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Edelmetall-Investments: Goldhamster entdecken Silber

Von Andreas Scholz

Der Goldpreis steigt auf immer neue Rekordhöhen. Auch wenn Experten von einem weiteren Plus ausgehen - die Risiken einer deutlichen Korrektur sind unübersehbar. Deshalb setzen viele Investoren verstärkt auf Silber.

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Silber: Das Verhältnis zum Goldpreis ist ein wichtiger Indikator

Hamburg - Am 8. November war es so weit: Der Preis für eine Feinunze Gold knackte erstmals die 1.400 Dollar-Marke und erreichte damit ein neues Allzeithoch. Mal wieder. Denn seit zehn Jahren kennt der Goldpreis - von kleinen Unterbrechungen abgesehen - nur eine Richtung: nach oben.

Und Zweifel an der weiteren Entwicklung gibt es kaum: "Wir gehen davon aus, dass die Hausse ihren Zenit bei weitem noch nicht gesehen hat", sagt etwa Robert Vitye, Geschäftsführer von Solit Kapital, einem Initiator geschlossener Edelmetallfonds.

Der renommierte Goldminenexperte Joachim Berlenbach begründet den hohen Goldpreis mit den enorm gestiegenen Förderkosten. "Die Gesamtkosten für die Förderung einer Unze sind in den vergangenen zehn Jahren um 18 Prozent jährlich auf aktuell 923 Dollar gestiegen", sagt der Manager des Goldminenfonds Earth Gold UI.

Als einen der Hauptgründe für den Goldwahnsinn nennen die Akteure immer wieder Angst. "Menschen suchen nach einem sicheren Hafen für ihr Geld", sagt James Turk, der bereits vor neun Jahren den Online-Goldhändler Goldmoney gründete.

Für ihn ist Gold nichts anderes als eine Währung, die gegenüber allen anderen Währungen aufwertet. "Weltweit drucken Zentralbanken hemmungslos Geld. Die Menschen wissen, dass diese Aktionen die Kaufkraft des Geldes schwächen werden", so der Unternehmer. Er sieht den Goldpreis im Zeitraum von 2013 bis 2015 bei etwa 8000 Dollar.

Turks Ziel unterstellt, dass der Dollar sehr schnell einen beträchtlichen Teil seiner Kaufkraft einbüßt. Dazu ein Gedankenspiel: 2009 lag das Goldangebot bei etwa 4000 Tonnen. Um dieses aufzunehmen, müssten Goldkäufer bei Turks Zielpreis jährlich eine Billion Dollar ausgeben. Das ist das Achtfache der Summe, die sie 2009 für das Metall berappen mussten: 125 Milliarden Dollar.

Bei stabilen Preisen ist ein solcher Nachfrageanstieg kaum denkbar, zumal Gold nicht wirklich gebraucht wird. Die Industrie verwendet vergleichsweise wenig, etwa für Zähne und Katalysatoren. Und sie kann auf immer mehr davon zurückgreifen: Rund 97 Prozent des Goldes, das jemals gefördert wurde, sind noch immer verfügbar.

Für Silber sprechen mehrere Argumente

Sollte sich die Furcht der vielen Goldhamster vor Hyperinflation, Wirtschaftskollaps oder gar dem Cash-Gau nicht bewahrheiten, könnte dieses liegengebliebene Gold zügig wieder als Angebot auf den Markt wandern. Dann würde es zwangsläufig den Preis drücken. Nur wann das passiert, kann niemand vorhersagen.

Einige Experten betrachten deshalb den kleinen Bruder Silber inzwischen als den besseren Kauf. Große Teile des Silberangebots gehen an die Industrie (siehe Fotostrecke oben). Silber ist daher viel eher als Gold ein Rohstoff und damit abhängig von der Konjunktur. Als Alt-CDs oder Schrott landet es außerdem auf Müllkippen. Um es dort wieder herauszufiltern, ist es noch nicht teuer genug.

Ein Argument für Silber liefert auch das Verhältnis vom Gold- zum Silberpreis, die Gold-Silber-Ratio. "Sie lag über Hunderte von Jahren immer bei etwa 16, bis in die frühen achtziger Jahre", sagt Goldmoney-Mann Turk. Schon damals hatten Anleger Angst vor der staatlichen Notenpresse und trieben den Goldpreis in absurde Höhen. Nur: Anschließend hatten sie drei Jahrzehnte lang nichts von ihrem Kauf.

Jetzt liegt die Gold-Silber-Ratio bei 60,5. Schuld daran sind unter anderem die Notenbanken, die ihre Silbervorräte fast komplett verkauft und sich auf Gold als Reservemetall beschränkt haben. Sollte das alte Verhältnis wieder entstehen, müsste sich der Silberpreis knapp vervierfachen, wenn der Goldpreis konstant bliebe.

Es gibt keine Regel, dass es genau so passieren muss. Solit-Kapital-Mann Vitye hat aber die Lager-, Vorkommens-, Förder- und Anwendungssituation analysiert. "Diese Fundamentaldaten rechtfertigen sogar ein Verhältnis von sieben", meint er. Dann müsste sich der Silberpreis mehr als verachtfachen. Allerdings gemessen in schnöden Dollar.

