Elektroautopionier Tesla-Aktie schießt trotz Rekordverlust in die Höhe

So positiv werden Verlustmeldungen selten an der Börse aufgenommen: Trotz des größten Verlustes der Firmengeschichte sind Tesla-Investoren zufrieden. Grund sind zarte Fortschritte beim Bau des Hoffnungsträgers Model 3.

JUSTIN LANE/ EPA-EFE/ REX/ Shutterstock

Der Aktienkurs des Elektropioniers Tesla ist nachbörslich um mehr als neun Prozent gestiegen. Grund sind die aktuellen Quartalszahlen, die der Unternehmensgründer Elon Musk verkündet hat. Unter dem Strich stand zwar mit einem Minus von 718 Millionen in den vergangenen drei Monaten der größte Verlust der bisherigen Unternehmensgeschichte.

Zugleich nährte Musk aber auch Hoffnungen, bald die Gewinnzone zu erreichen. Bis Ende August werde man voraussichtlich 6000 Fahrzeuge vom Typ Model 3 in der Woche montieren, teilte das US-Unternehmen am Mittwoch mit. Ziel sei weiter, so schnell wie möglich auf 10.000 zu kommen. An der Börse kamen die Pläne gut an: Obwohl der Verlust mit 718 Millionen Dollar im zweiten Quartal so hoch war wie nie zuvor, stieg der Kurs der Aktie im nachbörslichen Handel zwischenzeitlich um bis zu elf Prozent.

"Wir mögen den zurückhaltenden Ton"

Konzernchef Musk steht wegen der Produktionszahlen des Model 3 unter großem Druck. Bei dem Projekt hat es seit dem vergangenen Jahr immer wieder Rückschläge gegeben. Tesla räumte ein, dass das Produktionsziel von 10.000 Fahrzeugen pro Woche möglicherweise nicht vor dem kommenden Jahr erreicht werden könne.

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Bei Analysten kam das gut an: "Wir mögen den zurückhaltenden Ton im Ausblick des Unternehmens, vor allem, dass unnötige überzogene neue Ziele fehlen", sagte CFRA-Analyst Efraim Levy. "Vielleicht spiegelt das einen vorsichtigeren Elon Musk wieder." Musk entschuldigte sich mehrfach bei den Analysten für sein Verhalten in der Vergangenheit. Bei der Vorlage der Zahlen zum ersten Quartal hatte er noch erklärt, er lehne es ab, auf "langweilige" Fragen zu antworten.

Im abgelaufenen zweiten Quartal war der Verlust mehr als doppelt so hoch wie vor Jahresfrist. Der Umsatz stieg zugleich auf vier Milliarden Dollar von 2,79 Milliarden Dollar. Tesla schraubte seine Investitionen herunter und baute Personal ab. Zum Ende des Quartals hatte das Unternehmen noch 2,78 Milliarden Dollar an Barreserven. Einige Analysten hatten die Frage aufgeworfen, ob der Elektroautopionier frisches Geld aufnehmen müsse. Musk erklärte dagegen, er gehe davon aus, dass das Unternehmen von nun an profitabel sei. Er habe keine Pläne, frisches Geld aufzunehmen.

Kommt Tesla nach Deutschland?

Zugleich legte das Unternehmen Details zu seiner Expansionsstrategie vor. Noch in diesem Jahr werde wahrscheinlich der Standort füreine europäische Fabrik bekannt gegeben. Neben dem Saarland, Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg bringt sich dabei auch Bayern ins Spiel. Als möglichen Standort nannte die bayerische Staatsregierung in der "Süddeutschen Zeitung" das nordbayerische Hof.

Auch die Niederlande werben um Tesla. Im kommenden Jahr soll zudem ein Werk in China auf den Weg gebracht werden. Die dafür nötigen etwa zwei Milliarden Dollar will Tesla vor Ort aufnehmen. In dem Werk in Shanghai sollen sowohl Fahrzeuge als auch Batterien produziert werden.

beb/Reuters

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