Emirat in Finanznöten Dubai-Krise stürzt Asiens Börsen ins Minus

Die Zahlungsprobleme des Emirats Dubai halten die Weltbörsen in Atem: Die Märkte in Fernost schlossen durchweg mit Verlusten. Anleger fürchten die Rückkehr der Finanzkrise.


Tokio/Dubai - Die Nachricht von massiven Finanzierungsschwierigkeiten des Emirats Dubai reißt auch am Freitag weltweit Börsen in die Tiefe. In Tokio fiel der Nikkei-Index Chart zeigen bis Börsenschluss um 3,2 Prozent und sackte damit auf ein Vier-Monats-Tief. Der Hang Seng an der Börse in Hongkong fiel bis zum Börsenschluss um 4,9 Prozent. Die Kurse in Shanghai rutschten um rund ein Prozent ab. An der Börse von Seoul in Südkorea gab der Index Kospi um 4,7 Prozent nach.

Neben den Finanzproblemen des Emirats, das am Vortag bereits die europäischen Aktienmärkte massiv unter Druck gesetzt hatte, beunruhigte laut Händlern vor allem der feste Yen. Er sprang gegen den Dollar auf den höchsten Stand seit 14 Jahren - insbesondere für japanische Exporttitel eine deutliche Belastung.

Doch vor allem die Turbulenzen am Persischen Golf verstörten die Investoren. Am Mittwoch hatte der mit etwa 60 Milliarden Dollar (knapp 40 Milliarden Euro) verschuldete Staatsfonds Dubai World seine Gläubiger um einen mindestens sechsmonatigen Zahlungsaufschub gebeten - und damit die internationalen Finanzmärkte schockiert.

Betroffen sind die Kreditgeber des Staatsfonds Dubai World und Gläubiger der Immobilientochter Nakheel. Die Unternehmen bauen unter anderem die berühmten Palmeninseln vor der Küste von Dubai, die als Symbol des aufstrebenden Emirats gelten.

Emirat in Geldnöten

Die Regierung des Emirats begründete die Bitte um Zahlungsaufschub mit einer notwendigen Restrukturierung ihres Staatsfonds und des Immobilienunternehmens Nakheel. Das Konglomerat will seine Schulden nach Regierungsangaben nun erst ein halbes Jahr später, bis zum 30. Mai 2010, zurückzahlen. Nakheel hätte bis Dezember Schuldverschreibungen in Höhe von 3,5 Milliarden Dollar (2,3 Milliarden Euro) begleichen müssen.

Auch der deutsche Aktienmarkt startete am Freitag schwach. Der Dax Chart zeigen sackte um 1,3 Prozent ab, erholte sich aber zum Mittag wieder. Am Vortag hatte der deutsche Leitindex bereits 3,25 Prozent verloren. Die Märkte seien wegen der Zahlungsschwierigkeiten in Dubai aber auch wegen der fehlenden Vorgabe der feiertagsbedingt geschlossenen Wall Street abgerutscht, sagte ein Analyst. Vor dem Wochenende könnte diese Führungslosigkeit angesichts des nur halben Handelstags an der Wall Street und aufgrund fehlender anderer Nachrichten anhalten.

Auswirkungen haben die Nachrichten aus Dubai auch auf den Ölmarkt. An den asiatischen Rohstoffmärkten sank der Preis für ein Barrel (159 Liter) Rohöl am Freitag um 3,50 Dollar auf 74,46 Dollar. "Hauptfaktor für diesen Sturz sind offenbar die Ereignisse in Dubai", sagte der Ölpreisexperte der Beratungsfirma Fat Prophets in Sydney, Nick Raffan. "Die Leute bewerten auf einmal ihre Risikobereitschaft neu."

Dubais Geldprobleme stützen den Dollar

Nach einem Rekordpreis von 147 Dollar im Juli 2008 sind die Ölpreise bis zum Sommer dieses Jahres deutlich zurückgegangen. Seit etwa einem Monat verharrte der Wert dann auf einem Stand von etwas mehr als 76 Dollar.

