Konzernumbau: EnBW will Milliarden in Wind- und Solarenergie stecken

EnBW will sich auf die Energiewende konzentrieren: Deutschlands drittgrößter Stromkonzern will mehr als drei Milliarden Euro in erneuerbare Energien investieren. Dafür will das Unternehmen weit mehr Beteiligungen verkaufen als bislang geplant.

EnBW-Chef Mastiaux: "Klares Bekenntnis zur Energiewende" Zur Großansicht
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EnBW-Chef Mastiaux: "Klares Bekenntnis zur Energiewende"

Stuttgart - Der Energieversorger EnBW will knapp sieben Milliarden Euro in den Konzernumbau stecken. Bis 2020 werde das Unternehmen rund 3,5 Milliarden Euro in die Stromerzeugung aus Wind und Wasser und drei Milliarden Euro in den Ausbau der Stromnetze investieren, teilte Vorstandschef Frank Mastiaux in Stuttgart mit.

"Die EnBW-Strategie 2020 ist ein klares Bekenntnis ohne Wenn und Aber zur Energiewende", erklärte Mastiaux die Neuausrichtung des drittgrößten deutschen Stromkonzerns. Der Anteil des produzierten Ökostroms solle von zwölf auf fast 40 Prozent steigen.

An anderer Stelle werde sich das Unternehmen dafür deutlich verschlanken: Der Verkauf nichtstrategischer Beteiligungen solle 2,7 Milliarden Euro einbringen. Bisher waren nur Verkäufe für 1,5 Milliarden Euro vorgesehen gewesen. Zudem plant es, etliche seiner 150 Tochtergesellschaften wieder in die Mutter einzugliedern. Ein Personalabbau ist aber nach Angaben von Mastiaux nicht vorgesehen.

Effizientere Technik statt Ausbau

Beim Ausbau der erneuerbaren Energien soll künftig der industrielle Maßstab zählen. "Wir werden nicht mehr in kleinteilige Sonnenkollektoren investieren, außer ein Kunde will das", sagte Mastiaux. Auch bei Windkraftanlagen auf dem Land seien größere Einheiten im Blick. Ein Schwerpunkt liege auf der Aufrüstung bereits bestehender Standorte mit effizienterer Technik. Allein bei den Onshore-Anlagen sei eine Kapazitätserhöhung von derzeit 200 Megawatt auf rund 1750 Megawatt geplant. "Wir werden hier deutlich Fahrt aufnehmen."

In den kommenden Wochen solle dann der Aufsichtsrat endgültig sein Einverständnis geben. Das grün-rot geführte Land Baden-Württemberg sowie die Oberschwäbischen Elektrizitätswerke (OEW) halten je 46,5 Prozent an dem Energieversorger, der einst mit seinen vier Atomkraftwerken regelmäßig hohe Gewinne einfuhr.

Infolge der Atomkatastrophe von Fukushima im Jahr 2011 wurden allerdings mit zwei der Atomkraftwerke wichtige Einnahmequellen abgeschaltet. 2011 machte EnBW daher einen Verlust von über 800 Millionen Euro. Schon 2012 aber schaffte der Konzern wieder ein Plus von 473 Millionen Euro.

Seinem neuen Eigner, dem Land Baden-Württemberg, hat der Konzern noch nicht viel Freude gebracht: Der Kauf des EnBW-Anteils, den der ehemalige Ministerpräsident Stefan Mappus (CDU) kurz vor der Landtagswahl 2011 eingefädelt hatte, wird derzeit von einem Untersuchungsausschuss des Landtags untersucht.

ade/AFP/dpa

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insgesamt 317 Beiträge
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1. Ganz ehrlich: Sie haben NICHTS begriffen
Cleanthinking 17.06.2013
Es ist echt toll, dass die EnBW in erneuerbare Energien investieren will. Im großen Maßstab. Bei EnBW hat man nicht begriffen, wie die Zukunft der Energieversorgung aussehen wird. Die heutige WirtschaftsWoche zeigt es unter dem Titel "Der neue Billigstrom". Solar wird konkurrenzlos günstig und in allen erdenklichen Geräten, Fenstern, Türen, Dachziegeln, Balkonbrüstungen und sogar Kleidung und Papier verbaut. Hier liegt die dezentrale Zukunft. Große Onshore-Windanlagen werden zwar bedingt auch gebraucht, um Wasser zu spalten, aber nicht in diesem Stil wie es EnBW nun plant. Schade, dass EnBW jetzt immerhin den Wert der erneuerbaren Energien erkannt hat. Der Musik läuft das Unternehmen aber weiterhin ein Jahrzehnt hinterher. Mit dieser Politik wird das Sterben der einstigen Energieriesen jedenfalls nicht zu stoppen sein.
2.
der_stille_beobachter 17.06.2013
Zitat von CleanthinkingEs ist echt toll, dass die EnBW in erneuerbare Energien investieren will. Im großen Maßstab. Bei EnBW hat man nicht begriffen, wie die Zukunft der Energieversorgung aussehen wird. Die heutige WirtschaftsWoche zeigt es unter dem Titel "Der neue Billigstrom". Solar wird konkurrenzlos günstig und in allen erdenklichen Geräten, Fenstern, Türen, Dachziegeln, Balkonbrüstungen und sogar Kleidung und Papier verbaut. Hier liegt die dezentrale Zukunft. Große Onshore-Windanlagen werden zwar bedingt auch gebraucht, um Wasser zu spalten, aber nicht in diesem Stil wie es EnBW nun plant. Schade, dass EnBW jetzt immerhin den Wert der erneuerbaren Energien erkannt hat. Der Musik läuft das Unternehmen aber weiterhin ein Jahrzehnt hinterher. Mit dieser Politik wird das Sterben der einstigen Energieriesen jedenfalls nicht zu stoppen sein.
Bis das passiert, haben die ersten im Zuge des "Konzernumbaus" durch die ENBW errichteten Windenergieanlagen bereits ihre Lebensdauer wieder überschritten...
3. die nächste grosse grüne Pleite
schlob 17.06.2013
. Ja toll-die nächste grosse grüne Pleite wird eingeleitet.- Aber es ist richtig-es trifft jetzt die,die grün gewählt haben- die müssen es endlich mal hautnah erfahren,was grüne Wirtschaft heisst.
4. Beteiligungen?
oneil57 17.06.2013
Wahrscheinlich meint EnBw die Beteiligung der Stromkunden in Form von überteuerten Stromrechnungen.
5. EnBW wird nun nicht mehr produzieren und etwas erwirtschaften
EchoRomeo 17.06.2013
die werden nun helfen die Fleischtöpfe der EE leerzufressen. @"Der neue Billigstrom" Vorher werden aber genügend Atomkraftwerke und Gaskraftwerke für Shale Gas gebaut. "Der neue Billigstrom" ist ein Werbefilmchen.
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