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21. Juni 2011, 19:43 Uhr

Energiekosten

Gaskunden müssen mit Preisschub rechnen

Kaum spült der Boom den Deutschen wieder mehr Geld in die Taschen, drohen steigende Energiekosten das Plus aufzufressen: Rund 70 Gasversorger wollen bereits im Sommer ihre Preise erhöhen. Experten befürchten, dass im Herbst weitere Anbieter folgen werden - pünktlich zur Heizsaison.

Berlin - Rund zwei Millionen Haushalte müssen sich schon bald auf eine steigende Gasrechnung gefasst machen: Im Juli und August erhöhen zunächst rund 70 Grundversorger ihre Gaspreise um durchschnittlich zehn Prozent. Das teilten die Verbraucherportale Toptarif und Check24 mit. Experten zufolge werden im Herbst noch mehr Anbieter ihre Gaslieferungen verteuern.

Konkret bedeuten die angekündigten Preissteigerungen für einen Vier-Personen-Haushalt mit einem Jahresverbrauch von 20.000 Kilowattstunden Gas Mehrkosten von 133 bis 138 Euro pro Jahr. In der Spitze erhöhen einzelne Versorger die Preise jedoch um bis zu 18 Prozent - der Durchschnittshaushalt müsste dann rund 275 Euro im Jahr mehr bezahlen.

Nach Ansicht von Experten müssen noch weit mehr als die bislang betroffenen zwei Millionen Haushalte mit steigenden Energiekosten rechnen: Die rund 70 Versorger, die für Sommer höhere Preise angekündigt haben, würden wohl erst "die Vorhut" sein, schätzt Thorsten Storck vom Verbraucherportal Verivox. "Ich gehe davon aus, dass ein Großteil der Preiserhöhungen noch kommt." Vermutlich zu Beginn der Heizsaison im Oktober würden weitere Versorger nachziehen. "Weit über 100" der mehr als 800 Gaslieferanten in Deutschland könnten laut Storck am Ende ihre Preise erhöht haben.

Der Preisschub wird laut den Experten einen Großteil der Gaskunden treffen: Insbesondere die örtlichen Grundversorger erhöhen die Tarife. Diese verhältnismäßig wenigen Betrieben versorgen 16 bis 17 Millionen der rund 20 Millionen deutschen privaten Gaskunden.

Hauptgrund für die Anhebung ist laut den Verbraucherportalen vor allem der steigende Ölpreis. Viele Unternehmen, vor allem Grundversorger, haben langfristige Lieferverträge, die an den Heizölpreis gekoppelt sind. Verteuert sich das Öl, zieht mit einem Verzug von etwa einem halben Jahr der Gaspreis nach.

Einige Anbieter sind jedoch nicht mehr vom Ölpreis abhängig: Sie besorgen sich kurzfristig ihr Gas am Spot-Markt. Sie sind laut Storck deshalb nun auch nicht gezwungen, ihre Gaspreise anzuheben. Der Unterschied zwischen den Anbietern werde dadurch immer größer.

fdi/AFP

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