Hotels und Restaurants setzen auf E-Ladestationen Ein Doppelzimmer und volltanken, bitte!

Wer mit dem Elektroauto nicht liegen bleiben will, braucht ein gutes Netz aus Ladestationen. Doch der Staat kommt mit dem Ausbau kaum voran. Hotels und Restaurants nehmen das Problem nun selbst in die Hand.

Ein BMW i3 steht an einer Elektrotankstelle in Magdeburg.
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Ein BMW i3 steht an einer Elektrotankstelle in Magdeburg.

Von Dominik Reintjes


Vor zehn Jahren kündigte die damalige Bundesregierung an, bis 2020 eine Million Elektroautos auf die deutschen Straßen zu bringen. Anfang 2018 fehlten davon noch 946.139.

Ein Grund dafür, dass die Elektromobilität in Deutschland nicht schnell genug auf die Straße kommt, ist die unzureichende Ausstattung mit Ladestationen - ein Problem, bei dem Hotels und Restaurants zumindest ein bisschen Abhilfe schaffen wollen. Einige von ihnen bieten ihren Gästen eigene Ladestationen für Elektroautos an. Kann das helfen?

8.666 Ladestationen mit insgesamt 25.830 Anschlüssen gibt es für die Fahrer von Elektroautos zurzeit in Deutschland. Anfang 2018 kamen etwa 2,13 Elektroautos auf einen Anschluss. Das klingt erst einmal nicht so rückständig, wie die Ladesituation oft empfunden wird - schließlich müssen nicht alle Elektroautos gleichzeitig geladen werden.

Allerdings ist nicht jeder Anschluss öffentlich zugänglich. Auf den Parkplätzen und in den Tiefgaragen von Hotels oder Restaurants befinden sich 9,7 Prozent der gesamten deutschen Ladestationen. Der deutsche Hotel- und Gaststättenverband hat eine Mitgliederumfrage unter 700 Hoteliers und Gastronomen durchgeführt: Jeder fünfte Betrieb verfügt demnach bereits über eine Lademöglichkeit für Elektroautos und etwa ein Drittel der Betriebe plant, eine Ladestation zu installieren.

Das Kölner PhiLeRo-Hotel etwa bietet den Gästen seit Februar 2017 drei Ladestationen für Elektroautos an. Tesla, der amerikanische Pionier in der Elektroautobranche, stellt die Ladestationen zur Verfügung, dafür tanken Tesla-Fahrer dort kostenlos. Fahrer von Elektroautos anderer Hersteller zahlen eine Pauschale von zehn Euro für den Ladevorgang.

"Die Ladestationen sind zwar regelmäßig in Benutzung, aber es könnten gerne mehr Autos an ihnen laden", sagt der Geschäftsführer des PhiLeRo-Hotels, Thorsten Becks. "Wir stehen in Deutschland bei der Förderung von Elektromobilität eben noch ziemlich am Anfang."

Durch die Ladesäulen erhofft sich Becks einen Wettbewerbsvorteil: Er will seinen Gästen etwas bieten, das anderswo noch nicht zur Ausstattung gehört.

Das PhiLeRo-Hotel ist seit zwei Jahren privat geführt, vorher gehörte es zur Hotelkette Best Western. Da die Anschaffung eines Elektroautos heutzutage noch nicht für alle Autofahrer erschwinglich sei, seien gerade Häuser mit betuchteren Gästen gefordert, eine Lademöglichkeit anzubieten, sagt Becks. Ein solches Haus ist das Edelrestaurant Tantris im Münchner Stadtteil Schwabing, das mit zwei Michelin-Sternen ausgezeichnet ist.

Das Restaurant bietet den Gästen einen Chauffeurservice an. Der zugehörige Wagen ist keine Limousine von Mercedes oder Audi, sondern ein elektrisch angetriebener Tesla. Für diesen, aber auch für die Fahrzeuge der Gäste, hat das Restaurant zwei Ladestationen auf dem Parkplatz. Eine davon entstand ebenfalls aus einer Kooperation mit Tesla. Die andere Ladestation hat das Restaurant bereits 2015 beim deutschen Hersteller Mennekes gekauft. Das Aufladen ist an den beiden Stationen für Gäste gratis - das Tantris trägt die kompletten Stromkosten.

