Energiequelle Biomüll: Aus dem Mist kommt die Kraft

Von Ralph Diermann

Biomüll stinkt, suppt, schimmelt - aber die Entsorger lieben ihn. Denn aus dem Ökoabfall können sie Gas gewinnen, um damit Strom zu erzeugen. In ganz Deutschland bauen die Müllfirmen deshalb kleine Kraftwerke. Das ist gut fürs Klima, außerdem sollen die Gebührenzahler entlastet werden.

Neues Geschäft für Entsorger: Strom aus Biomüll Fotos
DPA

Hamburg - Orang-Utan-Männchen Pablo, Lama Zorro, Elefantendame Mangala und all die anderen Bewohner des Münchner Tierparks Hellabrunn liefern einen Stoff, in dem viel Energie steckt: Mist. Die Stadtwerke München machen daraus Strom und Wärme. Dazu vergären sie die tierischen Hinterlassenschaften zusammen mit anderem organischen Abfall zu Biogas. Das wird dann vor Ort in einem kleinen Blockheizkraftwerk verbrannt. Aus jährlich 2000 Tonnen Biomüll entsteht so Ökostrom für 120 Haushalte. Und mit der anfallenden Wärme heizt der Zoo sein Affen-, Elefanten- und Giraffenhaus.

Kaninchenstreu, Kartoffelschalen, Kohlrabiblätter: Die mehr als acht Millionen Tonnen Biomüll, die jedes Jahr in den deutschen Haushalten anfallen, stinken zwar zum Himmel - für die Abfallentsorger sind sie jedoch ein attraktiver Rohstoff. Meist machen sie daraus in Kompostierwerken nährstoffreiche Blumenerde. Auch die Betreiber von Müllverbrennungsanlagen freuen sich über die faulige Masse, die aus den braunen Biotonnen kommt. Denn da der organische Abfall sehr feucht ist, hält er die Temperaturen in der Brennkammer niedrig. Das schont die Feuerungstechnik.

Doch in Biomüll steckt noch mehr: eine Menge Energie. Ermutigt von Pilotprojekten wie dem im Münchner Tierpark nehmen Deutschlands Entsorger nun neue Anlagen in Betrieb, die Ökoabfall zu Biogas vergären. "Die Zahl der Anlagen hat sich innerhalb kurzer Zeit von etwa 60 auf knapp 120 fast verdoppelt", sagt Michael Kern, Geschäftsführer des Witzenhausen-Instituts für Abfall, Umwelt und Energie.

Das ist verglichen mit den mehr als 4000 landwirtschaftlichen Biogasanlagen, die mit Mais, Gras oder Gülle gefüttert werden, nicht viel. Die Energiegewinnung aus Abfall wird jedoch stark zulegen, erwartet Kern: "Sehr viele Entsorger denken darüber nach, hier zu investieren." In einigen Jahren werde ein Drittel bis die Hälfte des gesamten Biomüllaufkommens zu Biogas vergärt, meint der Experte.

Insgesamt sollen die erneuerbaren Energien bis 2020 mindestens 30 Prozent des deutschen Stromverbrauchs abdecken. Das erwartet das Bundesumweltministerium. Drei Prozent davon könne der Biomüll beitragen, prognostiziert das Witzenhausen-Institut für Abfall, Umwelt und Energie GmbH - immerhin ein Fünftel dessen, was die Photovoltaik leisten soll. Aus einer winzigen Nische wird so ein echter Markt: Die Entsorger werden 2016 laut einer Studie der Analysten von Frost & Sullivan europaweit drei Milliarden Euro mit der Energieerzeugung aus Biomüll umsetzen.

