Neuer Chef: EnBW soll Dienstleister für Energiewende werden
Ein Energieversorger "für das Lebensgefühl" - EnBW-Chef Frank Mastiaux will den drittgrößten deutschen Stromkonzern mit Dienstleistungen rund um die Energiewende wieder in die Gewinnzone bringen. Bei der Energiewende vermisst der Manager eine Strategie.
Karlsruhe - Die Energiewende hat den atomlastigen Stromkonzern EnBW
kalt erwischt, jetzt will der neue Konzernchef Frank Mastiaux von der Zukunft der deutschen Energieversorgung profitieren: Neben dem klassischen Strom- und Gasgeschäft soll der drittgrößte deutsche Energieversorger Geräte und Dienstleistungen anbieten, die bei Stromsparen und Stromerzeugung helfen: Als Beispiele nannte Mastiaux Programme und Geräte für Energieeffizienz und Vermarktungsservice für kleine Energieerzeuger. Vorbild sind für ihn Telekommunikationsunternehmen. "Sie verkaufen inzwischen Geräte für das Lebensgefühl."
Gutmenschentum ist das nicht: Mit Stromerzeugung in konventionellen Kraftwerken sei kaum noch Geld zu verdienen, sagte Mastiaux in seiner 100-Tage-Bilanz. Vor diesem Hintergrund sei auch das Abrutschen des Marktanteils von einst 13 auf unter neun Prozent zu bewerten. "Wir werden jeden Block im Blick auf seine Wirtschaftlichkeit prüfen", kündigte er an. Dabei dürfe nicht Versorgungssicherheit riskiert werden - "aber das muss sich auch rechnen". Mit dem Verkauf von Beteiligungen will EnBW eine Milliarde Euro einnehmen. Einen Verkauf der Billigmarke Yello schloss Mastiaux aber aus.
Am 1. März will der Konzern seine Jahreszahlen vorlegen. "Das Marktumfeld ist extrem herausfordernd", sagte Mastiaux. Trotz der Probleme wird erwartet, dass EnBW bereits wieder schwarze Zahlen schreibt.
Von der Politik forderte Mastiaux Änderungen an der Energiewende: Sie müsse ausgewählte Kraftwerke als "strategische Reserve" speziell fördern. Andernfalls sei der Betrieb vieler konventioneller Kraftwerke nicht wirtschaftlich. Das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) hält Mastiaux im Grundsatz für richtig. Es müsse jedoch "dringend in Richtung Markt weiterentwickelt werden".
Dies gelte auch für die Richtlinien für Offshore-Windparks. Mastiaux hatte kurz nach seinem Amtsantritt die Pläne für zwei Parks in der Nordsee wegen fehlender Sicherheiten beim Netzanschluss ausgesetzt. "Wenn wir es ernst meinen mit unseren CO2-Zielen, dann brauchen wir diese Windparks. Dann muss die Regierung die Rahmenbedingungen schaffen, dass wir unsere Pläne nach Hause fahren können." Bislang fehle der Bundesregierung eine Energie-Strategie aus einem Guss.
ade/dpa
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