Boom bei Onlinebestellungen Einzelhandel wächst 2018 zum neunten Mal in Folge

Die Kauflaune der Verbraucher hat die Geschäfte des deutschen Einzelhandels erneut angetrieben. Allerdings profitieren nicht alle Händler.

Passanten in Fußgängerzone in Freiburg (im Dezember 2018)
DPA

Passanten in Fußgängerzone in Freiburg (im Dezember 2018)


Die deutschen Einzelhändler haben das neunte Jahr hintereinander mit einem Umsatzplus abgeschlossen. Die Branche profitierte von den Lohn- und Beschäftigungszuwächsen im Land, die die Kaufkraft vieler Verbraucher stärkten. Die Erlöse kletterten 2018 schätzungsweise zwischen 3,1 und 3,3 Prozent, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Die Zahlen basieren auf den Daten für die ersten elf Monate.

2017 hatte das Plus bei 4,3 Prozent gelegen, 2016 bei 2,9 Prozent. Real, also bereinigt um die Inflation, betrug das Wachstum im vergangenen Jahr voraussichtlich knapp 1,5 Prozent.

Einen besonders hohen Zuwachs gab es im Internet- und Versandhandel. Er legte in den ersten elf Monaten 2018 um 6,2 Prozent zu. In Apotheken sowie im Geschäft mit kosmetischen, pharmazeutischen und medizinischen Produkten fiel das Plus mit 4,1 Prozent ebenfalls überdurchschnittlich aus. Dagegen schrumpfte der Umsatz mit Textilien, Bekleidung, Schuhen und Lederwaren um 1,7 Prozent.

Neben dem Onlinehandel profitieren dem Branchenverband HDE zufolge vor allem große Handelshäuser von der Kauflust der Menschen. Viele kleine Händler dagegen erzielen kaum Zuwächse. Experten machen dafür auch ihren Rückstand beim Onlinehandel verantwortlich.

Die konjunkturellen Rahmenbedingungen für den Einzelhandel sind gut. Im vergangenen Jahr trieben höhere Einkommen und die Rekordbeschäftigung den privaten Konsum an. So stiegen die Tarifverdienste im abgelaufenen Jahr mit 2,8 Prozent schneller als die Preise mit 1,9 Prozent. Zudem erreichte die Zahl der Beschäftigten mit 44,8 Millionen ein Rekordhoch. Die meisten Wirtschaftsforschungsinstitute sagen für das laufende Jahr einen weiteren Beschäftigungszuwachs bei steigenden Löhnen voraus. Das sind gute Voraussetzungen dafür, dass der Einzelhandel seinen Aufwärtstrend fortsetzt.

Einen Umsatzrückgang im Einzelhandel gab es zuletzt im Krisenjahr 2009, als die weltweite Finanzkrise auf die Kauflaune durchschlug.

Forscher rechnen mit anhaltend guter Konsumlaune

Die Ausgaben der Verbraucher sind eine wichtige Stütze der deutschen Konjunktur. Nach Angaben des Nürnberger Marktforschungsinstituts GfK liegt der Anteil des privaten Konsums am Bruttoinlandsprodukt bei etwa 55 Prozent.

Zwar sank der Konjunkturoptimismus der Verbraucher zuletzt - bedingt durch die Handelskonflikte der USA mit China und Europa sowie den bevorstehenden Brexit. Da der deutsche Arbeitsmarkt aber weiter boomt, hat das offenbar kaum Auswirkungen auf die persönlichen Erwartungen. Die Kauflaune war zum Jahresende laut GfK trotz eines Rückgangs weiterhin sehr hoch.

Die deutsche Industrie musste erstmals seit drei Monaten einen Dämpfer beim Auftragseingang hinnehmen. Im November sanken die Bestellungen im Monatsvergleich um ein Prozent, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Ausschlaggebend war ein starker Order-Rückgang aus der Eurozone. Das Bundeswirtschaftsministerium geht angesichts des insgesamt hohen Auftragsbestands in Unternehmen aber davon aus, dass die Industriekonjunktur wieder zulegt.