Für die Abfallwirtschaft ist die Vergärung von Biomüll aus drei Gründen interessant: Zum einen müssen die Betriebe in den kommenden Jahren so oder so in neue Anlagen investieren, denn viele Kompostierwerke entsprechen nicht mehr den akuellen Emissionsrichtlinien. Zum anderen können sie die Gärreste verkaufen, nachdem die Bakterien ihr Werk getan haben - übrig bleibt hochwertige Blumenerde. Und zum dritten verdienen sie am Strom, den sie aus dem Biogas erzeugen. Denn den können sie zu den - recht hohen - Vergütungssätzen des Erneuerbare-Energien-Gesetzes ins öffentliche Netz einspeisen.

Höhere Müllgebühren für die Kunden lassen sich vermeiden

Finden die Entsorger einen Abnehmer für die Wärme, die bei der Verbrennung des Biogases entsteht, erzielen sie sogar noch zusätzliche Einkünfte. Das passiert jedoch selten, weil der Biomüll meist fernab potentieller Wärmekunden vergärt wird. Deshalb nutzen die meisten Betreiber die Wärme selbst: Sie heizen damit die Anlage oder trocknen die Gärreste.

Den Erlösen durch den Verkauf von Strom und Kompost stehen allerdings die nicht geringen Investitionen in die Gärtechnik und das Blockheizkraftwerk gegenüber. Reich werden die Entsorger mit der Biogasproduktion deshalb nicht. "Abhängig von den Gegebenheiten vor Ort ist es zumindest möglich, eine schwarze Null zu schreiben", sagt Rüdiger Siechau, Vorstandsvorsitzender des Verbands kommunale Abfallwirtschaft und Stadtreinigung. Immerhin lassen sich so höhere Müllgebühren vermeiden, die durch die anstehende Modernisierung der Kompostwerke fällig würden.

Und selbst wenn es schiefgeht - allzu teuer dürfte es für die Gebührenzahler nicht werden. "Im ungünstigsten Fall kostet die Vergärung den Bürger nur ein oder zwei Euro im Jahr mehr", erklärt Kern.

Vor allem Kommunalbetriebe investieren in die Vergärung von Biomüll. Meist sind es ökologische Gründe, die den Ausschlag für den Bau einer Biogasanlage geben. "Entscheidend für das stark wachsende Interesse an dieser Technologie ist, dass der Klimaschutz ins Bewusstsein der kommunalen Politiker gerückt ist", sagt Verbandschef Siechau.

In der Tat ist die Ökobilanz der Anlagen gut: "Die Bioabfallvergärung spart im Vergleich zur Kompostierung pro Tonne Bioabfall mehr als 150 Kilogramm CO2-Emissionen ein", hat Professor Frank Baur von der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Saarbrücken ausgerechnet. Zudem sei Biogas grundlastfähig, das heißt: Anders als Wind oder Sonne steht die Energie rund um die Uhr zur Verfügung. Damit, sagt Baur, könne der Müll-Strom zu einem wichtigen Pfeiler der Energieversorgung werden.