Die Finanzierungsschwierigkeiten des Emirats haben sich auch auf den Euro-Kurs ausgewirkt. Die Währung ist am Freitag unter die Marke von 1,50 Dollar gesunken. Händler verwiesen angesichts des moderat stärkeren Dollar auf seinen Charakter als Reservewährung. Die Zahlungsschwierigkeiten des Golf-Staates hätten die US- Währung etwas gestützt.

Dubai wurde vor einem Jahr am härtesten von allen Golfstaaten von der Finanzkrise gebeutelt. Inzwischen liegen Dutzende Bauprojekte in dem einstigen Boom-Staat auf Eis, und Gastarbeiter verließen in Massen das Land. Insgesamt hatte das Emirat 2008 Außenstände in Höhe von schätzungsweise 80 Milliarden Dollar. Nach Ansicht von Experten könnte es nun Jahrzehnte dauern, bis die Begeisterung der Investoren an Geschäften in und mit dem Wüstenstaat zurückkehrt. Denn bislang gingen Investoren und Analysten davon aus, dass Dubai seine hohen Schulden fristgemäß begleichen würde.

fro/dpa-AFX/dpa/AFP/AP



insgesamt 1005 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
seniorita 21.11.2009
1.
Zitat von sysopDie zur Eindämmung der weltweiten Wirtschaftskrise aufgelegten Konjunkturprogramme pumpen noch immer gewaltige Mengen Geld in den Wirtschaftskreislauf. Neue Schulden werden aufgenommen, um Wahlversprechen zu halten. Das hat zu einer neuen Spekulationsblase geführt. Was glauben Sie - steht die nächste Krise schon vor der Tür?
Das muss man nicht glauben, man sollte es wissen. Das Wort Krise ist eigentlich schon falsch, denn nach einer Krise könnte der Patient auch genesen - vorausgesetzt er wird richtig behandelt. Die richtige Fehlerbehandlung ist weit und breit nicht zu sehen, was das Finanzsystem angeht. Da wird nur an den Symptomen herumgedoktert und niemand will an die Ursachen ran. Davon erholt sich niemand. Und wenn die Ursache nicht behoben wird, dann geht es einfach immer nur in die gleiche Richtung. Noch mehr Arbeitslosigkeit, noch mehr Elend, noch mehr soziale Spannungen. Wir brauchen keine Scheinlösungen mehr. Oder Lösungen, die sich gut anhören. Oder Lösungen, die die Ursache beseitigen könnten. Wir brauchen ein Währung, d.h. stabile Preise. Nichts anderes hat Priorität in der Wirtschaft. Stabile Preise lösen zwar nicht alle Probleme, doch mit Inflation und Deflation werden wir so gut wie kein Problem gelöst bekommen. www.freiheitswerk.de
Pinarello, 21.11.2009
2.
Zitat von sysopDie zur Eindämmung der weltweiten Wirtschaftskrise aufgelegten Konjunkturprogramme pumpen noch immer gewaltige Mengen Geld in den Wirtschaftskreislauf. Neue Schulden werden aufgenommen, um Wahlversprechen zu halten. Das hat zu einer neuen Spekulationsblase geführt. Was glauben Sie - steht die nächste Krise schon vor der Tür?
Wieso vor der Tür, die Krise hat ja erst begonnen, das läuft wie eine Schneelawine, fängt klein, wird langsam immer größer bis die Größe erreicht ist, alles was im Wege steht platt- und niederzumachen. Merke: die Finanzkatastrophenlawine fängt erst an zu wachsen, wurde ja auch die letzten Jahre mehr als ausreichend Material auf dem Lawinenhang hingelegt. Alleine schon das absolute Unvermögen der Zentralbanken, trotz damaligem gegenteiligen Versprechen das in die Märkte geflutete Geld wieder einigermaßen herauszuholen spricht ja Bände, die Büchse der Pandorra wurde geöffnet und ist nicht mehr zu schließen. Das Grauen beginnt zu wirken, in Deutschland hat es schon die ganze Regierung ergriffen, Mangel, Not und Elend wo man hinsieht.
