Einheitliches Infoblatt: Banken wollen Beipackzettel für Finanzprodukte vorschlagen

Das Angebot klingt verlockend: Deutsche Banken wollen freiwillig eine Art Beipackzettel für Finanzprodukte vorschlagen, um sie besser vergleichbar zu machen. Verbraucherschützer warnen jedoch vor einem Durcheinander und fordern gesetzliche Vorgaben.

Zentrale der Deutschen Bank in Frankfurt am Main: Beipackzettel angekündigt Zur Großansicht
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Zentrale der Deutschen Bank in Frankfurt am Main: Beipackzettel angekündigt

Berlin - Der monatelange Druck zeigt offenbar Wirkung: Die deutschen Banken wollen in wenigen Wochen einen Vorschlag für ein einheitliches Infoblatt zu Geldanlagen vorlegen. "Die Arbeiten daran sind weit gediehen, abschließende Gespräche werden in Kürze geführt, so dass im März ein abgestimmtes Endprodukt vorliegen kann", sagte am Montag ein Sprecher des Bundesverbands deutscher Banken (BdB). Ziel sei eine bessere Vergleichbarkeit.

Die Deutsche Bank hatte am vergangenen Donnerstag einen "Beipackzettel" für ihre Kunden angekündigt. Mehrere Großbanken planen ebenfalls ein solches Infoblatt.

Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) wertete die Pläne als Schritt in die richtige Richtung. Sie will erreichen, dass Kunden die Angebote verschiedener Institute besser miteinander vergleichen können als heute. Dazu sollten in verständlicher Sprache und übersichtlicher Form die wichtigsten Informationen zu Laufzeit, Risiken, Rendite und Besonderheiten des Produkts zusammengestellt werden.

Das Verbraucherschutzministerium hat einem Bericht des "Tagesspiegel" zufolge dazu eine Mustervorlage entwickelt. Parallel werde auch in Brüssel an einer besseren Information der Kunden im Finanzbereich gearbeitet.

Als Konsequenz aus der Finanzkrise hatte Aigner bereits im vergangenen Sommer die deutschen Kreditinstitute aufgefordert, die Kunden besser über Finanzprodukte zu informieren. "Die Banken haben damals ablehnend reagiert", betonte Dorothea Mohn, Finanzexpertin beim Bundesverband der Verbraucherzentralen laut "Tagesspiegel".

Auch das Informationsblatt des Bankenverbands soll sich an der Vorlage aus dem Ministerium orientieren, allerdings solle es mit Blick auf die anstehenden Veränderungen aus Brüssel einige Abweichungen geben, so der Verband. "Das betrifft vor allem die Reihenfolge der Angaben und die Form", sagte Georg Baur vom Bankenverband dem Blatt zufolge. Bis Ende März solle die Vorlage fertig sein. Der Bankenverband geht demnach davon aus, dass sich die Informationsblätter der einzelnen Banken dann in allen wesentlichen Punkten sehr ähneln würden.

Verbraucherschützerin Mohn warnte aber vor einem Durcheinander und forderte verbindliche Standards für die Produktinformationen. "Die Banken wollen verhindern, dass die Verbraucher die Produkte klar vergleichen können", warnte sie. Zwar sei zu begrüßen, dass endlich Bewegung in die Branche komme, sagte Mohn mit Blick auf die Pläne des Bankenverbands. "Eine verbindliche gesetzliche Vorgabe für einen einheitlichen Informationsstandard ist aber besser."

Auch Ministerin Aigner wandte sich in der "Neuen Osnabrücker Zeitung" gegen unübersichtliche einzelne Regeln. "In Deutschland darf kein Flickenteppich nicht vergleichbarer Informationsblätter entstehen." Bankkunden müssten auf einen Blick die Chancen und Risiken einer Geldanlage erkennen und mit einem Alternativprodukt vergleichen können.

Sollten sich die Institute nicht auf freiwilliger Basis auf einen möglichst einheitlichen "Beipackzettel" einigen können, werde sie weiter an einer gesetzlichen Regelung festhalten, kündigte die Verbraucherministerin an. "Wir brauchen keine blumigen Marketingtexte, sondern hieb- und stichfeste Fakten."

fro/dpa-AFX/APN

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