Einigung mit Ver.di Schlecker zahlt erstmals einheitlichen Tarif

Der Streit um Dumpinglöhne zwischen Schlecker und der Gewerkschaft Ver.di ist beendet: Alle 34.000 Beschäftigten der Drogeriemarktkette werden künftig nach dem Einzelhandelstarif Baden-Württemberg bezahlt. Auch die umstrittene Leiharbeit soll stark eingeschränkt werden.

Ver.di-Proteste (im Februar): Tarifstreit mit Schlecker beigelegt
DPA

Ver.di-Proteste (im Februar): Tarifstreit mit Schlecker beigelegt


Berlin - Die Gewerkschaft Ver.di hat sich mit dem Drogerie-Discounter Schlecker geeinigt: Nach insgesamt vier Verhandlungsrunden einigten sich die Parteien am Dienstag auf mehrere Tarifverträge für die rund 34.000 Beschäftigten. "Wir haben diesen Kampf erfolgreich zu Ende geführt", sagte die stellvertretende Ver.di-Chefin Margret Mönig-Raane. Alle wesentlichen Ziele seien erreicht worden.

Die Beschäftigten der rund 8200 Anton-Schlecker-Märkte (AS) werden demnach ebenso wie die Mitarbeiter der etwa 350 neuen Schlecker-XL-Filialen ab 1. Juli nach dem baden-württembergischen Flächentarifvertrag bezahlt. Eine ausgebildete Verkäuferin verdiene damit 12,37 Euro brutto pro Stunde, im Monat komme sie auf 2100 Euro, sagte Mönig-Raane.

Freiwerdende Stellen in den neuen, moderneren XL-Märkten sollten zudem vorrangig mit Beschäftigten der AS-Märkte besetzt werden, so die Ver.di-Verhandlungsführerin. Alternativ müsse das Unternehmen Ersatzarbeitsplätze anbieten. Für den Fall, dass eine Jobgarantie nicht möglich sei, sichere der Tarifvertrag angemessene Abfindungen. Unternehmenschef Anton Schlecker hatte im Januar angekündigt, in diesem Jahr rund 500 der kleineren AS-Läden schließen zu wollen.

Schlecker: "Tragfähiger Kompromiss, der beiden Seiten gerecht wird"

Die Vereinbarungen beträfen auch die Mitarbeiter, die in die Zeitarbeitsfirma Meniar ausgegliedert worden seien und zu niedrigeren Stundenlöhnen arbeiteten als das übrige Personal, berichtete die Gewerkschaft. Da die Arbeitsverträge der Meniar-Mitarbeiter allerdings erst Ende Dezember ausliefen, gelte die Vereinbarung dort erst ab Anfang 2011. Das Unternehmen hatte mit Dumping-Stundenlöhnen von 6,50 Euro für Negativschlagzeilen gesorgt. Die Entgelte seien bis zum Jahresende auf 9 Euro angehoben worden, ohne dass dies Gegenstand der Tarifverhandlungen gewesen sei. Leiharbeit soll künftig nur noch in engen Grenzen mit Zustimmung der Betriebsräte möglich sein.

"Mit dem Abschluss ist Schlecker wieder im Feld der sozial anständig agierenden Arbeitgeber angekommen", sagte die Vizechefin von Ver.di. Die Drogeriekette habe gezeigt, dass sie zu Kursänderungen fähig und der Einzelhandel "nicht nur eine Ansammlung von Katastrophen-Unternehmen" sei. Die Verhandlungen seien zwar schwierig gewesen, "aber wenn das möglich war, wird es in Zukunft auch in anderer Form möglich sein". Auch bei anderen Filialunternehmen wie Rossmann und Müller gebe es für die Gewerkschaften noch viel zu tun.

Schlecker nannte die Übereinkunft einen "tragfähigen Kompromiss, der beiden Seiten gerecht wird und die öffentliche Kampagne beendet". Man hoffe, dass die öffentlich geführte Auseinandersetzung nun beendet sei. Zahlen zu möglichen Umsatzeinbrüchen in Folge der öffentlichen Empörung über den Umgang mit dem Personal nannte die Firma nicht.

wit/apn/dpa

Mehr zum Thema


© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.