Einzelhandelskonzern: Carrefour gibt griechischen Markt auf

Der größte europäische Einzelhändler ist künftig nicht mehr in Griechenland vertreten. Carrefour hat angekündigt, sein Engagement in dem schuldengeplagten Land zu beenden - und begründet den Rückzug mit der unsicheren wirtschaftlichen Lage.

Carrefour-Supermarkt in Athen: Zuletzt Umsatzrückgänge von 16 Prozent Zur Großansicht
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Carrefour-Supermarkt in Athen: Zuletzt Umsatzrückgänge von 16 Prozent

Paris - Im jüngsten Quartal brach der Umsatz um 16 Prozent ein - nun hat Carrefour die Reißleine gezogen: Der größte europäische Einzelhändler kehrt dem krisengeschüttelten Griechenland den Rücken. Dort und auf Zypern betreibt der französische Konzern bislang ein Joint Venture mit der griechischen Partnerfirma Marinopoulos. Carrefour Chart zeigen kündigte an, seinen Anteil an dem griechischen Joint-Venture komplett an Marinopoulos zu verkaufen.

Der Ausstieg aus dem griechischen Markt kommt den europäischen Branchenprimus teuer zu stehen. Infolge der Veräußerung werden laut Angaben des Unternehmens 220 Millionen Euro abgeschrieben. Carrefour begründete den Rückzug mit "den Herausforderungen für Griechenlands Wirtschaft". Die schlechten Geschäftszahlen sind auch deshalb bemerkenswert, weil das Ansehen der Carrefour-Supermärkte bei den griechischen Kunden prinzipiell sehr hoch ist - dennoch waren sie offenbar nicht mehr erfolgreich zu betreiben.

Die Abkehr von Griechenland ist eine der ersten Entscheidungen des neuen Carrefour-Chefs Georges Plassat, der erst seit vergangenen Monat amtiert. Die Entscheidung erfolgt kurz vor den Schicksalswahlen in Griechenland am Sonntag, die auch als Abstimmung über den Verbleib des Landes in der Euro-Zone gelten. Ob Marinopoulos, dem die Supermarktkette künftig allein gehört, Läden schließen oder Personal entlassen wird, ist noch unklar. Firmenchef Leonidas Marinopoulos teilte lediglich mit, die Übernahme böte die Möglichkeit, das Geschäftsmodell anzupassen.

Der Verkauf der griechischen Tochter muss noch von den Kartellbehörden genehmigt werden. Nach Einschätzung von Carrefour wird dies in den nächsten Wochen der Fall sein. Das Unternehmen leidet besonders unter der Schuldenkrise in der Euro-Zone, da es stark in aktuellen Problemländern wie Spanien und Italien vertreten ist.

