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Emirat in der Krise: Golfstaaten fürchten Folgen des Dubai-Schocks

Die Nachricht von massiven Geldproblemen des Emirats Dubai hat die Finanzmärkte weltweit tief ins Minus gerissen. Das Ende des Booms könnte fatale Folgen haben: Analysten warnen vor einem Übergreifen der Krise auf andere Golfstaaten - und einem globalen Dominoeffekt.

Dubai/Frankfurt am Main - Es war nur eine Bitte um Zahlungsaufschub, aber die Folgen sind nicht nur katastrophal, sondern auch global zu spüren: Die Geldnöte des einst boomenden Golfemirats Dubai haben am Donnerstag weltweit die Börsen auf Talfahrt geschickt. Der Deutsche Aktienindex Dax brach genau wie der FTSE 100 in London und der französische CAC 40 um mehr als drei Prozent ein. Auch die asiatischen Börsen schlossen deutlich schwächer. Der Index in Schanghai verzeichnete seinen höchsten Tagesverlust seit fast drei Monaten. Islamische Finanzprodukte in Asien fielen im Schnitt sogar um 15 Prozent.

Der Dax sackte bis zum Handelsschluss um 3,25 Prozent auf 5.614 Punkte ab und erlitt damit die heftigsten Kursverluste seit Wochen. Kein einziger Wert des Leitindexes konnte zulegen. Besonders litten die Anteilsscheine von Volkswagen Chart zeigen (minus 6,2 Prozent), an dem das Emirat Katar Anteile hält, und von Daimler Chart zeigen (-4,6 Prozent), an dem das Emirat Dubai beteiligt ist. Größter Verlierer des Tages waren Aktien der Deutschen Bank Chart zeigen, die um fast 6,4 Prozent nachgaben. Das größte deutsche Finanzinstitut ist offenbar stark in der Golfregion engagiert. Da die US-Börsen wegen des Feiertags "Thanksgiving" geschlossen blieben und auch keine Konjunkturdaten auf der Agenda standen, war der Handel aber ruhig. Allerdings gaben auch die Ölpreise deutlich nach.

"Die Nachrichten aus Dubai sind heute morgen wie aus heiterem Himmel gekommen", sagte der Frankfurter Händler Norbert Empting von der Schnigge Wertpapierhandelsbank. "Sie haben uns die Finanzkrise wieder in Erinnerung gerufen, die wir schon zur Seite geschoben hatten." Entsprechend schlecht sei die Stimmung am verunsicherten Markt, der wieder auf dem Boden der Tatsachen angekommen sei.

Staatsfonds hat fast 40 Milliarden Euro Schulden

Empting warnte davor, die Tragweite der Nachrichten zu unterschätzen: "Dubai hat bisher als eine der ersten Adressen gegolten - jetzt kommen alle Unternehmen wie etwa Daimler ins Gespräch, bei denen es Beteiligungen aus Nahost gibt." Auch internationale Analysten beurteilten das Ausmaß der Entwicklung ähnlich. "Das Schuldendebakel von Dubai und die daraus entstandene Unsicherheit hat einen starken Dominoeffekt gehabt", sagte David Buik von BCG Partners in London.

Dubai wurde vor einem Jahr am härtesten von allen Golfstaaten von der Finanzkrise gebeutelt. Inzwischen liegen Dutzende Bauprojekte in dem einstigen Boom-Staat auf Eis, und Gastarbeiter verließen in Massen das Land. Das staatseigene Konglomerat Dubai World und seine Immobilientochter Nakheel, die die berühmte künstliche Insel "Palm Jumeirah" baut, sind besonders stark betroffen.

Am Mittwoch hatte der mit etwa 60 Milliarden Dollar (knapp 40 Milliarden Euro) verschuldete Staatsfonds Dubai World seine Gläubiger um einen mindestens sechsmonatigen Zahlungsaufschub gebeten und damit die internationalen Finanzmärkte geschockt. Die Regierung des Emirats begründete die Bitte um Zahlungsaufschub mit einer notwendigen Restrukturierung des Fonds.

