Energiekonzern EnBW fürchtet Kostenexplosion bei Plutonium-Lieferung

Angeblicher Steuerbetrug, Korruption, Rechtsstreitigkeiten und jetzt noch Probleme mit Atombrennstoffen: Der Energiekonzern EnBW wird arg gebeutelt. Jetzt droht die Wiederaufarbeitung von Plutonium deutlich teurer zu werden als angenommen. Das gab der Konzern in seinem aktuellen Börsenprospekt zu.

EnBW-Atomkraftwerk Neckarwestheim: Probleme mit Plutonium
dapd

EnBW-Atomkraftwerk Neckarwestheim: Probleme mit Plutonium


Stuttgart - EnBW drohen durch die Wiederaufarbeitung von Atombrennstoffen hohe Verluste. Das räumt der Energiekonzern laut der Nachrichtenagentur Reuters in seinem aktuellen Börsenprospekt ein. Konkret geht es um Probleme mit hochgiftigem Plutonium, das im Atomkraftwerk Neckarwestheim anfällt. Die Kosten für den Einsatz der Brennelemente könnten wegen Transportproblemen höher ausfallen als bisher angenommen, heißt es in dem Bericht. Bei Verzögerungen drohten sogar "erheblich nachteilige Auswirkungen auf die Vermögens-, Finanz- und Ertragslage".

EnBW hat Atombrennstoffe aus dem mittlerweile abgeschalteten Meiler im britischen Sellafield wiederaufarbeiten lassen. Das dabei anfallende Plutonium sollte dort zu sogenannten Mischoxid-Brennelementen verarbeitet werden. Doch mittlerweile wurde die Anlage in Sellafield geschlossen. Die Brennstäbe können nun nur noch in einer Anlage in Frankreich produziert werden. Das Problem: Der Transport des Plutoniums von Großbritannien nach Frankreich ist derzeit "rechtlich nicht möglich", wie EnBW einräumt.

Nachdenken über "alternative Lösungen"

Um die plutoniumhaltigen Brennelemente wie geplant in den Jahren 2014 und 2015 im Atomkraftwerksblock Neckarwestheim II einzusetzen, werde nun über "alternative Lösungen" nachgedacht. Die Kosten dafür könnten höher ausfallen als bislang geplant, heißt es im Börsenprospekt. "Sollte eine rechtzeitige alternative Lösung nicht realisiert werden können, so werden spätere Alternativlösungen sehr wahrscheinlich mit noch höheren Kosten verbunden sein", warnt das Unternehmen.

Wie viel teurer es konkret wird, ist nicht bekannt. Auf Nachfrage von SPIEGEL ONLINE äußerte sich EnBW bislang nicht zu dem Bericht. Der drittgrößte deutsche Versorger will sein Kapital aufstocken und bietet seinen Aktionären neue Aktien mit einem kräftigen Abschlag zum Börsenkurs an. Die beiden Großaktionäre, das Land Baden-Württemberg und der kommunale Zweckverband OEW, haben den Bezug von Aktien im Wert von jeweils 400 Millionen Euro zugesagt.

Mit dem frischen Geld will der Konzern die Bilanz stärken und kommende Investitionen finanzieren. Von den vier deutschen Atomkraftwerksbetreibern ist EnBW vom Atomausstieg am härtesten betroffen: Zwei der vier Atom-Meiler stehen seit vergangenem Frühjahr still.

cte/Reuters

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