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 12 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Die ganze Republik ...
mexi42 12.08.2010
Zitat von sysopBiomüll stinkt, suppt, schimmelt - aber die Entsorger lieben ihn. Denn aus dem Ökoabfall können sie Gas gewinnen, um damit Strom zu erzeugen. In ganz Deutschland bauen die Müllfirmen deshalb kleine Kraftwerke. Das ist gut fürs Klima, außerdem sollen die Gebührenzahler entlastet werden. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,704716,00.html
wird mit BHKW vollgepflastert. Sinnvoller wäre es, das hochgereinigte Gas ins Erdgasnetz einzuspeisen. Die MVA mögen keinen Matsch, weil im Feuerraum 850 1000 °C erreicht werden müssen.
2. das Thema kommt....
huggi 12.08.2010
Zitat von sysopBiomüll stinkt, suppt, schimmelt - aber die Entsorger lieben ihn. Denn aus dem Ökoabfall können sie Gas gewinnen, um damit Strom zu erzeugen. In ganz Deutschland bauen die Müllfirmen deshalb kleine Kraftwerke. Das ist gut fürs Klima, außerdem sollen die Gebührenzahler entlastet werden. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,704716,00.html
... in diesem Geschäftsfeld ist sehr viel Potential. Legt man die Effizenz des hier genannten Projektes zu Grunde wären bei Nutzung von etwa der Hälfte der 8 mio Tonnen Biomüll fast 500.000 Haushalte zu verorgen. Ausserdem ist es viel besser aus Scheisse Geld zu machen, als anders herum.
3. alles Scheiße
Kranken-pfleger 12.08.2010
Biomüllanlagen werden hoch subventioniert, daher wird immer mehr Fläche mir Mais angebaut, dieser verschwindet dann in den Biomüllanlagen. Getreide und andere Feldfrüchte werden teurer. Also nicht Biomüll sondern Nahrungsmittel werden zu Energie Wieder mal ROT/GRÜNER Unsinn.
4. Ideen fürs Sammeln in der Wohnung gesucht
ky3 12.08.2010
Ich würde so gern mit sammeln, doch als Mieter einer kleinen Wohnung ohne Balkon im 4. Stock sind alle Versuche daran gescheitert dass die Sammelbehälter in der Wohnung schnell gären und schimmeln. Scheinbar geht es den meisten Leuten im Haus so, trotz "Öko-Klientel" in der Nachbarschaft bleibt die siffige Biotonne im Hof immer fast leer. An dieser Stelle sind Innovationen gefragt! Ich bin überzeugt eine Menge kostbaren Biomülls würde dann nicht im Restmüll landen.
5. .
Interessierter0815 12.08.2010
Zitat von ky3Ich würde so gern mit sammeln, doch als Mieter einer kleinen Wohnung ohne Balkon im 4. Stock sind alle Versuche daran gescheitert dass die Sammelbehälter in der Wohnung schnell gären und schimmeln. Scheinbar geht es den meisten Leuten im Haus so, trotz "Öko-Klientel" in der Nachbarschaft bleibt die siffige Biotonne im Hof immer fast leer. An dieser Stelle sind Innovationen gefragt! Ich bin überzeugt eine Menge kostbaren Biomülls würde dann nicht im Restmüll landen.
Technisch wäre schon längst eine Anlage zum Sortieren aller Müllsorten möglich. Dann hätte die Sortiererei ein Ende und es würde maximal recyclet werden. Leider werden da wieder unsinnige Rechnungen durchgeführt ohne das die Umwelt einen Kostenfaktor bekommt. Hätte auch zum Vorteil, dass die Tonnen relativ schnell voll wären und öfters abgeholt werden müssten. Dann gammelt die Biotonne wenigstens nicht 4x Wochen vor sich her. (Nach 3 1/2 WOchen in Hochsommer traut man sich schon fast nicht mehr ran... ;) Grüße
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Wirtschaft
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Unternehmen & Märkte
RSS
alles zum Thema Biomasse
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 12 Kommentare
Biomüll
Fast 42 Millionen Tonnen Müll haben deutsche Haushalte im Jahr 2007 - aktuellere Zahlen liegen nicht vor - produziert. In der Biotonne landen davon etwas mehr als acht Millionen Tonnen; etwa je zu Hälfte der "klassische" Biomüll von der Eierschale bis zum Salatblatt und die Grünabfälle aus dem heimischen Garten. Den größten Teil des Müllaufkommens machen Wertstoffe wie Papier, Glas und Kunststoff aus. Insgesamt liegt die Verwertungsquote bei 62 Prozent, 1990 waren es erst 13 Prozent.

Fotostrecke
Biogas-Krieg: Ärger in Holtrop
Vor-/Nachteile der Energieträger
Die Energiewirtschaft befindet sich im Umbruch - SPIEGEL ONLINE zeigt die Vor- und Nachteile der unterschiedlichen Energieträger.
Erdöl
Plus: Erdöl ist der Schmierstoff industrieller Volkswirtschaften. In Deutschland deckt Öl rund 35 Prozent des Energiebedarfs - so viel wie kein anderer Rohstoff. Im Verkehrssektor gibt es momentan kaum Alternativen zu Öl: Das bestehende Tankstellennetz ist auf Benzin und Diesel ausgerichtet, die heute gängigen Motoren fahren fast nur mit diesen beiden Treibstoffen.

