdem haben sie die Möglichkeit, eine Ministererlaubnis zu beantragen, um das Veto der Wettbewerbsbehörde zu umgehen.

Bleibt es beim Übernahmeverbot, ist offen, wie es mit den Kaiser's- und Tengelmann-Supermärkten weitergeht. Im Oktober 2014 hatte Tengelmann-Chef Karl-Erivan Haub verkündet, die Unternehmensführung sehe "keine Perspektive mehr, unsere Supermärkte aus eigener Kraft zu einem profitablen Unternehmen zu machen". Damals hatte die defizitäre Kette knapp 16.000 Mitarbeiter und einem Jahresumsatz von rund 1,8 Milliarden Euro.


Zusammengefasst: Edeka darf die 450 Supermärkte von Kaiser's Tengelmann nicht übernehmen. Das Kartellamt befürchtet Preiserhöhungen und weniger Wettbewerb und untersagt den Verkauf. Auch das Angebot, rund hundert Filialen an andere Wettbewerber zu verkaufen, hat die Entscheidung nicht verhindert.

fdi/Reuters/dpa

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insgesamt 29 Beiträge
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Seite 1
Trainspotter 01.04.2015
1. Lächerlich
Es ist ein Skandal, was in Deutschland alles unterbunden wird, siehe auch die verbotene Übernahme von TNT durch UPS. Manchmal hat man das Gefühl, dass diese Menschen keine Ahnung von Wirtschaft haben.
Solid 01.04.2015
2. Pleite
Nun, dann wartet eben Edeka ganz gemächlich auf die Insolvenz des längst nicht mehr lebensfähigen Tengelmann und kauft die Märkte dann einfach aus der Insolvenzmasse.
alterkaufmann 01.04.2015
3. Und nun?
Also bleibt nichts anderes übrig, als das Personal zu entlassen, Mietverträge kündigen und den ganzen Laden auflösen. Was passiert dann? Die Kunden gehen zu den Händlern, die übrigbleiben. Dadurch wird deren Bedeutung als marktbeherrschende Macht auch gestärkt.
xam.ralos 01.04.2015
4. Danke Danke
Das finde ich super, mein geliebter Kaiser's bleibt und die Arbeitnehmer werden sich auch freuen in den Strukturen von Tengelman weiter zu arbeiten, mit Betriebsrat und fairer Entlohnung. Prima. Ich komme aus Zeiten in der es nur HO und Konsum gab und ich hatte die Befürchtung, dass wir uns dort wieder hin entwickeln.
Lankoron 01.04.2015
5. Und gibt es nun
genügend andere Käufer, die die Märkte übernehmen, die die Arbeitsplätze sichern und alternative Angebote unterbreiten? Oder werden die Märkte einfach geschlossen, wass dann auch keine Alternativen mehr lässt?
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