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Energie-Geheimplan: London setzt auf strahlende Stromzukunft

Berichte über einen Geheimplan der britischen Regierung heizen die Debatte über die Kernkraft an. Laut "Guardian" will London den Bau neuer Atomreaktoren durch eine Energie-Sondersteuer finanzieren. So soll Nuklearstrom gegenüber Kohle konkurrenzfähig bleiben.

Sellafield-Atomkraftwerk in Nordengland: Umstrittene Energiesteuer-Pläne Zur Großansicht
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Sellafield-Atomkraftwerk in Nordengland: Umstrittene Energiesteuer-Pläne

Hamburg - Dem Bericht des "Guardian" zufolge erwägt das Kabinett von Premierminister Gordon Brown, den Neubau von Atomreaktoren zur Not über eine Energiesteuer zu finanzieren. Damit drohen den britischen Bürgern kräftige Aufschläge auf die Stromrechnung. 500 Pfund zahlt ein Durchschnittshaushalt derzeit pro Jahr für Elektrizität - künftig könnten auf diesen Betrag noch einmal bis zu 44 Pfund draufgeschlagen werden.

Der Geheimplan, der der Zeitung von mehreren hochrangigen Regierungsmitgliedern bestätigt wurde, ist heikel: Er steht den vielfachen Beteuerungen britischer Politiker entgegen, Atomkraft künftig nicht mehr subventionieren zu wollen. Ein Regierungssprecher teilte auf Anfrage mit, es gebe derzeit keine solchen Pläne, schloss aber eine künftige Zusatzsteuer für Kohlestrom nicht aus.

Die Überlegungen, eine neue Energiesteuer einzuführen, sind laut "Guardian" eine Art Notfallplan für den Fall, dass im Dezember auf der Uno-Klimakonferenz in Kopenhagen keine weitreichenden Beschlüsse zur Begrenzung des weltweiten CO2-Ausstoßes getroffen werden. Politiker und Umweltaktivisten sind zusehends skeptisch, dass auf dem Gipfel überhaupt signifikante Durchbrüche erzielt werden.

In diesem Fall aber wäre davon auszugehen, dass die Marktpreise für Kohleenergie vergleichsweise gering bleiben. Ohnehin sind durch die Wirtschaftskrise die Strompreise stark gefallen. Der Neubau von Atommeilern wäre in diesem Umfeld wenig rentabel: Er würde Milliarden verschlingen, und die Konzerne könnten schlimmstenfalls auf den Kosten sitzen bleiben.

Drohende Stromlücke in England

Die britische Regierung sorgt sich daher laut "Guardian" zusehends, Konzerne wie Eon Chart zeigen und EDF könnten den Neubau von Reaktoren verschieben - und sieht darin ein großes Problem: Da in England in den kommenden Jahren mehrere Altmeiler vom Netz gehen, droht eine Stromlücke. Und weil die britische Bevölkerung massiv gegen den Neubau von Kohlekraftwerken protestiert, will die Regierung diese unbedingt mit neuen Nuklearmeilern schließen.

Insgesamt acht Atomkraftwerke sollen in den kommenden Jahren in England gebaut werden. Es wären die ersten Neubauten seit über 20 Jahren. Die Gesamtkosten werden auf etwa 20 Milliarden Euro geschätzt.

Die Regierung glaubt laut dem Bericht, dass Nuklearenergie nur konkurrenzfähig bleibt, wenn Zusatzsteuern auf Strom erhoben werden, der durch Kohle- und Gaskraftwerke gewonnen wurde. Sollten in Kopenhagen keine deutlichen CO2-Begrenzungen beschlossen werden, werde man eben selbst Maßnahmen ergreifen, zitiert der "Guardian" ein hochrangiges Mitglied der Regierung.

ssu

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Forum - Atom oder Solar - wem gehört die Zukunft?
insgesamt 6758 Beiträge
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1.
Frank und gerne Frei 08.07.2009
Sinnvoll ist es, beides zu haben....
2.
AndyH 08.07.2009
Zitat von sysopDie Strombranche befindet sich im Umbruch. Können Wind und Sonne die konventionellen Energieträger ablösen? Oder bleibt Deutschland angewiesen auf Kohle und Atom?
Es gibt kein "Umbruch" nirgendwo. Jeder arbeitet mit dem was er hat. Es wird sich langfristig nichts ändern, ausser durch Staatsterror in Form von EEG. Deutschland hat die Braunkohle in Mengen wie Irak Öl. Es wäre hirnrissig jetzt eine Ideologie zu installieren, der dies entwertet. Solar und andere flächengebundene "regenerative" Energien sind vernachlässigbar, bis auf Wasser das ist aber ausgereizt.
3.
kdshp 08.07.2009
Zitat von sysopDie Strombranche befindet sich im Umbruch. Können Wind und Sonne die konventionellen Energieträger ablösen? Oder bleibt Deutschland angewiesen auf Kohle und Atom?
Hallo, was für eine frage ! Natürlich sonnenstrom und das wird kommen zwar arbeiten die lobbys und politiker noch stark dagegen aber er wird kommen. Ich schaue auch schon was eine solarstromalange für mein haus kostet bzw. ich spare schon dafür und werde mir zu 100% eien holen. Hier hätte die regierung auch was machen sollen ähnlich wie diese abwrackprämie so eien art 100.000 dächer solar programm. man was hätten wir an energie gespart und auch an co2. Atomstrom war gestern !
4.
LumpY 08.07.2009
Zitat von AndyHEs gibt kein "Umbruch" nirgendwo. Jeder arbeitet mit dem was er hat. Es wird sich langfristig nichts ändern, ausser durch Staatsterror in Form von EEG. Deutschland hat die Braunkohle in Mengen wie Irak Öl. Es wäre hirnrissig jetzt eine Ideologie zu installieren, der dies entwertet. Solar und andere flächengebundene "regenerative" Energien sind vernachlässigbar, bis auf Wasser das ist aber ausgereizt.
Sie kennen aber schon die Klimastudien des IPCC? Die Braunkohle nicht entwerten!? hallo? das ist weder der Umwelt noch unseren Nachfahren gegenüber zu Verantworten auf solch eine Energiegewinnung zu setzten.
5.
AndyH 08.07.2009
Zitat von LumpYSie kennen aber schon die Klimastudien des IPCC? Die Braunkohle nicht entwerten!? hallo? das ist weder der Umwelt noch unseren Nachfahren gegenüber zu Verantworten auf solch eine Energiegewinnung zu setzten.
Interessiert defacto keinem, ausser als Möglichkeit die Luft zu besteuern. Unser nachfahren wird nicht dadurch geholfen, dass wir das Land deindustrialisieren bis aussieht wie Michigan.
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Atomkraftwerke in Deutschland

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Atomkraft: Die Positionen der EU-Staaten und der wichtigsten Industrienationen

Kernreaktoren
Thermischer Reaktor
In einem Kernreaktor kommt die Kettenreaktion durch Neutronen zustande, die bei der Kernspaltung entstehen und ihrerseits weitere Urankerne spalten. Dazu müssen sie allerdings abgebremst werden. Dazu ist ein sogenannter Moderator notwendig, bei dem es sich in den meisten thermischen Reaktoren um gewöhnliches Wasser handelt, manchmal auch um sogenanntes schweres Wasser oder Grafit.
Brutreaktor
In Brutreaktoren wird ein Gemisch von Uran- und Plutoniumoxid, der sogenannte Mox-Brennstoff, verwendet. Natürliches Uranerz besteht nur zu 0,7 Prozent aus dem spaltbaren Isotop Uran-235, den Rest macht das nicht spaltbaren Uran-238 aus. In einem Brutreaktor wird aber Uran-238 zu Plutonium-239 umgewandelt. In Wiederaufbereitungsanlagen kann das Plutonium abgetrennt und dann als Kernbrennstoff wiederverwendet werden. Auf diese Weise gewinnen Brutreaktoren aus dem vorhandenen Uran in etwa 30 Mal mehr Energie als Leichtwasserreaktoren.

Zur Kernspaltung werden nicht abgebremste, sondern schnelle Neutronen verwendet, weshalb auch vom "schnellen Reaktor" die Rede ist. Da sie allerdings mit geringerer Wahrscheinlichkeit neue Kernspaltungen auslösen, muss das Spaltmaterial im Vergleich zum thermischen Reaktor höher konzentriert werden - was wiederum dazu führt, dass es im Inneren von Brutreaktoren heißer wird als etwa in Leichtwasserreaktoren. Deshalb wird als Kühlmittel auch nicht Wasser, sondern in der Regel flüssiges Natrium verwendet.

Dies führt gemeinsam mit der enorm hohen Giftigkeit von Plutonium zu großen Bedenken hinsichtlich der Sicherheit von Brutreaktoren. Hinzu kommt das zusätzliche Risiko der Transporte von strahlendem Material zwischen den Schnellen Brütern, Aufbereitungsanlagen und thermischen Reaktoren.
Uran und Plutonium in Atomwaffen
Bei einer Uranbombe, wie sie die Amerikaner im Zweiten Weltkrieg über Hiroshima gezündet haben, reichte es bereits, eine Halbkugel des spaltbaren Materials auf einen Dorn zu schießen, die zusammen die kritische Masse für eine Atomexplosion erreichten. Mit Plutonium aber funktioniert dieses sogenannte Kanonenprinzip nicht.

Terroristen müssten stattdessen zum technisch weit anspruchsvolleren Implosionsprinzip greifen: Um eine Kugel aus spaltbarem Material sind mehrere Schichten Sprengstoff angeordnet. Die Explosionsenergie komprimiert das Plutonium so stark, dass die erforderliche Dichte erreicht und die Kettenreaktion eingeleitet wird.

Ob Plutoniumdioxid aus einem Kernreaktor für eine solche Bombe geeignet wäre, hängt von mehreren Faktoren ab. "Für die Qualität für die Waffennutzung ist es zum Beispiel wichtig, wie lange der Brennstoff im Reaktor war", sagt der deutsche Atomexperte Egbert Kankeleit. Im Grunde müssten die Terroristen in der Lage sein, das Pulver in Plutoniummetall umzuwandeln. "Wer die entsprechenden chemischen Kenntnisse hat, kann das schaffen." Die größere technische Hürde sieht Kankeleit in der Konstruktion einer Implosionsbombe. "Aber wenn man Hilfe von der richtigen Seite bekommt, etwa aus Pakistan, wäre auch das kein Problem.

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