Experten fürchten Übergreifen auf andere Golfstaaten

Insgesamt hatte das Emirat 2008 Außenstände in Höhe von schätzungsweise 80 Milliarden Dollar. Nach Ansicht von Experten könnte es nun Jahrzehnte dauern, bis die Begeisterung der Investoren an Geschäften in und mit dem Wüstenstaat zurückkehrt. Denn bislang gingen Investoren und Analysten davon aus, dass Dubai seine hohen Schulden fristgemäß begleichen würde.

Fraglich ist nun, ob auch weitere Gläubiger der Firmenkonsortien des Emirats auf die Rückzahlung ihres Geldes werden warten müssen. Dubai muss im kommenden Jahr Schulden in Höhe von 13 Milliarden Dollar begleichen, 2011 sind es sogar 19,5 Milliarden Dollar. Nach Schätzungen der Schweizer Bank Crédit Suisse sind auch europäische Banken mit 13 Milliarden Euro in dem Golfstaat engagiert. Unter ihnen ist demnach auch die Deutsche Bank.

Was die Entwicklung Dubais besorgniserregend macht, ist die Tatsache, dass viele Investoren ein mögliches Übergreifen der Finanznöte auf andere Golfstaaten fürchten. Auch Dubais Ruf als Magnet für internationale Investitionen wurde erschüttert. In einer Einschätzung der Washingtoner Eurasia Group hieß es, falls Dubai World tatsächlich seine Zahlungen einstellen müsse, werde dies "sehr ernste negative Auswirkungen auf die Staatsverschuldung von Dubai, auf Dubai World und das Vertrauen in die Märkte in den gesamten Vereinigten Arabischen Emiraten haben".