Auch die beiden Ladestationen des Tantris seien zwar immer gut besetzt, "aber nicht vergleichbar mit der öffentlichen Ladestation in der Nähe des Restaurants: Da stehen rund um die Uhr Elektroautos, die meisten von Carsharing-Anbietern", sagt Restaurantleiter Boris Häbel. Gerade für Carsharing- oder Taxiflotten, die tagtäglich viele Kilometer fahren, seien die öffentlichen Ladestationen wichtiger, räumt Häbel ein. "Dennoch tragen wir unseren kleinen Teil zur Luftverbesserung bei, wenn jeden Tag ein paar Gäste mit dem Elektroauto kommen."

Dieser "kleine Teil" könne andere Autofahrer aber nur vom Elektroauto überzeugen, wenn Bund, Länder und Kommunen mitzögen und eine entsprechende Infrastruktur bereitstellten.

Norwegen als Vorbild

Norwegen macht vor, wie es gehen könnte. Ähnlich wie Deutschland hat sich auch die Regierung in Oslo ein ambitioniertes Ziel gesetzt: Ab 2025 will man keine herkömmlich motorisierten Fahrzeuge mehr zulassen. Allerdings ist Norwegen bei der Förderung von Elektromobilität schon deutlich weiter: 2016 waren 28,76 Prozent der gesamten norwegischen Neuzulassungen Elektrofahrzeuge. In Deutschland waren es lediglich 0,73 Prozent.

Ein weiterer Unterschied ist die Verteilung der Ladestationen: Über die Hälfte befindet sich in Norwegen auf öffentlichen Straßen und ist somit für jedes Elektroauto zugänglich. Anders als hierzulande, wo nur etwa jede zehnte Ladestation an einer öffentlichen Straße steht.

Wenn Bund, Länder und Kommunen mit Unternehmen in Großstädten und ländlichen Regionen zusammenarbeiten würden, dann könnte hierzulande ein flächendeckenderes Netz aus Ladestationen entstehen. In Kombination mit den bestehenden Subventionen und Förderungen für Unternehmen und Privatpersonen wäre der Weg für neue deutsche Ziele frei: zum Beispiel eine Million Elektroautos als Plan für 2030.



insgesamt 31 Beiträge
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piper.arrowii 06.03.2018
1. Einheitliche Stecker, einheitliches Bezahlen mit EC oder Kreditkarte
gehören auch zu den Dingen die sich der E-Autofahrer wünscht.
dollenschmiere 06.03.2018
2. immer wieder Norwegen
mir würde es schon reichen, wenn Dänemark oder Schweden als Vorbilder herhalten. Was hier in Deutschland in Pressemedien diskutiert wird ist dort doch schon längst selbstverständlich. Und das alles ohne große Aufregung
C-Hochwald 06.03.2018
3. Gab es schon mal
Berta Benz mußte bei ihrem legendären und verfilmten ersten dokumentierten Autoausflug von Ladenburg nach Heidelberg auch Alkohol in der Apotheke kaufen, um weiterfahren zu können. Neues automobiles Zeitalter = neue Lösungen. Denkbar wäre es auch, Mitarbeiterparkplätze mit Elektroladesäulen zu bestücken. Schlau wäre es, den Strom auf den Werksgeländen mittels Fotovoltaik oder kleinen Windrädern selbst zu erzeugen. Würde auch in Privathaushalten technisch möglich sein. Blöd nur, wenn der Finanzminister Stromzähler einbauen läßt, um die Eigenproduktion zu besteuern. Denn die wegfallenden Benzin- und Dieselsteuern müssen ja kompensiert werden.
hisch88 06.03.2018
4. Der Ausbau kommt kaum voran
Die Unverschämtheit ist doch am Ausbau des Netzes, dass das nicht die E-Automobilisten bezahlen müssen, sondern die gesamte Bevölkerung über deutlich steigende Strompreise.
Theya 06.03.2018
5. Au, fein!
Die Fußgänger und Fahrradfahrer unter den Gästen freuen sich sicherlich auch schon auf die dann bald höheren Preise.
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