Ende einer Traditionsfirma Kodak ist pleite 

Kodak war Pionier der Fotografie - und hat die digitale Revolution verschlafen. Von diesem Fehler hat sich der Konzern nie wieder erholt. Jetzt endet die Geschichte der Traditionsfirma: Das US-Unternehmen hat Insolvenz angemeldet.

Leere Filmrollen: Kodak meldet Gläubigerschutz an
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Leere Filmrollen: Kodak meldet Gläubigerschutz an


New York - In der Medientechnik gibt es den Begriff der Schwarzblende. Er bezeichnet den Übergang zwischen zwei Szenen. Für einen kurzen Moment verdunkelt sich das Bild, dann geht die Geschichte weiter.

Ob die Story des Kamerakonzerns Eastman Kodak noch weitergeht, ist unklar. Der Traditionskonzern hat ein Verfahren nach Kapitel 11 des US-Insolvenzrechts eingeleitet.

Es ist das bittere Ende eines Unternehmens, das die Fotografie wie kaum ein zweites revolutioniert hat. Schon 1888 brachte Kodak die erste Kamera für Endverbraucher auf den Markt, Jahrzehnte galt die Firma als Ikone der Fotografie, als Nummer eins. Nur die Töchter außerhalb der USA sind nicht betroffen.

Doch dann kam die digitale Revolution, und Kodak verschlief sie. Die Gewinne brachen ein, der Umsatz, seit 2008 schrieb die Firma rote Zahlen. Seit 2003 schloss sie 13 Fabriken und 130 Labore, 47.000 Arbeitsplätze wurden gestrichen.

Nun geht eine 131-jährige Firmengeschichte zu Ende. Und die Zukunft ist ungewiss.

Kodak teilte mit, die Citigroup habe der Firma eine Kreditlinie über 950 Millionen Dollar eingeräumt. Es sei genügend Liquidität vorhanden, um den Geschäftsbetrieb während des Gläubigerschutzes aufrechtzuhalten. Man rechne damit, das Verfahren 2013 zu beenden.

Zuvor will man zentrale Firmenwerte versilbern. Seit Juli sucht der Konzern einen Käufer für seine rund 1100 Patente im Bereich der digitalen Bild-Erstellung. Diese könnten Experten zufolge zwei bis drei Milliarden Dollar einbringen.

In seinem Überlebenskampf feuert Kodak eine Patentklage nach der anderen ab. Jetzt ist der südkoreanische Elektronik-Konzern Samsung an der Reihe - nach Apple, HTC und Fujifilm. In der am Mittwoch eingereichten Klage wird Samsung die Verletzung von fünf Patenten vorgeworfen. Dabei geht es um Digitalkamera-Technologie sowie Verfahren zur Übermittlung von Aufnahmen. Experten gehen davon aus, dass Kodak mit den Klagen potentiellen Kaufinteressenten die Schlagkraft seines Patent-Portfolios demonstrieren will.

