Offenbar doch Liquiditätsprobleme Tesla bettelt Zulieferer um Geld an

Wie ernst ist die Lage beim E-Auto-Pionier Tesla? Nach Produktionsproblemen berichten US-Medien nun über mögliche Liquiditätsengpässe: Der Konzern bittet offenbar Lieferanten, Rechnungen nachträglich nach unten zu korrigieren.

Es sieht nicht gut aus für Tesla-Chef Elon Musk
Mark Brake/Getty Images

Es sieht nicht gut aus für Tesla-Chef Elon Musk

Von manager-magazin.de-Redakteurin Christina Kyriasoglou


Der US-amerikanische Autobauer Tesla hat seine Zulieferer darum gebeten, Geld zurückzuzahlen - aus Rechnungen der Firmen, die Tesla bereits beglichen hat. Dabei geht es um Aufträge, die bis in das Jahr 2016 zurückreichen, berichtet das "Wall Street Journal".

Demnach erklärt Tesla in dem Anschreiben an die Zulieferer, dies sei wesentlich, um den Betrieb weiterzuführen. Die Rückzahlungen seien ein Investment in das Unternehmen, welches das gemeinsame Wachstum vorantreiben würde.

In der Vergangenheit hat Tesla stets Liquiditätsprobleme bestritten. Tatsächlich wirft der Vorfall aber kein gutes Licht auf die Lage der Firma. Das Unternehmen hat seit einiger Zeit mit massiven Produktionsproblemen für sein Model 3 zu kämpfen. Das hat einen Teil der Cash-Reserven des Unternehmens gefressen, zu wenig Geld wurde durch Verkäufe in die Kassen gespült.

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Elektromobilität: Tesla ringt mit der Großserie

Die Nachricht kommt bei Investoren schlecht an und setzte Tesla an der Börse unter Druck. Der Aktienkurs des E-Autobauers verlor mehr als vier Prozent.

Wie die auf Wirtschaftsthemen spezialisierte Nachrichtenagentur Bloomberg kürzlich errechnete, verlor Tesla im ersten Quartal gar 7430 Dollar pro Minute. Von Januar bis Ende März hatte das Unternehmen also einen negativen Cashflow von mehr als einer Milliarde Dollar. Seit einiger Zeit fragen sich Analysten deshalb, ob Tesla noch in diesem Jahr das Geld ausgehen könnte. Ein Bericht der Investmentbank Goldman Sachs prognostizierte, der Autobauer könne bis 2020 sogar bis zu 10 Milliarden Dollar frisches Kapital benötigen.

"Tesla ist verzweifelt"

Das Unternehmen hat gegenüber dem "Wall Street Journal" bestätigt, dass man Preisnachlässe von Zulieferern erbeten habe und es dabei sowohl um aktuelle als auch um vergangene Projekte gehe. Laut Tesla sei das ein übliches Vorgehen bei den Verhandlungen zu Auftragsvergaben, um wettbewerbsfähig zu bleiben.

Der Schritt widerspricht aber Musks eigenen Ankündigungen. Der CEO hatte erst im Mai verlauten lassen, dass Tesla in diesem Jahr kein frisches Eigenkapital oder neue Schulden aufnehmen werde. Die üblichen Kredite und das Einkommen aus den steigenden Verkaufszahlen würden ausreichen, um den Liquiditätsbedarf zu decken. Im zweiten Halbjahr 2018 wolle man außerdem Gewinne schreiben.

"Es ist einfach lächerlich", kommentiert ein Automobilexperte im "Wall Street Journal" Teslas Bitte. Es zeige, "dass Tesla gerade verzweifelt ist".

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Elon Musks Visionen: Tesla, Trips zum Mars und Tunnelbohrer
insgesamt 119 Beiträge
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cup01 23.07.2018
1. War doch klar
Ich glaube weder an die verwendete Technik noch an Musk. Im Grunde staune ich darüber, dass er Tesla nicht schon längst verkauft hat. Nun ist der Drops gelutscht, nun geht es ans Eingemachte.
ray8 23.07.2018
2. niedlich
Musk führt sein Unternehmen mit 40.000 Arbeitern noch immer wie eine Hinterhof-Werkstatt. Irre, was er schon an Geld verbrannt hat und was noch weiterhin in den Ofen geht. Und dabei kaum an Arroganz zu überbieten.
53er 23.07.2018
3. Die Entzauberung
des Mythos Musk und Tesla hat bereits vor einiger Zeit begonnen. Musk ist ein Mensch, kein Technik-Gott. Wenn schon Wissenschaftler ihre Ergebnisse unter zwielichtigen Bedingungen veröffentlichen müssen, damit noch etwas Hype generiert wird, dann wird klar, dass nicht das Ergebnis das Ziel ist, sondern der Hype. Angesteckt von den Visionen produziert an den Börsen will die Wissenschaft und Industrie nicht klein bei geben und ebenfals Visionen produzieren. Dass daneben auch eine gehörige Portion Realität produziert werden muss wird immer häufiger vergessen. An der Börse fällt nicht weiter auf, wenn statt Visionen nur heiße Luft produziert wird, es stehen jeden Tag genügend Dumme auf, die an solche Art Visionen glauben. Aber Industrie und Wissenschaft müssen irgendwann liefern. Bei Musk verstärkt sich immer mehr der Eindruck, dass er bald selbst geliefert ist. Seine Probleme bei der "Massenproduktion" des "Billigmodells", die Probleme mit einigen Mitarbeitern, die unter Spionageverdacht stehen, die völlig unsinnige Einmischung bei der Rettung der Eingeschlossenen der höhle in Thailand und nun diese Meldung lassen darauf schliessen, dass im Hause Tesla der Elektrowurm tobt. Musk ist sehr von sich eingenommen, er sollte daran denken, dass seine bisherige Karriere nicht nur auf Können beruht, sonder auf einer ganzen Menge Glück und, ja, auch Rücksichtslosigkeit. Wenn ihm diese Erkenntnis vielleicht irgendwann kommen sollte,dann könnte seien Karriere noch eine Wendung efahren, ansonsten sehe ich eine steile Treppe nach unten.
Medienkritiker 23.07.2018
4. Nun ja...
dieser Schritt bestätigt, dass Tesla nicht in der Lage ist, ein Auto für breitere Bevölkerungsschichten zu bauen. Das Model 3, in der Basisversion als Auto für den "kleineren Geldbeutel" angepriesen, erweist sich als fatal-illusionäre Luftnummer. Es bleibt abzuwarten was geschieht, wenn die hunderttausenden enttäuschten Vorbesteller ihr vorab bezahltes Geld zurückfordern...
spon_1980133 23.07.2018
5. Insider
Zitat von ray8Musk führt sein Unternehmen mit 40.000 Arbeitern noch immer wie eine Hinterhof-Werkstatt. Irre, was er schon an Geld verbrannt hat und was noch weiterhin in den Ofen geht. Und dabei kaum an Arroganz zu überbieten.
Wirklich interressant Ihr Insiderbericht. Solches Wissen aus erster Hand über die Führungseigenschaften und die buchhalterischen Details der Firma Tesla sollten Sie aber schon mit ein paar Fakten untermauern können.
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