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Elbphilharmonie: Planer bemusterten 292-Euro-Klobürsten

Elbphilharmonie: Zehnmal so teuer wie geplant Fotos
DPA

Der Bau der Elbphilharmonie sorgt für neuen Ärger. Laut einem Papier des Untersuchungsausschusses verursachten architektonische Fehleinschätzungen Millionenkosten. Hinzu kam Prasserei - selbst bei der Ausstattung der Toiletten seien absurd teure Ausgaben erwogen worden.

Hamburg - Auf Hamburgs Skandalbaustelle Nummer eins herrschen laut einem internen Papier Verschwendungssucht und Größenwahn. Teils seien es architektonische Fehleinschätzungen, die die Kosten zum Bau der Elbphilharmonie in die Höhe getrieben hätten, teils sei Prasserei das Problem gewesen.

Das geht aus einem Entwurf des Abschlussberichts des parlamentarischen Untersuchungsausschusses hervor, über den am Montag die "Bild"-Zeitung berichtet und dessen Inhalt SPIEGEL ONLINE aus eingeweihten Kreisen bestätigt wurde.

"Es ist das Streben nach einem übertriebenen, teilweise maßlosen Luxus zu erkennen, der jegliches Kostenbewusstsein vermissen ließ", heißt es in dem internen Papier. Schon die Fassade des Gebäudes habe "gewaltige Mehrkosten" verursacht. Ihr Preis sei innerhalb von drei Monaten von 28,7 auf 65,3 Millionen Euro gestiegen, vermutlich aus Inkompetenz. "Man hatte offenbar nicht mal eine grobe Vorstellung von der Größenordnung", heißt es in dem Bericht.

Hinzu sei Maßlosigkeit bei der Ausstattung gekommen. So sei eine weltweit einzigartige Rolltreppe mit einer sogenannten konvexen Krümmung geordert worden, die rund drei Millionen Euro mehr koste als ein herkömmliches Modell.

Selbst bei der Ausstattung der Toiletten regierte zwischenzeitlich die Maßlosigkeit. So seien unter anderem Klobürsten für 291,97 Euro das Stück, Handtuchspender für 957 Euro, Klorollen-Halter für 651,06 Euro und Papierkörbe für 273,95 Euro bemustert worden. Immerhin hier kamen die Planer zur Vernunft. Letztlich seien weit günstigere Varianten bestellt worden, sagt Dirk Große-Leege, Geschäftsführer bei Cardo Communications, ein Verantwortlicher für die Öffentlichkeitsarbeit des Projekts. Die Toilettenbürsten etwa hätten letztlich 41,95 Euro das Stück gekostet.

Weitere Kritikpunkte könnten bald hinzukommen. Der Untersuchungsausschuss analysierte für den derzeitigen Entwurf zunächst nur die Kostensteigerungen zwischen 2004 und 2008. Eine zweite Version der Abschlussberichts soll Ende des Jahres veröffentlicht werden. In diesem sollen gegebenenfalls einige Punkte aus dem ersten Bericht präzisiert werden.

Die Baukosten für die Elbphilharmonie waren in den vergangenen Jahren ins Unermessliche gestiegen. Aus den anfangs geplanten 77 Millionen Euro sind mittlerweile 789 Millionen Euro geworden. Berappen muss diese der Steuerzahler.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version dieses Artikels hieß es, es seien Klobürsten im Wert von 291,97 Euro das Stück für die Elbphilharmonie bestellt worden. Das ist nicht korrekt. Tatsächlich wurden entsprechende Waren nur bemustert.

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insgesamt 61 Beiträge
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1. Typisch Hamburg
xmascracker 18.11.2013
Erst erklären, dass das Vorhaben billig wird und am Ende muss man doch viel mehr bezahlen!!
2. typisch bild
pefete 18.11.2013
information gleich null. gilt der preis pro stück, oder für alle zusammen? wieviel sind gekauft worden, für welchen stückpreis?
3.
F.S. 18.11.2013
Bis Dato 789 Millionen € ... Da muss man sich schon gewaltig Mühe geben um so einen hohen Betrag zu verschwenden. Würde mich ja mal interessieren wer sich da alles die Taschen voll gemacht hat.
4. 50% Provision mindestens!
sir wilfried 18.11.2013
Zitat von sysopDPAInkompetenz und Prasserei haben den Bau der Elbphilharmonie unnötig teuer gemacht. Laut einem Papier des Untersuchungsausschusses verursachten architektonische Fehleinschätzungen Millionenkosten. Hinzu kam schockierende Maßlosigkeit - selbst bei der Ausstattung der Toiletten. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/elbphilharmonie-bestellt-klobuersten-fuer-292-euro-a-934167.html
Wenn derjenige, der diese Klobürste abnickt, weniger als 146,- € "Beraterhonorar" o.ä. einstreicht, ist er ein Anfänger.
5. Ppp
braman 18.11.2013
Die Elbphilharmonie, immer ein gutes Beispiel. Wofür? Ja wofür eigentlich? Anfangs wurde dieses Projekt als "Leuchtturmprojekt" für ein gelungenes Beispiel von Öffentlich-Privater-Partnerschaft gefeiert. Da ja "Privat" IMMER besser ist wie kommunal oder staatlich, nur die Privaten können mit Geld umgehen usw. . Je mehr die Kosten aus dem Ruder liefen desto weniger wurde das ÖPP Konzept erwähnt bis am Ende nur noch die Stadt Hamburg als Bauherr übrig blieb und z.B. der (vom industriellen Mittelstand kontrollierte) 'Bund der Steuerzahler' das Projekt entdeckte um (zurecht)die Verschwendung von Steuergeldern an zu prangern. Leider vergaß der BdS dabei zu erwähnen, das ja die private Seite (Hoch-Tief als Generalunternehmer) für die Kosteneinhaltung verantwortlich ist. Eins von vielen Beispielen wo der Staat oder die Kommunen über den Tisch gezogen wurden zu Lasten der Steuerzahler und zum Wohle der Aktionäre. MfG: M.B.
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