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1. Offenbar werden die Gedächtnisse imm er kürzer:
sic tacuisses 13.11.2010
Zitat von sysopDer Goldpreis steigt*auf immer neue Rekordhöhen. Auch wenn Experten von einem weiteren Plus ausgehen - die Risiken einer deutlichen Korrektur sind unübersehbar. Deshalb setzen viele Investoren verstärkt auf Silber. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,725898,00.html
Wir hatten schon einmal einen solchen Silber-hype wie er jetzt scheinbar wieder losgeht. Hein Blöd kaufte was das Zeug hielt und wurde durch angebliche Großinvestoren auch noch in den Hype bald-ist-der-Weltmarkt-leer getrieben. Die Folge war: genau, Silber da, Kohle weg. Aber man kann sich ja immer damit trösten: Das Geld ist doch garnicht weg. Es hat halt nur ein anderer.
2. Silber in CDs
Anna Ampel 13.11.2010
Zitat von sysopDer Goldpreis steigt*auf immer neue Rekordhöhen. Auch wenn Experten von einem weiteren Plus ausgehen - die Risiken einer deutlichen Korrektur sind unübersehbar. Deshalb setzen viele Investoren verstärkt auf Silber. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,725898,00.html
Hier von Alt-CDs zu schreiben kann leicht in die Irre führen. Silber ist nur in den Reflexionsschichten der CD-R's (http://de.wikipedia.org/wiki/CD-R), also beschreibbaren CDs, auf die jeder von uns Daten brennen kann. Der weitaus größere Teil sind jedoch CD-ROMs (http://de.wikipedia.org/wiki/Compact_Disc), wie wir sie in jedem Musikgeschäft, Supermarkt oder Elektronikmarkt als Musik- oder Hörbuch-CD kaufen können. Diese CDs werden, genauso wie die DVDs, gepresst. Deren Reflexionsschicht wiederum besteht jedoch aus einer Aluminiumbedampfung. Übrigens: Recycelt werden unbrauchbare CDs und DVDs aus z.B. Presswerken (http://www.bod-berlin.de) schon seit Jahren.
3. Put-Option auf den Edelmetallpreis
thejedi 13.11.2010
Dieser Artikel ist m.E. wieder einmal eine krasse Fehleinschätzung der Ursachen für den Anstieg der Edelmetallpreise. Wenn eine nachhaltige Erholung der Wirtschaft Ursache für den Anstieg des Silberpreises wäre, würden weitere Industriemetalle ebenfalls teurer werden. Ursache für den verstärkten Anstieg des Silberpreises ist, dass JP Morgen und eine weitere Amerikanische Großbank angeklagt worden sind, weil Sie vermutlich den Silberpreis durch verstärkte Futureverkäufe künstlich niedrig gehalten, d.h. den Silbermarkt manipuliert haben. Diese Manipulation kann nach Anklage nicht mehr aufrecht gehalten werden und deshalb steigt Silber zur Zeit verstärkt. Ein weiteres Argument des Artikels, der Goldpreis sei überberwertet kann auch widerlegt werden, da die Geldmengenausweitung der führenden Industriestaaten, allen voran der USA und Europa ungebremst ist und die Teuerung der Edelmetalle nur Symptom der Geldmengenausweitung. Wobei vermutlich wirklich davon auszugehen ist, dass sich eine "ultimative Blase" im Gold bilden wird, wie der Investor Soros es genannt hat. Diese Blase ist jedoch GANZ am Anfang und es ist jedem, wirklich jedem nur zu empfehlen PHYSISCH Gold zu kaufen. Im Moment kann der Goldpreis nur durch sogenannte Papierverkäufe (ETFs, etc.) künstlich niedrig gehalten werden, weil solchen Vehikeln keine physische Knappheit entgegensteht. Seit China nicht nur seinem Volk erlaubt hat wieder Gold zu kaufen, sondern es mit Werbung geradezu ermutigt, kann man davon ausgehen, dass die immer reicher werdende chinesische Bevölkerung jedes physische Angebot von Gold dankbar aufkauft. Silber steht in dem Fall als monetäres Metall als Substitut zur Verfügung. Der Gold- und der Silberpreis wird demnach nicht stark fallen können, weil zu so (künstlich) niedrigen Preisen das verfügbare Angebot in Asien aufgekauft wird. Gold ist eben ein traditionelles Investment. Darin besteht die Put-Option des physischen Kaufs. Gold kann nicht gedruckt werden.
4. Die Aussagen von Managern,
sic tacuisses 13.11.2010
Zitat von sysopDer Goldpreis steigt*auf immer neue Rekordhöhen. Auch wenn Experten von einem weiteren Plus ausgehen - die Risiken einer deutlichen Korrektur sind unübersehbar. Deshalb setzen viele Investoren verstärkt auf Silber. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,725898,00.html
die Edelmetall-Fonds anzubringen versuchen, sind in solchen Artikeln absolut fehl am Platz. Provionen bekommen Sie hoffentlich keine..........
5. Europa steht am Anfang vom Ende
AIonso 13.11.2010
Das sozialistische Europa wird in naher Zukunft zusammenbrechen. Billiges FIAT money hat bisher dafür gesorgt, dass der Staatssektor sich überall so aufblähen konnte. Mit einem Heer an Beamten, Korruption/Lobbyismus und Transferempfängern kann man eben keinen Wohlstand generieren. Wie gut, dass es staatlich bezahlte Volkswirte gibt, die einem immer wieder versichern, dass man einfach mehr Geld drucken und Schulden machen muss. Die Quittung kommt!
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Heft 10/2010

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Silber im Alltag
dpa
Glotzen, spülen, kühlen. Silber leitet hervorragend Strom. Die Industrie verwendet es deshalb unter anderem für Lötstoff. Ein LCD-Fernseher enthält knapp 2 Gramm Silber, ein großes Gerät sogar bis zu 5 Gramm. Weil Silber auch antibakteriell wirkt, enthalten Spülmaschinenfilter, Kühlschränke und Waschmaschinen den Stoff Microban, der wiederum Silber enthält. CDs und DVDs enthalten etwa 11 Milligramm Silber. Eine Uhrenbatterie besteht zu fast einem Drittel aus Silber, weshalb es sogar Recyclingstationen dafür gibt.
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