Minus: Der Ölpreis ist in den vergangenen Jahren rasant gestiegen - und mit ihm der Spritpreis. Autofahrer mussten zeitweise mehr als 1,50 Euro für Benzin zahlen. Die deutsche Volkswirtschaft verliert dadurch Milliardenbeträge, denn das Land ist fast völlig von Importen abhängig. Weltweit liegen die meisten Ölvorkommen in politisch heiklen Regionen wie dem Nahen Osten, Russland, Venezuela oder Nigeria. Versorgungskrisen kann man daher nicht ausschließen. Darüber hinaus ist Erdöl ein endlicher Rohstoff: Die bekannten Vorkommen gehen langsam zur Neige. Große neue Felder wurden in den vergangenen Jahren kaum entdeckt - und wenn, dann nur in schwierig zu erschließenden Gebieten wie der Arktis. Hinzu kommt die CO2-Problematik: Wenn Öl verbrannt wird, entsteht das Klimagas Kohlendioxid .
Erdgas
Plus: Erdgas ist der klimafreundlichste fossile Energieträger - bei der Verbrennung entsteht weniger CO2 als bei Kohle oder Öl. Außerdem halten die Vorräte noch eine Weile: Die Reichweite der Gasvorkommen wird auf rund 60 Jahre geschätzt, bei Öl sind es nur 40 Jahre. Verfeinerte Fördertechniken machen zudem den Zugriff auf große neue Gas-Reservoirs möglich. Ein weiterer Vorteil: Gas kann einen wichtigen Beitrag zur Stromerzeugung leisten. Denn Gaskraftwerke lassen sich schnell hoch- und runterfahren - diese Flexibilität hilft, die Schwankungen beim Windstrom auszugleichen.

Minus: Weltweit verfügen nur wenige Länder über Gasvorkommen. Entsprechend groß sind die Abhängigkeiten - Deutschland bezieht rund 40 Prozent seines Erdgases aus Russland. Problematisch ist außerdem die noch immer weit verbreitete Bindung an den Ölpreis: Je teurer Erdöl wird, desto teurer wird auch Gas. Stromkonzerne klagen bereits, dass sich Gaskraftwerke kaum mehr rentieren. Private Haushalte kennen dasselbe Problem beim Heizen - Gas ist kaum günstiger als Öl. Auch beim Autofahren stellt Erdgas keine Alternative dar: Der aktuelle Preisvorteil gegenüber Benzin und Diesel liegt nur an der steuerlichen Begünstigung.
Kohle
Plus: Kohle gibt es fast überall auf der Welt - einseitige Importabhängigkeiten wie beim Gas sind deshalb nicht zu befürchten. Auch Deutschland verfügt über nennenswerte Ressourcen: Braunkohle lässt sich ohne Subventionen fördern, für Steinkohle ist dies bei weiter steigenden Preisen zumindest denkbar. Außerdem reichen die Vorräte so lange wie bei keinem anderen fossilen Energieträger: Schätzungen gehen von rund 200 Jahren aus. Kohle eignet sich vor allem zur Stromerzeugung in der Grundlast - rund 50 Prozent des deutschen Stroms stammen aus Kohlekraftwerken .

