Karrierefrauen in der Autobranche Die Männerbastion bröckelt

GM holt mit Mary Barra erstmals eine Frau an die Konzernspitze, doch wie sieht es in Deutschlands Autoindustrie aus? Das sind die mächtigsten Frauen der Branche.

Smart-Chefin Winkler: Ausnahmetalent der deutschen Autoindustrie

Smart-Chefin Winkler: Ausnahmetalent der deutschen Autoindustrie

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Das Magazin "Forbes" führt sie auf der Liste der weltweit einflussreichsten Frauen auf Platz 35, weit hinter Konzernchefinnen wie Sheryl Sandberg (Facebook), Virginia Rometti (IBM) oder Meg Whitman (Hewlett-Packard). Doch mit der nächsten Aktualisierung dürfte Mary Barra ein gutes Stück näher an die Spitze heranrücken. Denn mit Beginn des kommenden Jahres übernimmt die bald 52-Jährige die Führung des Autobauers General Motors, der einer der einflussreichsten und größten Konzerne der Welt ist.

Besonders bemerkenswert ist Barras Aufstieg, weil sie sich in einer Branche durchgesetzt hat, die noch immer als Männerbastion gilt. Frauen sind hier noch seltener auf einflussreichen Posten, als anderswo in der Wirtschaft. Und die wenigen, die es geschafft haben, verantworten oft die Themenbereiche, die in der konzerninternen Hierarchie eher weiter unten angesiedelt sind.

Auch in Deutschland gibt es ein paar Ausnahmetalente, die die Geschicke der Autoindustrie mitbestimmen. Sie agieren oft im Hintergrund und überlassen ihren männlichen Kollegen die große Bühne. Macht und Einfluss haben sie trotzdem.

Klicken Sie auf die Bilder, um sich die Elite der Automanagerinnen anzusehen:

Die mächtigsten Frauen der Autoindustrie

Hildegard Wortmann, Bereichsleiterin bei BMW

BMW

Im vergangenen Jahr zählte die 47-Jährige bereits zum Kreis der Kandidatinnen für einen Vorstandposten bei dem Münchner Autobauer BMW. Dann aber bekam Milagros Caiña Carreiro-Andree den Vorzug. Doch auch als Bereichsleiterin gilt Wortmann als Ausnahmeerscheinung bei BMW. Denn die Anzahl der Managerinnen ist hier noch geringer als in anderen Unternehmen.

Susanne Klatten, BMW, SGL-Carbon

AP

Die von ihrem Vater Herbert Quandt ererbten Milliarden nutzt Klatten, um in der Autoindustrie ein gewichtiges Wort mitzureden. Als Großaktionärin sitzt sie bei BMW im Aufsichtsrat und zieht dort im Hintergrund die Fäden. Bei SGL Carbon bestimmt sie die Geschicke von der Spitze des Aufsichtsrats aus. Der Grafitspezialist gilt als Hoffnungsträger für die Autoindustrie, mit ihm könnte das extrem leichte und feste Carbon Einzug in die Serienfertigung halten.

Ursula Piëch, Aufsichtsrätin VW

DPA

Sie ist die engste Vertraute des wohl mächtigsten Automanagers der Welt: Ferdinand Piëch. Doch man kann getrost davon ausgehen, dass sie als Volkswagen-Aufsichtsrätin die notwendigen Qualitäten mitbringt. Piëch gilt nicht als jemand, der Posten nach Sympathie verteilt. Für den genialen Ingenieur zählen eigentlich nur zwei Eigenschaften: Leistung und Loyalität.

Mary Barra, designierte Vorstandsvorsitzende General Motors

AP

Als Vorstandschefin spielt die 51-Jährige unter den Automanagerinnen eine Sonderrolle. Doch den Posten hat sie sich redlich verdient. Ihr gelang es, die verkrusteten Strukturen in der ehernen Bastion der Car Guys aufzubrechen und endlich in den Vordergrund zu rücken, um was es in einem Autokonzern geht: gute Autos zu bauen. Noch ist der Weg zwar weit, aber Barra könnte es schaffen, die Konkurrenz das Fürchten zu lehren.

Annette Winkler, Vorstandsvorsitzende Smart

Bevor die 53-Jährige bei Mercedes anheuerte, hatte sie bereits erste Meriten als Unternehmerin gesammelt. Ihre Karriere bei Daimler führte sie schließlich bis an die Spitze der Kleinstwagentochter Smart, die sie nicht zuletzt mit der Eroberung des Carsharing-Marktes nach vorn gebracht hat. Beim Entwurf der Mobilitätskonzepte für die Zukunft redet Winkler ein gewichtiges Wort mit.

Kati Najipoor-Schütte, Personalberaterin

Der Einfluss von Kati Najipoor-Schütte auf die Automobilindustrie ist eher indirekt, doch davon wird er nicht geringer. Die Maschinenbauingenieurin vermittelt bei der Personalberatung Egon Zehnder die Spitzenkräfte in der Branche. Wenn wichtige Posten verteilt werden, nimmt sie maßgeblichen Einfluss.

