Hamburg - Der Energiekonzern EnBW gerät wegen seines Russland-Geschäfts weiter unter Druck. Unternehmensinterne Prüfer sind laut einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" ("SZ", Donnerstagsausgabe) auf fragwürdige Verträge mit einem Gesamtvolumen von knapp 300 Millionen Euro gestoßen. Bislang hatte EnBW lediglich eingeräumt, etwa 120 Millionen Euro an Firmen des fragwürdigen russischen Lobbyisten Andrey Bykov gezahlt zu haben.
Das Geld fordert EnBW inzwischen von Bykov zurück: Die Firmen des Russen hätten vereinbarte Leistungen nie erbracht. Dazu gehörte nach Konzernangaben unter anderem die "Lieferung und Sicherung von Uran" und eine Kooperation bei dem Rückbau des AKW Obrigheim. EnBW
musste den Betrag abschreiben.
Laut dem "SZ"-Bericht werfen Unternehmensprüfer EnBW-Managern schwere Verfehlungen vor - ausgerechnet im sensiblen Atomgeschäft. Internen Unterlagen zu Folge hätten in der Affäre führende Mitarbeiter gegen ihre Sorgfaltspflicht verstoßen.
Schon Ende März hatte auch die auf Wirtschaftskriminalität spezialisierte Mannheimer Staatsanwaltschaft wegen der Zahlungen Vorermittlungen aufgenommen. Es werde geprüft, ob ein Anfangsverdacht auf Untreue, Steuerhinterziehung und Korruption vorliege, sagte Staatsanwalt Peter Lintz damals. Die Ermittler folgen Hinweisen, laut denen die Gelder womöglich für wettbewerbswidrige Lobbyarbeit geflossen sein sollen.
usp/dpa/dapd
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