Minus: Kein Energieträger ist so klimaschädlich wie Kohle. Bei der Verbrennung entsteht rund doppelt so viel CO2 wie bei Gas. Problematisch könnte dies vor allem dann werden, wenn man bestehende Atomkraftwerke durch neue Kohlekraftwerke ersetzt - oder wenn Elektroautos künftig in großem Stil Kohlestrom tanken. Bedenklich sind außerdem die Arbeitsbedingungen, unter denen Kohle gefördert wird : Zu den größten Produzenten zählen China, Russland und Südafrika - Länder, in denen immer wieder Bergleute ums Leben kommen.
Atomenergie
Plus: Kernkraftwerke produzieren - wenn sie einmal gebaut sind - günstigen Strom. Der Rohstoff Uran wird nur in geringen Mengen verbraucht, so dass die laufenden Betriebskosten gering sind. Atomstrom kann in der Grundlast eingesetzt werden, also unabhängig von kurzfristigen Wetterschwankungen. In Frankreich wird Atomstrom auch zum Heizen verwendet, langfristig könnten so auch Elektroautos betrieben werden. Bei der Kernenergie wird kaum CO2 freigesetzt. Sie ist damit klimafreundlicher als Kohle oder Gas.

Minus: Der größte Nachteil der Atomenergie ist das Risiko eines GAUs. Selbst wenn man dafür eine geringe Wahrscheinlichkeit unterstellt - der Schaden wäre enorm. Die Katastrophe in Tschernobyl war nur ein Vorgeschmack dessen, was im dicht besiedelten Mitteleuropa passieren würde: Tausende Opfer, auf ewig verseuchte Landstriche, Vermögensverluste in zigfacher Milliardenhöhe. Hinzu kommt die ungelöste Frage der Endlagerung : Obwohl die Kernenergie seit rund 50 Jahren genutzt wird, gibt es bis heute keine dauerhafte Deponie für die verstrahlten Abfälle. Ob es überhaupt ein sicheres Endlager geben kann, ist umstritten: Der Atommüll strahlt zum Teil mehr als 100.000 Jahre lang - was in dieser Zeit alles passiert, kann niemand vorhersagen. In jüngster Zeit wird ein weiteres Problem immer häufiger diskutiert: Was geschieht, wenn Terroristen einen Anschlag auf ein Kernkraftwerk verüben? Oder wenn sie in den Besitz von spaltbarem Material gelangen? Sicherheitsexperten haben auf diese Fragen keine abschließende Antwort.
Wasser
Plus: Die Wasserkraft ist sehr umweltfreundlich - mit geringem Eingriff in die Natur lässt sich günstig Energie gewinnen. Rund fünf Prozent des deutschen Stroms stammen aus Wasserkraftwerken. Außerdem lässt sich in Stauseen sehr gut Energie speichern: Bei einem Überangebot an Strom wird Wasser nach oben gepumpt. Bei Bedarf wird es dann abgelassen, um die Turbinen anzutreiben.

Minus: In Deutschland ist das Potential der Wasserkraft so gut wie ausgeschöpft. Fast jeder Fluss hat ein Kraftwerk, ebenso fast jeder See. Im Ausland wiederum ist die Wasserkraft zum Teil in Verruf geraten: Riesenprojekte wie der Jangtse-Staudamm in China zerstören die Natur in großem Stil.
Wind
Plus: Von allen erneuerbaren Energien ist die Windkraft in den vergangenen Jahren am stärksten gewachsen. Mittlerweile beziehen die Deutschen deutlich mehr Strom aus Windrädern als aus Wasserkraftwerken. Auch in Zukunft hat die Branche großes Wachstumspotential - vor allem offshore, also in Windparks auf dem Meer . Ein weiterer Vorteil: Die Windkraft ist verhältnismäßig günstig. Die Betreiber der Anlagen bekommen über das Erneuerbare-Energien-Gesetz nur wenig mehr Förderung als der Preis für konventionellen Strom an der Energiebörse hoch ist. Zum Vergleich: Solarstrom wird weit höher vergütet.

