Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Ende einer Werbe-Ikone: Wie Accenture mit dem Tiger kämpft

Von Laura Himmelreich

Die Unternehmensberatung Accenture gab Millionen für die Werbung mit Tiger Woods aus. Doch nach den Sex-Affären des Golfers rissen Mitarbeiter Tiger-Plakate von den Bürowänden und verbannten ihn von der Firmen-Website. Die Chronologie einer Säuberungsaktion.

Fotostrecke

11  Bilder
Tiger Woods: Auspacken oder einpacken?
Hamburg - Drei Tage dauerte die Tiger-Woods-Tabula-rasa bei der Unternehmensberatung Accenture. Sechs Jahre prangte das Gesicht des Golfers auf Postern, Kappen, T-Shirts. Dann aber entpuppte sich der Sportler als Seitenspringer und die Beraterfirma fühlte sich gezwungen, ihn von sämtlichen Werbeflächen zu eliminieren.

Schritt 1: Die Website

Am Sonntag erklärte das Unternehmen den Sponsorenvertrag für beendet. Nur wenige Stunden später tauschte die Firma das Bild des Golfers auf seiner Homepage gegen einen Skifahrer und Eisschnellläufer aus. Der Skifahrer trägt Helm und Brille, die Eisschnellläufer sieht der Besucher der Website nur von hinten. Das Unternehmen geht auf Nummer sicher. Die Wintersportler sind nicht zu identifizieren.

Das ist nicht verwunderlich, denn die Säuberungsaktion kommt das Unternehmen teuer: Allein für Werbung in den USA gab Accenture 50 Millionen US-Dollar aus. Woods Gesicht prangte auf 83 Prozent der Firmenwerbung. Damit war er für die Beratungsfirma wichtiger als für all seine anderen Sponsoren.

Doch nachdem rund ein Dutzend Frauen teils beichteten, teils posaunten, sie hätten eine Affäre mit dem verheirateten Woods gehabt, sei er nicht mehr der "geeignete Repräsentant" gewesen, so das Unternehmen. Vielleicht fürchtet es, der Slogan "Be a Tiger" könnte als Aufruf zur Promiskuität verstanden werden. "Mr. Woods ist für das Unternehmen nicht mehr die richtige Metapher für Spitzenleistung", sagte ein Sprecher.

Schritt 2: Die Büros

Doch damit nicht genug der Säuberungsaktionen: Die "New York Times" meldete, am Montagnachmittag hätten Mitarbeiter die Büros durchkämmt. In der Niederlassung in Manhattan sollen sie Tiger-Poster von den Wänden gerissen haben. Dann habe die Accenture-Spitze die Direktive an ihre Marketing-Mitarbeiter in die Welt gesendet: Keiner der 177.000 Angestellten soll den Mann, der nun für Ausschweifung und Unmoral steht, an seinem Arbeitsplatz zu sehen bekommen. Woods muss demnach weichen - aus Büros in 200 Städten, in 52 Ländern, Kunden und Angestellte sollen ihn offenbar vergessen.

Schritt 3: Die Mitarbeiter

Deshalb helfe Accenture nach: Am Dienstag sei in den Posteingängen der Mitarbeiter eine E-Mail gelandet, berichtet die "NYT". Die Angestellten seien darin aufgefordert worden, ihre Verkaufsgespräche und PowerPoint-Präsentationen zu überprüfen. Sie sollten sicherstellen, dass sie "Tiger Woods nicht mehr beeinhalten", habe es darin geheißen. Die New Yorker Mitarbeiter wurden dazu angehalten, Poster, Mützen und anderen Tiger-Tinnef am Empfang abzugeben. Die Firma teilte der "NYT" nicht mit, wie sie die Devotionalien zu entsorgen gedenkt.

Accenture sagte gegenüber der "NYT", die Mitarbeiter müssten nicht alle Tiger-Erinnerungsstücke wegschmeißen: "Wir wollen nur sicherstellen, dass wir sie nicht mehr verwenden - intern, wie extern." Fast zeitgleich tauchten bei Ebay Accenture-Magazine mit Woods' Konterfei auf. Für ein Leibchen von Tiger Woods' Golf-Caddy mit Accenture-Logo forderte ein Verkäufer 175 Dollar.

Früher grüßte Tiger Woods von der Firmen-Website: "Es zählt, was du als nächstes tust". Nach dem Säuberungsprozess scheint es, als wäre er nie da gewesen.