böl/AP/AFP/dpa-AFX

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Forum - Weltweite Geld- und Schuldenpolitik – wie lange kann das gutgehen?
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1.
seniorita 21.11.2009
Zitat von sysopDie zur Eindämmung der weltweiten Wirtschaftskrise aufgelegten Konjunkturprogramme pumpen noch immer gewaltige Mengen Geld in den Wirtschaftskreislauf. Neue Schulden werden aufgenommen, um Wahlversprechen zu halten. Das hat zu einer neuen Spekulationsblase geführt. Was glauben Sie - steht die nächste Krise schon vor der Tür?
Das muss man nicht glauben, man sollte es wissen. Das Wort Krise ist eigentlich schon falsch, denn nach einer Krise könnte der Patient auch genesen - vorausgesetzt er wird richtig behandelt. Die richtige Fehlerbehandlung ist weit und breit nicht zu sehen, was das Finanzsystem angeht. Da wird nur an den Symptomen herumgedoktert und niemand will an die Ursachen ran. Davon erholt sich niemand. Und wenn die Ursache nicht behoben wird, dann geht es einfach immer nur in die gleiche Richtung. Noch mehr Arbeitslosigkeit, noch mehr Elend, noch mehr soziale Spannungen. Wir brauchen keine Scheinlösungen mehr. Oder Lösungen, die sich gut anhören. Oder Lösungen, die die Ursache beseitigen könnten. Wir brauchen ein Währung, d.h. stabile Preise. Nichts anderes hat Priorität in der Wirtschaft. Stabile Preise lösen zwar nicht alle Probleme, doch mit Inflation und Deflation werden wir so gut wie kein Problem gelöst bekommen. www.freiheitswerk.de
2.
Pinarello, 21.11.2009
Zitat von sysopDie zur Eindämmung der weltweiten Wirtschaftskrise aufgelegten Konjunkturprogramme pumpen noch immer gewaltige Mengen Geld in den Wirtschaftskreislauf. Neue Schulden werden aufgenommen, um Wahlversprechen zu halten. Das hat zu einer neuen Spekulationsblase geführt. Was glauben Sie - steht die nächste Krise schon vor der Tür?
Wieso vor der Tür, die Krise hat ja erst begonnen, das läuft wie eine Schneelawine, fängt klein, wird langsam immer größer bis die Größe erreicht ist, alles was im Wege steht platt- und niederzumachen. Merke: die Finanzkatastrophenlawine fängt erst an zu wachsen, wurde ja auch die letzten Jahre mehr als ausreichend Material auf dem Lawinenhang hingelegt. Alleine schon das absolute Unvermögen der Zentralbanken, trotz damaligem gegenteiligen Versprechen das in die Märkte geflutete Geld wieder einigermaßen herauszuholen spricht ja Bände, die Büchse der Pandorra wurde geöffnet und ist nicht mehr zu schließen. Das Grauen beginnt zu wirken, in Deutschland hat es schon die ganze Regierung ergriffen, Mangel, Not und Elend wo man hinsieht.
3.
seniorita 21.11.2009
Zitat von PinarelloWieso vor der Tür, die Krise hat ja erst begonnen, das läuft wie eine Schneelawine, fängt klein, wird langsam immer größer bis die Größe erreicht ist, alles was im Wege steht platt- und niederzumachen. Merke: die Finanzkatastrophenlawine fängt erst an zu wachsen, wurde ja auch die letzten Jahre mehr als ausreichend Material auf dem Lawinenhang hingelegt. Alleine schon das absolute Unvermögen der Zentralbanken, trotz damaligem gegenteiligen Versprechen das in die Märkte geflutete Geld wieder einigermaßen herauszuholen spricht ja Bände, die Büchse der Pandorra wurde geöffnet und ist nicht mehr zu schließen. Das Grauen beginnt zu wirken, in Deutschland hat es schon die ganze Regierung ergriffen, Mangel, Not und Elend wo man hinsieht.
Richtig, den Deckel bekommt keiner mehr drauf. Und immer noch stehen unsere Politiker und Wirtschaftsexperten da, und wollen uns weismachen, sie hätten einen Plan. Würde diese Lügerei aufhören und die Leute in "verantwortlichen" Positionen einfach mal zugeben, dass sie mit ihrem Latein am Ende sind, dann kämen wir vielleicht weiter. Scheint aber irgendwie nicht drin zu sein. www.freiheitswerk.de
4.
classico, 21.11.2009
Zitat von senioritaRichtig, den Deckel bekommt keiner mehr drauf. Und immer noch stehen unsere Politiker und Wirtschaftsexperten da, und wollen uns weismachen, sie hätten einen Plan. Würde diese Lügerei aufhören und die Leute in "verantwortlichen" Positionen einfach mal zugeben, dass sie mit ihrem Latein am Ende sind, dann kämen wir vielleicht weiter. Scheint aber irgendwie nicht drin zu sein. www.freiheitswerk.de
Wie kommen sie darauf.... Politiker hätten keinen Plan? ich sehe einen Plan, der besteht schon sehr lange in den Köpfen von Union und FDP. Mehr Freiheit und Eigenverantwortung... was da heißt, jeder ist für sich selbst verantwortlich. Abbau des Sozialstaates.... Rente und Krankenversicherung werden privatisiert ... die Pflegeversicherung folgt. Privatisierung aller Staatlichen Institutionen und Unternehmen werden verscherbelt. Damit fängt die Umsetzung des Planes an....
5.
seniorita 21.11.2009
Zitat von classicoWie kommen sie darauf.... Politiker hätten keinen Plan? ich sehe einen Plan, der besteht schon sehr lange in den Köpfen von Union und FDP. Mehr Freiheit und Eigenverantwortung... was da heißt, jeder ist für sich selbst verantwortlich. Abbau des Sozialstaates.... Rente und Krankenversicherung werden privatisiert ... die Pflegeversicherung folgt. Privatisierung aller Staatlichen Institutionen und Unternehmen werden verscherbelt. Damit fängt die Umsetzung des Planes an....
Das ist kein Plan, das ist eine Unverschämheit. In einem System, das immer mehr Menschen unterpflügt, vom Einzelnen zu fordern, es solle sich gefälligst mal um sich selbst sorgen. Nichts für eine Währung tun und dann, wenn es aber in die Deflation geht, anfangen von Selbstverantwortung zu reden. Das sind keine Politiker, die einen Plan haben, sondern korrumpierte Zeitgenossen, die nicht verstehen wollen, dass sie eben nur ein bisschen später unter die Räder kommen. www.freiheitswerk.de
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