Minus: Kritiker halten Windräder für eine Verschandelung der Landschaft. Außerdem weht der Wind sehr unzuverlässig: Bei einer starken Brise wird das deutsche Stromnetz überlastet, bei Flaute muss Strom aus dem Ausland hinzugekauft werden. Praktikable Speicher für Windenergie gibt es bisher nicht. Ein weiterer Nachteil: Starker Wind bläst vor allem in Norddeutschland, die großen Verbrauchszentren liegen aber im Süden und Westen. Um den Strom abzutransportieren, sind zahlreiche neue Leitungen nötig .
Sonne
Plus: Die Sonne ist nach menschlichen Maßstäben eine ewige Energiequelle , und sie scheint für jeden umsonst. Hätten alle Dächer Deutschlands eine Solaranlage, könnte so ein großer Teil des hiesigen Strombedarfs gedeckt werden - klimaschonend und unabhängig von Importen. Darüber hinaus lässt sich das Sonnenlicht auch zur Warmwasserbereitung nutzen: Mit Solarkollektoren kann man herkömmliche Heizungen ergänzen und so die Energiekosten drücken.

Minus: Die Sonne hat den gleichen Nachteil wie der Wind - ihre Energie lässt sich nicht zu jeder Uhrzeit nutzen. Das größte Problem ist jedoch der Preis: Solarstrom kostet viel mehr als konventioneller Strom. Und trotz milliardenschwerer Subventionen leistet Sonnenenergie bislang nur einen geringen Beitrag zur deutschen Stromversorgung: Schätzungen schwanken zwischen einem um zwei Prozent. Damit die Photovoltaik in Mitteleuropa wettbewerbsfähig wird, müsste es eine technische Revolution geben - oder die Preise für konventionelle Energie müssten dramatisch steigen.
Biomasse
Plus: Holz, Stroh, Mais - beim Verbrennen dieser Stoffe wird nur so viel CO2 freigesetzt, wie die Pflanzen vorher der Atmosphäre entzogen haben. Biomasse lässt sich in vielen Bereichen einsetzen: zum Heizen (beispielsweise mit Holzpellets), zum Autofahren (mit Biodiesel oder Bioethanol ) oder zur Stromerzeugung (mit Biogas). Der große Vorteil: Biomasse ist gespeicherte Energie. Man kann also frei entscheiden, wann man sie nutzen möchte - anders als bei Wind- oder Solarkraft. Ein weiterer Pluspunkt: Energiepflanzen, die in Deutschland wachsen, reduzieren die Abhängigkeit von Importen.

Minus: In jüngster Zeit gerät die Bioenergie massiv in die Kritik. Denn die Pflanzen benötigen enorme Anbauflächen - und treten damit in direkte Konkurrenz zur Nahrungsmittelproduktion. Gerade bei Biotreibstoffen wird das zum Problem: Lässt es sich moralisch rechtfertigen, dass die Reichen Mais tanken - während die Armen hungern? Hinzu kommt ein gigantisches Mengenproblem: Wollte Deutschland seinen gesamten Benzin- und Dieselbedarf mit Biokraftstoffen decken, wäre dafür eine Fläche nötig, die größer ist als die gesamte Bundesrepublik. Das Gleiche gilt fürs Heizen: Sollten alle Bundesbürger auf Holzpellets umsteigen, würde der deutsche Wald dafür nicht reichen - erneut wären Energie-Importe nötig.
Erdwärme
Plus: Die Wärme im Erdinneren steht rund um die Uhr zur Verfügung. Sie lässt sich sowohl zum Heizen als auch zur Stromerzeugung nutzen. Gäbe es keine Probleme mit der Bohrtechnik, könnte die Geothermie den gesamten deutschen Energiebedarf decken.

Minus: In Deutschland muss man Hunderte oder gar Tausende Meter tief bohren, um ein ausreichendes Temperaturniveau zu erreichen. Die Kosten der Geothermie sind deshalb sehr hoch. Mancherorts gibt es außerdem Probleme mit dem Grundwasser. Andere Länder sind hier aus geologischen Gründen in einer besseren Position: Island zum Beispiel deckt seinen Energiebedarf zum Großteil mit der Wärme aus dem Erdinneren.