mmq/Reuters/dpa



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ned divine 07.01.2019
1. kaum vorstellbar....
... in meinem Bekannten-, Familien und auch Freundeskreis kaufen die Leute wieder vermehrt stationär. Ich war überrascht, das zu hören, aber als ich die Begrünungen dafür hörte, die sich auch alle sehr ähnelten, leuchtet es mir ein. Es kostet immens viel Zeit, immer die Preise zu vergleichen, dann wird etwas nicht rechtzeitig geliefert, die Versandkosten sind teilweise - gerade für Kleinartikel - häufig sehr überteuert und dann werden die Sachen bei € 4,90 doch zur im Brief oder Warensendung verschickt.... Immerhin hat man online meist eine grössere Auswahl, aber auch mein Vorsatz für dieses Jahr lautet, nicht mehr als erstes online zu stöbern, sondern wieder häufiger in ein Geschäft zu gehen und dann gleich mitnehmen, da kann dann auch meist nicht schief gehen. Wir haben jetzt nach Weihnachten auch 2 Sachen zurückschicken müssen, weil defekt bzw. einmal erst am 28. geliefert. Das ist doch auch ein Wahnsinn, rein versand und umwelt technisch, oder?
yabba-dabba-doo 07.01.2019
2. Besonderer Familien und Freundeskreis
@1 nur mal den Artikel richtig lesen Einen besonders hohen Zuwachs gab es im Internet- und Versandhandel. Er legte in den ersten elf Monaten 2018 um 6,2 Prozent zu. Und das Argument mit dem Zeitfresser Preisvergleich im Internet ist ja lächerlich. Schneller und übersichtlicher als im Internet geht es gar nicht. Rennen sie in 3-5 Geschäfte um die Preise zu vergleichen. Und das auch noch schneller als im Internet? Wow! Ein Lieferdienst der 100 Haushalte beliefert ist besser für die Umwelt als 100 Haushalte die ihren Verbrenner starten und sich in die Stadt oder zur grünen Wiese begeben. (nicht jeder kommt in den genuß eines effizienten ÖNV)
J-B.N. 07.01.2019
3. Die Wahrheit liegt wie immer
in der Mitte. Es gibt Dinge, die ich bequem und gefahrlos im Online-Handel bestellen kann....ein Apple iPhone 7 ist und bleibt ein Apple iPhone 7...z.B....anders beispielsweise Klamotten...die möchte man schon gerne vorher sehen und anprobieren und kauft sie schon des Erlebnis wegen lieber im stationären Handel. Im Technikbereich jedoch kauft man vermehrt online...egal was. Ich persönlich kaufe mittlerweile sogar Lebensmittel online. 1l Gerolsteiner Mineralwasser ( Beispiel) ist, was er ist. Kostet zwar mehr, aber bringt auch eine Menge Bequemlichkeit und ich muss nicht selber los oder schleppen. Wie immer muss man nur schauen, WO man kauft.
Gruwe 07.01.2019
4. @1 Nein, ist es nicht!
Wie kommen eigentlich die ganzen Leute auf die Idee, dass der stationäre Handel umweltfreundlicher wäre? Allein schon der Gedanke ist absurd! Sowohl beim stationären als auch beim Versandhandel müssen die Produkte transportiert werden. Bei Lieferung zum Endkunden übernimmt dies aber ein Logistik-Dienstleister (DHL, etc.), der bereits ein entsprechendes betriebswirtschaftliches Interesse hat, diese Lieferkette möglichst effizient zu gestalten...dem gegenüber stehen tausende Quadratmeter zu beheizende, beleuchtete, etc. Ladenfläche beim stationären Handel sowie etliche Käufer, die mit dem ineffizienten Verkehrsmittel Pkw gut 1 Tonne Masse bewegen, um 80kg Mensch und 10kg Einkauf zu transportieren. Und auch das oft angeführte Thema bzgl. Retouren ist auch kein Problem: Die heutige Auslastung der Transporteure ist ja in Richtung Endkonsumenten logischerweise am höchsten. Retouren nehmen halt auf dem Rückweg den Platz ein, der sonst eben leer wäre. Habe vor kurzem eine Studie gesehen: Im Mittel emittiert für die gleiche Ware der stationäre Handel etwa doppelt so viel CO2 wie der Internethandel.
der_seher59 07.01.2019
5. will hier keine Reklame machen
aber bin gut selbst guter und zufriedener Kunde beim weltgrößten Onlinversand. Dank prime interessieren mich die Portokosten nicht.In der Regel weiss ich bei der Bestellung.Selbst die Beschreibung ist besser als so manche Beratung im stationären Handel.Und natürlich spare ich Zeit beim Preisvergleich. Bei wem das längert dauert als im stationären Handel, hat sein Leben nicht im Griff. Über Parkplatz-Suche/Kosten/Ärger wollen wir hier gar nicht erst schreiben
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