Auch ohne konkretes Jobangebot Wirtschaft will Fachkräften Einreise erleichtern

Arbeitgeber fordern, die Zuwanderung qualifizierter Arbeitskräfte deutlich zu erleichtern. Sie wollen nach SPIEGEL-Informationen Fachkräften die Einreise auch ohne konkretes Arbeitsplatzangebot ermöglichen.

Auszubildender als Industriemechaniker (Symbolbild)
DPA

Auszubildender als Industriemechaniker (Symbolbild)


Die Arbeitgeber drängen darauf, dass die Zuwanderung von Fachkräften aus Drittstaaten außerhalb der EU vereinfacht wird und die Verwaltungsverfahren entbürokratisiert werden. Der "Sieben-Punkte-Plan" der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA), der dem SPIEGEL vorliegt, ist auch ein politisches Signal zum geplanten Fachkräfte-Zuwanderungsgesetz, das die Bundesregierung im Herbst vorlegen will.

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"Das bestehende Zuwanderungsrecht muss besser strukturiert, transparenter, deutlich einfacher und punktuell ergänzt werden", heißt es in dem Positionspapier. Ein Punktesystem für die Einwanderung, wie es etwa Kanada hat, lehnt die BDA ab. Stattdessen fordert sie etwa eine drastische Vereinfachung der Bürokratie. Derzeit erteilten 600 Ausländerbehörden Aufenthaltstitel an ausländische Fachkräfte. Um Entscheidungen zu beschleunigen, sei es notwendig, die Aufgaben der kommunalen Ausländerbehörden in "spezialisierten überregionalen Kompetenzzentren" zu bündeln.

Zugleich soll die Zuwanderung von Menschen mit Berufsqualifikation "deutlich erleichtert werden". Dazu solle auch die sogenannte Positivliste "abgeschafft, zumindest aber flexibilisiert" werden. Auf der Positivliste stehen Berufe, in denen Fachkräftemangel besteht.

Bisher dürfen vor allem Fachkräfte aus diesen Mangelberufen bei einem Arbeitsangebot zuwandern. 2016 wurde dies gerade einmal 1305 Menschen erlaubt. Die BDA will, dass "eine Einreise auch ohne konkretes Arbeitsplatzangebot möglich ist". Für qualifizierte Fachkräfte ohne akademische Ausbildung und Ausbildungssuchende solle es künftig eine "Aufenthaltserlaubnis zur Arbeitsplatzsuche" geben.

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mad



insgesamt 55 Beiträge
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Seite 1
jogola 20.07.2018
1. An welche Länder wird da gedacht
Kanada, Australien, Neuseeland hielte ich für unkritisch. In den meisten Ländern der dritten Welt werden die qualifizierten Fachkräfte dringender gebraucht wenn daraus nicht eine vierte werden soll. Ihnen dort Jobs zu schaffen wäre Entwicklungshilfe. Wie soll die Entwicklung dort ohne diese Leute gehen ?
Guerilla_77 20.07.2018
2. ...
Der BDA....soso. Da wir ja eine so schöne kuschelige Konsensrepublik sind, wird der BDA dich sicherlich nichts gegen meinen Linken Konsensvorschlag haben - nur Erleichterungen bzw. einstellungsberechtigungen für Betriebe mit gültigem und umgesetzten Tarifvertrag. Nicht gut? Verstehe....
schorsch_69 20.07.2018
3. Och Joh!
Einreise ohne konkretes Arbeitsplatzangebot, wo gibt es das denn? Haben die Arbeitgeber zu heiß gebadet - wozu soll das denn gut sein? Zum Rosinenpicken minimal entlohnter und hoch qualifizierter Arbeitskräfte - und zum ausbremsen der eigenen Bevölkerung? Nennt sich Mini-Max Prinzip und gibt/funktioniert nirgendwo!
Objectives 20.07.2018
4. Noch mehr Konkurrenz
Schon heute werden deutsche Akademiker von Firmen nicht mehr akzeptiert. Die Mär vom Fachkräftemangel soll wohl das System des Lohndumpings am Leben halten.
Sueme 20.07.2018
5.
Dann soll die BDA doch einfach für jeden Bereich in dem Fachkräftemangel herrschen soll die Lohnsteigerung der letzten 5 Jahre darlegen. Wenn es irgendwo Mangel geben würde müsste sich das ja deutlich im Lohn des betreffenden Bereiches niederschlagen. Ist in den Bereichen nichts von Lohnsteigerung zusehen......genau nichts mit Einwanderungserleichterung.
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