Elke Strathmann, Personalvorstand Continental

DPA

Die 55-jährige Mathematikerin ist die erste, die es in der 140-jährigen Geschichte des Autozulieferers und Reifenherstellers Continental in den Vorstand geschafft hat. Dabei musste sie sich als Quereinsteigerin gegen viele Skeptiker durchsetzen. Inzwischen ist es Berichten zufolge gelungen, die alten Strukturen aufzubrechen: Die – als männlich geltende – Manie, möglichst lange im Büro zu bleiben, um sein Engagement zu demonstrieren, ist bei Continental immer weniger zu beobachten.

Maria-Elisabeth Schaeffler, Großaktionärin Schaeffler-Gruppe

REUTERS

In den Mittelpunkt der Öffentlichkeit rückte die 73-Jährige mit der Übernahmeschlacht um Continental. Als alles schon in trockenen Tüchern schien, brach die Finanzkrise aus und machte das waghalsige Finanzierungskonzept zunichte. Immerhin konnte Schaeffler ihr Vermögen und ihren Einfluss retten. Der Draht zu Branchengrößen wie Ferdinand Piëch oder Bosch-Aufsichtsratschef Franz Fehrenbach ist eng.

Christine Hohmann-Dennhardt, Mitglied im Daimler-Vorstand

DPA

Die Juristin hatte im Prinzip schon alles erreicht, bevor sie überhaupt zu Daimler kam - als Richterin am Bundesverfassungsgericht oder Justiz- und Wissenschaftsministerin in Hessen. Im Daimler-Vorstand spielt die 63-Jährige eine besondere Rolle. Sie wacht darüber, dass die Daimler-Mitarbeiter alle Gesetze einhalten und alle Werte leben, für die der Konzern stehen will.

Birgit Behrendt, Einkaufschefin Ford

Ford

Die Macht von Birgit Behrendt lässt sich in Zahlen ausdrücken: Als Chefeinkäuferin von Ford wacht sie über einen Etat von mehr als 35 Milliarden Dollar. Die Managerin ist nicht nur die mächtigste Frau bei Ford - sie ist auch eine der wenigen Deutschen, die es in den USA nach ganz oben geschafft haben.

Karen Heumann, Partnerin bei der Werbeagentur Thjnk

DPA

Sie ist eine der erfolgreichsten Werberinnen in Deutschland und in ihrer Branche ein Superstar. Als einzige Frau hat sie es in den Vorstand einer Werbeagentur geschafft. Ihr Talent nutzt sie nicht zuletzt, um den Konzernbossen von Daimler und Co beim Verkauf ihrer Karossen zu helfen. Sie schafft es, Autos mit Emotionen aufzuladen, die perfektioniert sind bis ins Detail – und die in Deutschland viel von ihrem Wert als Statussymbol verloren haben. Ihre neue Agentur namens Thjnk, deren Partnerin sie seit gut einem Jahr ist, betreut mehrere Kampagnen für Audi.



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insgesamt 44 Beiträge
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Seite 1
LH526 12.12.2013
1.
Zitat von sysopBMWGM holt mit Mary Barra erstmals eine Frau an die Konzernspitze, doch wie sieht es in Deutschlands Autoindustrie aus? Das sind die mächtigsten Frauen der Branche. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/emanzipation-frauen-gewinnen-einfluss-in-der-autoindustrie-a-938540.html
Bisher konnte man solchen Frauen Respekt zollen ob deren Leistung und persönlichem Einsatz im Beruf. Da die Regierung die Frauenquote in DAX-Konzernen eingeführt hat, müssen sich solche Frauen in Zukunft von einer breiten Masse die Frage gefallen lassen, ob sie wohl nur aufgrund der Quote diesen Posten innehaben. Ein großer Schritt der Regierung, Frauen derart zu entwürdigen!
LK1 12.12.2013
2.
Zitat von sysopBMWGM holt mit Mary Barra erstmals eine Frau an die Konzernspitze, doch wie sieht es in Deutschlands Autoindustrie aus? Das sind die mächtigsten Frauen der Branche. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/emanzipation-frauen-gewinnen-einfluss-in-der-autoindustrie-a-938540.html
In der Tat, die Karriere der GM-Frau ist beeindruckend. Männer würden bei ähnlich schlechten Ergebnissen nicht so lange ihren Job behalten oder gar noch aufsteigen. ;-)
wrobel2 12.12.2013
3. Optional
Ich weiß jetzt schon mein persönliches Unwort 2014 ... Karrierefrau ! Ich kann es nicht mehr hören es scheint für beide Geschlechter nichts wichtigeres zugeben als Karriere und Macht ...
Dr.W.Drews 12.12.2013
4. Die Autoindustrie ist längst entzaubert
und seit einiger Zeit eine Industrier wie andere auch. Autos verlieren ihren Status als Kultobjekt und werden bessere Konsumgegenstände wie die Miele-Waschmaschine im Keller. Man freut sich wenn sie funktionieren und ansonsten haben sie keine Bedeutung. Und da sind Frauen nun mal die richtigen Manager wenn es um das praktische Alltags-Einkaufsauto geht.
Larry 12.12.2013
5. noch immer als Männerbastion
Die Welt, so wie sie ist, ist eine einzige Männerbastion. Frauen wie Ms. Sandberg oder Ms.Barra werden übrigens von Vorstände gewählt, die aus 95 % von Männern bestehen.
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