fdi/Reuters

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insgesamt 8 Beiträge
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1. Aldi war schneller
solon640 15.06.2012
Zitat von sysopDer größte europäische Einzelhändler ist künftig nicht mehr in Griechenland vertreten. Carrefour hat angekündigt, sein Engagement in dem schuldengeplagten Land zu beenden - und begründet den Rückzug mit der unsicheren wirtschaftlichen Lage. Einzelhandel: Carrefour zieht sich aus Griechenland zurück - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,839101,00.html)
Aldi Süd hat sich schon vor zwei Jahren aus Griechenland zurück- gezogen. Die konnten offenbar besser rechnen und haben früher gemerkt, wohin der Hase dort läuft.
2.
box-horn 15.06.2012
Zitat von sysopDer größte europäische Einzelhändler ist künftig nicht mehr in Griechenland vertreten. Carrefour hat angekündigt, sein Engagement in dem schuldengeplagten Land zu beenden - und begründet den Rückzug mit der unsicheren wirtschaftlichen Lage. Einzelhandel: Carrefour zieht sich aus Griechenland zurück - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,839101,00.html)
vielleicht sollten die ihre Auslandschwerpunkte von den jetzigen Krisenregionen ein wenig nach Deutschland verlagern. Ich würde mich über einen Carrefour in der Region sehr freuen.
3.
brux 15.06.2012
Diese Meldung ist 100 mal wichtiger als jede Stellungnahme des Herrn Hollande. Auch Franzosen ist das Hemd näher als der Rock. Hollande wird die Franzosen wohl kaum dazu überreden können, ihren Lebensstandard zugunsten der Griechen zu senken, und sein Versuch, die Griechen mit deutschem Geld zu retten, kann als gescheitert betrachtet werden. Dazu hat er Merkel bereits zu sehr verärgert, nicht zuletzt mit seinem törichten Glauben, die SPD könnte die nächste Bundestagswahl gewinnen.
4.
gewgaw 15.06.2012
Zitat von sysopDer größte europäische Einzelhändler ist künftig nicht mehr in Griechenland vertreten. Carrefour hat angekündigt, sein Engagement in dem schuldengeplagten Land zu beenden - und begründet den Rückzug mit der unsicheren wirtschaftlichen Lage. Einzelhandel: Carrefour zieht sich aus Griechenland zurück - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,839101,00.html)
Naturgemäß müßten die griechischen Lebensmittelläden durch geringere ausländische Konkurrenz wieder einen Chance am Markt haben, aber den Griechen traue ich mittlerweile so wenig zu, dass ich eher auf eine chinesische Kette tippe, die den freien Platz besetzt.
5. Abhauen
zabbel 15.06.2012
Diese Land wird ganz andere Probleme bekommen, ein Rückzug von Carrefour ist da sicher zu vernachlässigen. Ich bin sicher dass sehr viele Menschen mit guter Berufsausbildung schon in den Startlöcher sitzen. Es gibt international genug Möglichkeiten und Netzwerke für Akademiker und Handwerker um dem kommenden Chaos zu entfliehen.
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So funktioniert der Rettungsfonds ESM
Volumen
Der Europäische Stabilitätsmechanismus (ESM) kann bis zu 500 Milliarden Euro an Hilfsgeldern vergeben. Nur 80 Milliarden Euro davon werden wirklich eingezahlt, der Rest sind Garantien. Nicht angerechnet werden die bereits vergebenen Hilfen aus dem vorläufigen Rettungsfonds EFSF sowie bilaterale Kredite der Euro-Staaten an Griechenland.
Einzahlung
Die 80 Milliarden Euro Kapital werden in fünf Tranchen eingezahlt; zwei im Jahr 2012, zwei weitere 2013 und eine letzte bis Mitte 2014. Erst dann hat der Fonds sein komplettes Ausleihvolumen von 500 Milliarden Euro erreicht. Bis dahin kann es eng werden: Der ESM muss stets 15 Prozent von dem Geld besitzen, das er in Notfällen verleiht. Er müsste also 15 Milliarden Euro besitzen, um ein Rettungspaket von 100 Milliarden Euro schnüren zu können. Um für eine Übergangsphase gerüstet zu sein, soll der vorläufige Rettungsfonds EFSF noch bis Mitte 2013 einspringen können, falls der ESM noch nicht ausreichend gefüllt ist. Im EFSF befinden sich noch rund 240 Milliarden Euro, die nicht für bestehende Hilfsprogramme ausgegeben wurden.
Aufgabe
Der ESM soll Mitgliedsländern der Euro-Zone helfen, die Schwierigkeiten haben, sich am Finanzmarkt frisches Geld zu leihen - etwa wenn die Zinsen für Staatsanleihen zu hoch sind, um sie dauerhaft zahlen zu können. Es gibt keine feste Definition, ab welchem Zinsniveau Staaten Hilfe beantragen müssen oder können - als Faustregel gelten aber sieben Prozent für zehnjährige Staatsanleihen. Bei Erreichen dieses Werts hatten Länder wie Portugal oder Irland Hilfen aus dem Vorgängerfonds EFSF beantragt. Im Gegenzug für Hilfen aus den Rettungsfonds müssen die Krisenländer strenge Sparauflagen einhalten und Strukturreformen beschließen.

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Fotostrecke: So funktioniert eine Umschuldung