Eli Lilly Weiterer Pharmakonzern soll chinesische Ärzte bestochen haben

In China häufen sich die Berichte über angebliche Bestechungen durch westliche Pharmakonzerne. Nun gerät der US-Pharmakonzern Eli Lilly ins Visier. Eine chinesische Zeitung berichtet, illegale Zahlungen seien dort weit verbreitet.

Korruptionsverdacht in China: Die Eli-Lilly-Zentrale in Indianapolis
AP

Korruptionsverdacht in China: Die Eli-Lilly-Zentrale in Indianapolis


Peking - Erst gab es Vorwürfe gegen Glaxo-Smith-Kline, Novo Nordisk und Sanofi, nun sieht sieht ein weiterer internationaler Pharmakonzern mit Korruptionsvorwürfen konfrontiert: Das US-Unternehmen Eli Lilly hat laut der chinesischen Zeitung "21st Century Business Herald", im großen Stil Mediziner bestochen. Zwischen 2011 und 2012 zahlte das Unternehmen demnach rund 30 Millionen Yuan (3,6 Millionen Euro) an Ärzte, damit diese die Medikamente Lillys verschreiben.

Der "Business Herald" zitiert einen früheren Manager des Unternehmens, der sich Wang Wei nennt. Er erklärte, derartige illegale Zahlungen erfolgten bereits über eine längere Zeit und seien zudem im umkämpften chinesischen Markt weit verbreitet. Geld an Ärzte sei in Shanghai und der benachbarten Provinz Anhui geflossen, zumeist für die Verschreibung von Insulinpräparaten Lillys, berichtet Wang Wei. "Was wir getan haben war genauso schlimm wie bei Glaxo-Smith-Kline".

Der Konzern sei sehr betroffen von den Vorwürfen, sagte eine Eli-Lilly-Sprecherin. Dem Unternehmen sei zwar nicht bekannt, dass die chinesischen Behörden oder die Kriminalpolizei gegen das Unternehmen ermitteln, wie es in dem Artikel der Zeitung berichtet wird. Dennoch nehme man die Anschuldigungen ernst und werde die Vorgänge prüfen. Falls diese zuträfen, widerspräche eine solche Praxis den Werten und Grundsätzen des Konzerns.

Damit zieht die Affäre um angebliche Bestechung durch westliche Pharmakonzerne in China immer weitere Kreise. Auch frühere Ermittlungen wurden dabei durch Berichte des "21st Century Business Herald" in Gang gebracht. Anfang August berichtete das Wirtschaftsmagazin aus der südchinesischen Metropole Guangzhou, der französische Pharmakonzern Sanofi Chart zeigen habe bis Ende 2007 insgesamt 503 Ärzte in 79 Krankenhäusern in Peking, Shanghai, Guangzhou und Hangzhou bestochen. Dabei sollen rund 207.000 Euro Schmiergeld geflossen sein.

Bereits Mitte Juli war bekannt geworden, dass die chinesischen Behörden wegen Korruptionsverdacht gegen das britische UnternehmenGlaxo-Smith-Kline (GSK) Chart zeigen ermitteln. Mittlerweile wurden vier GSK-Mitarbeiter verhaftet, weil sie über Reisebüros Bestechungsgelder an Ärzte geschleust haben sollen.

Laut den chinesischen Ermittlern sollen die Mitarbeiter des Unternehmens seit 2007 knapp eine halbe Milliarde Dollar an Reisebüros überwiesen haben, welche die Schmiergeldzahlungen an Ärzte weiterleiteten. Der Konzern bedauert die Vorfälle. Man sei zutiefst beunruhigt und enttäuscht aufgrund der schweren Vorwürfe und des ethischen Fehlverhaltens einzelner Unternehmensmitarbeiter und einiger Dienstleister in China. GSK kündigte an, in "vollem Umfang" mit den chinesischen Behörden zusammenarbeiten zu wollen.

Ein gutes Verhältnis zu China ist für westliche Pharmakonzerne viel wert: Bis 2016, so schätzen Experten, wird der chinesische Pharmamarkt der zweitgrößte der Welt sein, direkt nach den USA.

nik/Reuters/AP



insgesamt 11 Beiträge
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firenafirena 23.08.2013
1. Riesen Sauerei
Genau durch solche Praktiken wird der Ruf einer gesamten Unternehmenssparte in Verruf gebracht, und das auch noch zu Recht. Mit der Folge, dass bei jedem Aufkommen eines medizinischen Präparates - und sei es auch noch so sinnvoll - reflexartig Satzbausteine wie "raffgierige Pharmaindustrie" hervor gewürgt werden. Nur - wie kann man solche Vorwürfe dann noch entkräften? Selbst mit den vielen Vorgängen, Forschungsbestrebungen, Entwicklungen, die am Ende eines Produktionsprozesses und selbstverständlich auch nach Bezahlung aller Beteiligten der Gesundheit der Menschen zugute kommen. Der blöde Beigeschmack bleibt und lässt sich kaum entkräften - schon gar nicht von Personen, denen eine "pro Pharma" - Haltung je nachdem vorgeworfen oder zumindest bescheinigt wird. Jeder Konzern sollte in der Lage sein, durch die Qualität seiner Produkte zu überzeugen, gerne auch durch geschicktes Marketing, Service oder sonstige legale Maßnahmen. Bestechung von Medizinern ist ein Armutszeugnis sondergleichen -von den Firmen und den Medizinern!
rambo-1950 23.08.2013
2. Empfinde Sympathie für das
chinesische Vorgehen!!! Die reden nicht NUR - NEIN die sind in ihren Ausführungen konsequent. Genau das was in westlichen Staaten fehlt. Wäre zu wünschen, dass sie bei ihrer Strategie bleiben, immerhin scheuen sie sich auch nicht vor hohen, korrupten Parteifunktionären.........!
geckox 23.08.2013
3. Na ja !
In Deutschland leider Straffrei und UN-Konvention gegen Korruption noch immer nicht ratifiziert .
fatherted98 23.08.2013
4. Bei uns...
...ist das doch erlaubt!....Sprich der Pharmavertreter kann dem Arzt über Beraterhonorare soviel Geld zuschustern wie er für richtig hält....und der Doc verschreibt dann das entsprechende Präparat....alles ganz legal in Deutschland....
MoorGraf 23.08.2013
5. eine halbe MILLIARDE an Bestechungsgeldern?
und das von 4 Mitarbeitern? das geht über die in D üblichen Doktorbespaßungen in schöne Hotels zur "Weiterbildung" oder "Kongressen in Strandnähe" deutlich hinaus... und neben den 4 GSK Mitarbeitern werden weitere unterwegs sein: fällt eine halbe Milliarde bei GSK nicht irgendwie auf? oder gibt es da offizielle Kostenstellen, über die solche Aufwände verbucht werden können? ich bin mehr als erstaunt!
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