seniorita 21.11.2009
3.
Zitat von PinarelloWieso vor der Tür, die Krise hat ja erst begonnen, das läuft wie eine Schneelawine, fängt klein, wird langsam immer größer bis die Größe erreicht ist, alles was im Wege steht platt- und niederzumachen. Merke: die Finanzkatastrophenlawine fängt erst an zu wachsen, wurde ja auch die letzten Jahre mehr als ausreichend Material auf dem Lawinenhang hingelegt. Alleine schon das absolute Unvermögen der Zentralbanken, trotz damaligem gegenteiligen Versprechen das in die Märkte geflutete Geld wieder einigermaßen herauszuholen spricht ja Bände, die Büchse der Pandorra wurde geöffnet und ist nicht mehr zu schließen. Das Grauen beginnt zu wirken, in Deutschland hat es schon die ganze Regierung ergriffen, Mangel, Not und Elend wo man hinsieht.
Richtig, den Deckel bekommt keiner mehr drauf. Und immer noch stehen unsere Politiker und Wirtschaftsexperten da, und wollen uns weismachen, sie hätten einen Plan. Würde diese Lügerei aufhören und die Leute in "verantwortlichen" Positionen einfach mal zugeben, dass sie mit ihrem Latein am Ende sind, dann kämen wir vielleicht weiter. Scheint aber irgendwie nicht drin zu sein. www.freiheitswerk.de
classico, 21.11.2009
4.
Zitat von senioritaRichtig, den Deckel bekommt keiner mehr drauf. Und immer noch stehen unsere Politiker und Wirtschaftsexperten da, und wollen uns weismachen, sie hätten einen Plan. Würde diese Lügerei aufhören und die Leute in "verantwortlichen" Positionen einfach mal zugeben, dass sie mit ihrem Latein am Ende sind, dann kämen wir vielleicht weiter. Scheint aber irgendwie nicht drin zu sein. www.freiheitswerk.de
Wie kommen sie darauf.... Politiker hätten keinen Plan? ich sehe einen Plan, der besteht schon sehr lange in den Köpfen von Union und FDP. Mehr Freiheit und Eigenverantwortung... was da heißt, jeder ist für sich selbst verantwortlich. Abbau des Sozialstaates.... Rente und Krankenversicherung werden privatisiert ... die Pflegeversicherung folgt. Privatisierung aller Staatlichen Institutionen und Unternehmen werden verscherbelt. Damit fängt die Umsetzung des Planes an....
seniorita 21.11.2009
5.
Zitat von classicoWie kommen sie darauf.... Politiker hätten keinen Plan? ich sehe einen Plan, der besteht schon sehr lange in den Köpfen von Union und FDP. Mehr Freiheit und Eigenverantwortung... was da heißt, jeder ist für sich selbst verantwortlich. Abbau des Sozialstaates.... Rente und Krankenversicherung werden privatisiert ... die Pflegeversicherung folgt. Privatisierung aller Staatlichen Institutionen und Unternehmen werden verscherbelt. Damit fängt die Umsetzung des Planes an....
Das ist kein Plan, das ist eine Unverschämheit. In einem System, das immer mehr Menschen unterpflügt, vom Einzelnen zu fordern, es solle sich gefälligst mal um sich selbst sorgen. Nichts für eine Währung tun und dann, wenn es aber in die Deflation geht, anfangen von Selbstverantwortung zu reden. Das sind keine Politiker, die einen Plan haben, sondern korrumpierte Zeitgenossen, die nicht verstehen wollen, dass sie eben nur ein bisschen später unter die Räder kommen. www.freiheitswerk.de
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.