Einzelhandels-Studie Ladendiebe verursachen Schäden in Milliardenhöhe

Die Polizei spricht von einem Rückgang der angezeigten Ladendiebstähle, doch die Einzelhändler sehen das anders. Sie ließen das Handelsforschungsinstitut EHI eine eigene Rechnung anstellen. Das Ergebnis fällt alarmierend aus.

Ladendiebstahl: Kleine, teure Waren stehen auf der Hitliste ganz vorn
DPA

Ladendiebstahl: Kleine, teure Waren stehen auf der Hitliste ganz vorn


Köln - Der Handel erleidet jährlich Verluste in Milliardenhöhe, weil Waren abhanden kommen. Die Differenz von Einkauf und Lagerbeständen zeigen sich bei jeder Inventur. Im gesamten Einzelhandel summierte sie sich 2013 auf 3,9 Milliarden Euro. Nach Einschätzung der Handelsexperten vom Handelsforschungsinstitut EHI lassen sich davon rund 2,1 Milliarden auf Ladendiebstahl durch Kunden zurückführen, fast 900 Millionen auf eigene Mitarbeiter und 300 Millionen auf Lieferanten und Servicekräfte. Die restlichen 600 Millionen Euro entfallen auf organisatorische Mängel, wie etwa falsch ausgezeichnete Preise.

"Die Diebstahlsraten befinden sich nach wie vor auf hohem Niveau", resümiert Frank Horst, Leiter des Forschungsbereichs Inventurdifferenzen und Sicherheit beim EHI und Verfasser der Studie.

Zunahme der Kriminalität befürchtet

Statistisch gesehen bedient sich jeder Bundesbürger jährlich an Waren im Wert von 26 Euro, ohne zu bezahlen. Insgesamt gehen dem Einzelhandel durch Inventurdifferenzen und Investitionen zu deren Vermeidung 1,3 Prozent des Umsatzes verloren. Letztlich wird diese Summe in die Verkaufspreise einkalkuliert und jeder ehrliche Kunde zahlt mit.

Die Statistik der Polizei fällt hingegen weniger dramatisch aus. Danach sind die angezeigten Ladendiebstähle 2013 wieder leicht auf 356.152 Fälle zurückgegangen. Der stetige Rückgang von angezeigten Ladendiebstählen spiegele jedoch nicht die tatsächlichen Verhältnisse wider, sagen die Experten vom EHI. Durch die enorme Dunkelziffer von mehr als 98 Prozent besitze die Statistik nur eine sehr eingeschränkte Aussagefähigkeit.

Aufgrund der Erfahrungen der letzten Jahre erwarten die Händler eher eine weitere Steigerung der Kriminalität. Vor allem der professionell organisierte Ladendiebstahl im Sinne von Bandendiebstählen und gewerbsmäßigen Diebstählen, die bei jedem Zugriff wertmäßig hohe Schäden verursachen und selten erkannt werden, bereiten den Einzelhändlern Sorgen. Zu den am häufigsten gestohlenen Artikeln gehören nach wie vor kleine, teure Waren wie Parfum und Kosmetik, Rasierklingen, Spirituosen sowie Tabakwaren. Im Bekleidungshandel werden vor allem hochwertige Marken bevorzugt, aber auch modische Artikel und Accessoires. Auch Speichermedien, Konsolenspiele, Smartphones und LED-Leuchtmittel werden oft mitgenommen.

An der aktuellen Untersuchung beteiligten sich 104 Unternehmen mit insgesamt fast 18.000 Verkaufsstellen, die 2013 einen Gesamtumsatz von gut 69 Milliarden Euro erwirtschaftet haben.

mik



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