Berlin - Greenpeace stellt Deutschlands großen Energiekonzernen ein schlechtes Zeugnis aus: "RWE, E.on, Vattenfall und EnBW verweigern sich der Energiewende", heißt es in einer neuen Studie der Umweltschutzorganisation. Demnach steuerten die Unternehmen 2009 nur 3,9 Prozent zur deutschen Stromproduktion aus erneuerbaren Energien bei. Der Rest, also 96,1 Prozent, stamme von Regionalversorgern, Stadtwerken, Privathaushalten und aus Bürgerwindparks.
In der Studie zählt Greenpeace die Wasserwerke der Stromriesen nicht zu den erneuerbaren Energien, da diese "seit Jahrzehnten existieren und zum Großteil bereits abgeschrieben sind". Doch selbst wenn man sie dazurechnet, würde sich am Gesamtbild kaum etwas ändern, schreiben die Umweltschützer. Laut Greenpeace stammte 2009 rund 16,3 Prozent des Stroms in Deutschland aus Erneuerbaren Energien; 13 Prozentpunkte davon entfielen auf Wind- und Solarenergie - und nur 3,3 Prozentpunkte auf Wasserkraft.
Zum Vergleich: Die vier Stromkonzerne erzeugen laut Studie 68 Prozent des gesamten Stroms in Deutschland, dabei kämen 83,7 Prozent aus Atomenergie und fossilen Brennstoffen, drei Prozent aus Wasserkraft und nur 0,5 Prozent aus Wind- und Solarenergie.
E.on will laut Studie 13 Prozent seiner Investitionen in den Ausbau erneuerbarer Energien stecken, RWE sogar 20 Prozent. Greenpeace ist das zu wenig: Die politischen Vorgaben für 2020 könnten so nicht eingehalten werden, argumentieren die Umweltschützer. "Die vier großen Energiekonzerne müssen das sinkende Schiff der Atom- und Kohleverstromung verlassen und mit ins Boot der Energiewende kommen", fordert Greenpeace-Energieexperte Karsten Smid.
Die Konzernbosse dagegen kritisieren die aktuelle Debatte um einen beschleunigten Atomausstieg. "Um es klar zu sagen: Wir könnten ohne die Kernkraft unsere Emissionsziele nicht einhalten", sagte RWE-Chef Jürgen Großmann dem Wirtschaftsmagazin "Capital".
Der Strategiechef des Stromriesen, Leonhard Birnbaum, warnte: "Wenn man uns an einer Stelle Geld wegnimmt, können wir nicht an anderer Stelle mehr investieren." Im Interview mit der "Welt" argumentiert E.on-Chef Johannes Teyssen in dieselbe Richtung: "Man kann den Lastesel nicht erst schlachten und ihn dann weiter tragen lassen wollen."
sdm
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