ssu/AFP/dpa/Reuters



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insgesamt 90 Beiträge
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spargel_tarzan 19.01.2012
1. die unbeweglichkeit des tankers, oder so...
Zitat von sysopKodak war Pionier der Fotografie - und hat die digitale Revolution verschlafen. Von diesem Fehler hat sich der Konzern nie wieder erholt. Jetzt endet die Geschichte der Traditionsfirma: Das US-Unternehmen flieht in den Gläubigerschutz. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,809979,00.html
es stürzten schon zu allen zeiten immer die satten und zufriedenen ab. die , die sich auf die faule haut legten und dachten: es geht immer so weiter. nur war es nie so. wie schon bei einem früheren artikel angemerkt, scheint leica noch rechtzeitig die kurve bekommen zu haben, auch wenn man sich nun vorrangig mit digitaler ramschtechnik beschäftigt . jetzt muß ich mir wohl doch eine tiefkühltruhe kaufen, damit die gebunkerten filme länger halten, denn Tri-X, Plus-X oder T-Max mag ich nicht missen.
Jonny_C 19.01.2012
2. Kann ich verstehen !
Zitat von spargel_tarzanes stürzten schon zu allen zeiten immer die satten und zufriedenen ab. die , die sich auf die faule haut legten und dachten: es geht immer so weiter. nur war es nie so. wie schon bei einem früheren artikel angemerkt, scheint leica noch rechtzeitig die kurve bekommen zu haben, auch wenn man sich nun vorrangig mit digitaler ramschtechnik beschäftigt . jetzt muß ich mir wohl doch eine tiefkühltruhe kaufen, damit die gebunkerten filme länger halten, denn Tri-X, Plus-X oder T-Max mag ich nicht missen.
Ich habe vor ca. einem halben Jahr 3 uralte Super8 Filme in der Hafen-City in Hamburg abgekurbelt. Farben und Ergebnis ist spektakulär ! Schade um Kodak.
Stuhlbeinsäger 19.01.2012
3. Wer zu spät kommt...
...den bestraft der Kunde. Wirtschaft nimmt auf Ikonen keine Rücksicht. Das musste auch AGFA erfahren. Wer hätte gedacht, dass solche Giganten der Fotografie so schnell vom Markt verschwinden könnten? In den 1980er Jahren hatte ich das Vergnügen, meine Ausbildung im Fotohandel zu absolvieren. Dem Handel angeschlossen waren Studio und Labor. Das Unternehmen wurde in den frühen 1930er Jahren gegründet und von Ausrüstung und Material aus den Gründertagen gab es noch reichlich. Ein Paradies! Uralte Vergrößerungsgeräte, Plattenkameras und dann diese hochmodernen Sofortbildkameras von Polaroid und auch von Kodak! Ja, auch dieser Gelbe Riese versuchte sich daran, bis ihm Polaroid wegen Patentverletzung den Hahn abdrehte. Dabei waren die doch immer so innovativ. Kodachrome - die Ikone der Dia-Fotografie! Unerreichte Schärfe auch bei riesiger Projektion, satteste Farben und ein irrsinnig komplizierter Entwicklungsprozess. VR 100 - der erste sehr scharfe Farbnegativfilm mit Kristalltechnologie, irgendwann um 1984 auf den Markt gekommen. Vericolor Studio-Filmmaterial - echt super. Um diese Zeit überraschte Minolta die Welt mit seiner "7000", der ersten Autofokus-Spiegelreflex-Kamera. Welch eine Innovation! Und die Kundschaft verlangte auch damals schon nach einen "Idiotensicheren", die "gute Bilder macht". Film einlegen? Viel zu kompliziert. Einstellungen von Blende, Verschlusszeit und Entfernung? Unzumutbar - das versteht ja niemand (obwohl doch weit einfacher als Autofahren). Mit Knipskisten wurde schon damals mehr Ausschuss als Brauchbares produziert. Meine Fotos wurden damals bewundert. "Oh, Du hast bestimmt eine Leica, was?" Nö, rein mechanisches Gerät für 500 DM, aber Technik ersetzt den Blick nicht. Damals gab es erste Videokameras mit sperrigem Aufzeichnungsgerät - in schwarzweiß. Da wurde die Digitale Bildtechnik bereits beschworen. Mein "Meister" winkte ab: "Das werden wir nicht mehr erleben." Von wegen. "Knipsen" kostet heute fast nichts mehr, der Kauf von Filmen ist überflüssig, Speicherplatz spottbillig und von 1000 Aufnahmen wird vielleicht mal eine den Weg auf's Papier finden, oder ist es Quote noch geringer? Gibt es eigentlich noch Fotolabore? Und die Qualität der Schnappschüsse? Tendenz grottenschlecht. Man fotografiert sich heute selbst mit dem ausgestreckten Arm oder gleich im Badezimmerspiegel, am besten mit Blitz und Kloschüssel im Hintergrund. Dass die Geräte alle einen Selbstauslöser besitzen, pah, wer braucht schon "Funktionen", geht doch alles "automatisch". Und so blitzen Sie in Fußballstadien und gegen Fensterscheiben, weil sie nicht mal mehr wissen, wie man das abschalten kann. Meine Fotos werden auch heute noch bewundert. "Oh, du hast bestimmt eine Professionelle." Nur weil sie ein bisschen größer als eine Zigarettenschachtel ist. Der Gute Blick und das Gehirn sind eben auch heute durch nichts zu ersetzen. Es wird schon einen Grund haben, dass Fotograf ein Handwerksberuf ist. Ruhe in Frieden, Kodak.
dieterbk2 19.01.2012
4. Zu einfach
Zitat von sysopKodak war Pionier der Fotografie - und hat die digitale Revolution verschlafen. Von diesem Fehler hat sich der Konzern nie wieder erholt. Jetzt endet die Geschichte der Traditionsfirma: Das US-Unternehmen flieht in den Gläubigerschutz. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,809979,00.html
Ich glaube, dass man es sich zu einfach macht mit der Aussage, dass Kodak die digitale Revolution verschlafen hat. Kodak war am Anfang ganz vorn mit dabei. Ende 1999 war meine erste digitale (Kompakt) Kamera von Kodak (KODAK DC280 ZOOM DIGITAL CAMERA). Das war die erste digitale Kamera, die ich mir gerade noch leisten konnte (1000 DM). Damals war das Angebot im Amateurbereich noch arg begrenzt, das meiste unbezahlbar. Vieleicht kamen anschließend Fehlentscheidungen, vieleicht gab es aber auch gar keine andere Möglichkeit. Filmmaterial als Verbrauchsmaterial (und das war eines der Haupprodukte von Kodak) werden nicht mehr gebraucht. Die diditale Fotografie kommt ohne Verbrauchsmaterial aus.
ollux 19.01.2012
5.
Zitat von spargel_tarzanes stürzten schon zu allen zeiten immer die satten und zufriedenen ab. die , die sich auf die faule haut legten und dachten: es geht immer so weiter. nur war es nie so. wie schon bei einem früheren artikel angemerkt, scheint leica noch rechtzeitig die kurve bekommen zu haben, auch wenn man sich nun vorrangig mit digitaler ramschtechnik beschäftigt . jetzt muß ich mir wohl doch eine tiefkühltruhe kaufen, damit die gebunkerten filme länger halten, denn Tri-X, Plus-X oder T-Max mag ich nicht missen.
Leicas digitale Ramschtechnik , von der sie sprechen, ohne offensichtlich den Anflug einer Ahnung zu haben, ist weltweit dermaßen nachgefragt, dass potentielle Käufer bis zu einem halben Jahr warten müssen, um eine M9 oder gar ein aktuelles Summilux in den Händen halten zu dürfen. Eine S2 ist vom Ergebnis her ein Gedicht. Aber leider bei entsprechender Objektivwahl auch nicht unter 3 Monaten zu bekommen zu bekommen. Dies geschieht alles bei ( der hohen Qualität durchaus angemessenen ) Preisen, die manchen Interessenten dazu neigen lassen, besser eine kleine Eigentumswohnung an zuzahlen. Ohne diese Angebote wäre übrigens Leica ein Fall für den Insolvenzverwalter. Ansonsten teile ich Ihre Einstellung zur Tiefkühltruhe. Da müssen statt Schweinehälften schon alleine zu Spekulationszwecken Kilos von T-Max und X -Filme rein.
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