Diesen Artikel...
Forum - Tiger Woods - wird die Affäre um sein Privatleben seinem Ruf schaden?
insgesamt 92 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1.
Klapperschlange 05.12.2009
Zitat von sysopTiger Woods, seit Jahren Inbegriff der aussterbenden Gattung Gentleman-Sportler, ist nach privaten Turbulenzen plötzlich Freiwild in den Niederungen des Boulevards. Ein Mann, dem die Privatsphäre alles gilt, soll nun Details seines Ehelebens öffentlich machen. Wird die Affäre seinem Ruf nachhaltig schaden?
Eindeutiges nein! Nach wie vor und jetzt vielleicht sogar verstärkt gilt er als der Welt bester "Einlocher"!
2. Eine
saul7 05.12.2009
Zitat von sysopTiger Woods, seit Jahren Inbegriff der aussterbenden Gattung Gentleman-Sportler, ist nach privaten Turbulenzen plötzlich Freiwild in den Niederungen des Boulevards. Ein Mann, dem die Privatsphäre alles gilt, soll nun Details seines Ehelebens öffentlich machen. Wird die Affäre seinem Ruf nachhaltig schaden?
Gegenfrage: Hat der Seitensprung des amerikanischen Präsidenten Bill Clinton und seine Schwindeleien darum dem Präsidenten geschadet, hat die "Besenkammer-Affaire" von uns "Bobele" dem BumBum-Becker geschadet ? Wohl kaum. Beide geniessen heute immer noch ihre ungebrochene Publizität.
3.
Brieli 05.12.2009
Zitat von saul7Gegenfrage: Hat der Seitensprung des amerikanischen Präsidenten Bill Clinton und seine Schwindeleien darum dem Präsidenten geschadet, hat die "Besenkammer-Affaire" von uns "Bobele" dem BumBum-Becker geschadet ? Wohl kaum. Beide geniessen heute immer noch ihre ungebrochene Publizität.
Oder die gefühlten 34 Ehen der Herren Schröder, Beckenbauer, Fischer ... Das interessiert letztendlich keinen.
4. Und Roger?
ray4901 05.12.2009
Zitat von sysopTiger Woods, seit Jahren Inbegriff der aussterbenden Gattung Gentleman-Sportler, ist nach privaten Turbulenzen plötzlich Freiwild in den Niederungen des Boulevards. Ein Mann, dem die Privatsphäre alles gilt, soll nun Details seines Ehelebens öffentlich machen. Wird die Affäre seinem Ruf nachhaltig schaden?
Vergesst nicht, dass für die Gillette Rasierer nach dem Absturz von Tiger und Henry mindestens der Roger übrig bleibt. Der versucht sauber zu bleiben. Seine Familie begleitet ihn im Privatjet überall hin.
5.
attila123 10.12.2009
Zitat von saul7Gegenfrage: Hat der Seitensprung des amerikanischen Präsidenten Bill Clinton und seine Schwindeleien darum dem Präsidenten geschadet, hat die "Besenkammer-Affaire" von uns "Bobele" dem BumBum-Becker geschadet ? Wohl kaum. Beide geniessen heute immer noch ihre ungebrochene Publizität.
Na, ja. Bei Clinton vielleicht. Aus dem geliebten Bobbele wurde aber mit jeder neuen Wohstandsnutte irgendwann der abgehalfterte Porno-Becker und mein Respekt ging flöten. Prinzipiell ist ja nichts dagegen einzuwenden, dass man als wohlhabender Sportsmann alles flachlegt, was bei 3 nicht auf den Bäumen ist und mitnimmt was geht. Aber warum muss das immer in der Öffentlichkeit geschehen und warum legt man sich dann eine Familie zu?
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



Die Affäre Tiger Woods
Das Gerücht
Das Boulevardblatt "National Enquirer" berichtet am 25. November, Woods habe eine Affäre mit der Nachtclubmanagerin Rachel Uchitel gehabt.
Der Crash
In Orlando, Florida, verlässt Woods am 27. November um 2.30 Uhr früh sein Grundstück im Nobelstadtteil Windermere am Steuer seines SUV Cadillac Escalade, Baujahr 2009. Er rammt erst einen Hydranten, dann einen Baum. Seine Frau, so gibt Woods später zu Protokoll, habe mit einem Golfschläger die Heckscheibe des Wagens eingeschlagen - eine Hilfsmaßnahme. Woods kommt mit Gesichtsverletzungen ins Krankenhaus.
Die erste Erklärung
Am Sonntag, den 29. November, gibt Woods eine Erklärung ab. Er trage die Schuld an dem Unfall - der sei aber Privatsache. Er dankt seiner Frau, die ihn aus dem Wagen gezogen habe. Die Spekulationen, die sich um den Vorfall rankten, seien "frei erfundene, boshafte Gerüchte". Am 1. Dezember erhält Woods einen Strafzettel wegen "unachtsamer Fahrweise", er muss 164 Dollar zahlen. Woods kündigt an, 2009 nicht mehr an Golfturnieren teilzunehmen.
Die Kellnerin
Die Illustrierte "Us Weekly" erscheint, darin schildert die Cocktailkellnerin Jaimee Grubbs, dass sie mehr als zwei Jahre lang eine Affäre mit Woods gehabt habe. Als Beleg dient der Mitschnitt einer Voicemail-Nachricht, die Woods auf ihrem Anrufbeantworter hinterließ.
Die Entschuldigung
Woods veröffentlicht auf seiner Web-Seite eine Entschuldigung. Er bereue aus tiefstem Herzen, was er seiner Familie angetan habe, und werde nun hinter geschlossenen Türen versuchen, das Geschehene zu verarbeiten.
Das Comeback
Im April 2010 kehrt Woods auf die Sportbühne zurück. Beim US-Masters in Augusta (Georgia) überrascht er mit einer guten Leistung - und landet am Ende auf dem geteilten vierten Platz.
Die Scheidung
Am 23. August 2010 geben Woods und Elin Nordegren ihre Scheidung vor einem Gericht in Florida bekannt. Das Sorgerecht für die gemeinsamen Kinder soll geteilt werden, finanzielle Details der Trennung werden vorerst nicht öffentlich.


Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: