Energiewende Vattenfall verdoppelt Verluste

Lange setzte Vattenfall auf Kohle, jetzt weiten sich die Verluste des schwedischen Konzerns aus. Greenpeace sieht darin den "tiefroten Beweis", dass Widerstand gegen die Energiewende zwecklos ist.

Kohlekraftwerk von Vattenfall in Brandenburg: Seit Herbst 2015 zu verkaufen
DPA

Kohlekraftwerk von Vattenfall in Brandenburg: Seit Herbst 2015 zu verkaufen


Der schwedische Energiekonzern Vattenfall Chart zeigen hat 2015 erneut hohe Verluste verzeichnet. Wie das Unternehmen am Mittwoch in Stockholm und Berlin bekanntgab, war der Verlust nach Steuern mit rund 19,8 Milliarden Kronen (2,1 Milliarden Euro) mehr als doppelt so hoch wie 2014. Der Umsatz sank leicht von knapp 166 auf 164,5 Milliarden Kronen.

Vattenfall hat mit geringeren Vermögenswerten zu kämpfen. "Die deutsche Entscheidung, die CO2-Emissionen langfristig zu mindern, hat den Wert unseres Braunkohle-Vermögens einem Risiko ausgesetzt", sagte Konzernchef Magnus Hall. Das habe eine Wertminderung zur Folge gehabt. Seit Herbst 2015 stehen Kohlegruben und Kraftwerke in Sachsen und Brandenburg zum Verkauf. Der Staatskonzern will künftig keinen Strom mehr aus klimaschädlicher Braunkohle produzieren.

In Schweden legt Vattenfall zwei Atomkraftwerke früher als geplant still. Die notwendigen Investitionen in die Sicherheit hätten eine profitable Stromerzeugung unwahrscheinlich gemacht, sagte Hall.

Insgesamt führt der Ökostrom-Boom branchenweit dazu, dass sich viele konventionelle Anlagen auch bei der Kohle- und Gaskraft kaum noch wirtschaftlich betreiben lassen. Hall kündigte an, dass man den Sparkurs auch im laufenden Jahr fortsetzen werde. In den letzten fünf Jahren habe das Unternehmen die Kosten um 30 Prozent senken können.

Parallel dazu will der Konzern den Ausbau der erneuerbaren Energien vorantreiben. "Vattenfall wird innovative Energielösungen anbieten und zu den Marktführern im Bereich der nachhaltigen Energieerzeugung zählen", sagte Hall. Ende 2015 hatten die Schweden angekündigt, bis 2020 weitere 5,5 Milliarden Euro in die Windenergie zu investieren.

Die Umweltorganisation Greenpeace sieht die Umstellungen auch als längerfristige Folge des Umbaus des gesamten Energiesystems. "Vattenfalls Milliardenverlust ist der tiefrote Beweis, dass sich kein Energiekonzern auf Dauer gegen die Energiewende stellen kann", meinte Branchenexperte Karsten Smid. "Braunkohlekraftwerke haben in Deutschlands Energiemix künftig keinen Platz mehr."

dab/dpa



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