Energiestudie: Greenpeace wirft Stromriesen Blockade vor

Die Bundesregierung plant die Energiewende - und braucht dafür die Hilfe der Atomkonzerne. Einer Greenpeace-Studie zufolge investieren die Unternehmen aber viel zu wenig in erneuerbare Energien: Sie tragen demnach nicht mal vier Prozent zur Ökoenergie bei.

Windpark in Nordvorpommern: 16,3 Prozent des Stroms stammt aus Erneuerbaren Energien Zur Großansicht
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Windpark in Nordvorpommern: 16,3 Prozent des Stroms stammt aus Erneuerbaren Energien

Berlin - Greenpeace stellt Deutschlands großen Energiekonzernen ein schlechtes Zeugnis aus: "RWE, E.on, Vattenfall und EnBW verweigern sich der Energiewende", heißt es in einer neuen Studie der Umweltschutzorganisation. Demnach steuerten die Unternehmen 2009 nur 3,9 Prozent zur deutschen Stromproduktion aus erneuerbaren Energien bei. Der Rest, also 96,1 Prozent, stamme von Regionalversorgern, Stadtwerken, Privathaushalten und aus Bürgerwindparks.

In der Studie zählt Greenpeace die Wasserwerke der Stromriesen nicht zu den erneuerbaren Energien, da diese "seit Jahrzehnten existieren und zum Großteil bereits abgeschrieben sind". Doch selbst wenn man sie dazurechnet, würde sich am Gesamtbild kaum etwas ändern, schreiben die Umweltschützer. Laut Greenpeace stammte 2009 rund 16,3 Prozent des Stroms in Deutschland aus Erneuerbaren Energien; 13 Prozentpunkte davon entfielen auf Wind- und Solarenergie - und nur 3,3 Prozentpunkte auf Wasserkraft.

Zum Vergleich: Die vier Stromkonzerne erzeugen laut Studie 68 Prozent des gesamten Stroms in Deutschland, dabei kämen 83,7 Prozent aus Atomenergie und fossilen Brennstoffen, drei Prozent aus Wasserkraft und nur 0,5 Prozent aus Wind- und Solarenergie.

Anteil der Erneuerbaren Energien am deutschen Strommix 2009 Zur Großansicht
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Anteil der Erneuerbaren Energien am deutschen Strommix 2009

E.on will laut Studie 13 Prozent seiner Investitionen in den Ausbau erneuerbarer Energien stecken, RWE sogar 20 Prozent. Greenpeace ist das zu wenig: Die politischen Vorgaben für 2020 könnten so nicht eingehalten werden, argumentieren die Umweltschützer. "Die vier großen Energiekonzerne müssen das sinkende Schiff der Atom- und Kohleverstromung verlassen und mit ins Boot der Energiewende kommen", fordert Greenpeace-Energieexperte Karsten Smid.

Die Konzernbosse dagegen kritisieren die aktuelle Debatte um einen beschleunigten Atomausstieg. "Um es klar zu sagen: Wir könnten ohne die Kernkraft unsere Emissionsziele nicht einhalten", sagte RWE-Chef Jürgen Großmann dem Wirtschaftsmagazin "Capital".

Der Strategiechef des Stromriesen, Leonhard Birnbaum, warnte: "Wenn man uns an einer Stelle Geld wegnimmt, können wir nicht an anderer Stelle mehr investieren." Im Interview mit der "Welt" argumentiert E.on-Chef Johannes Teyssen in dieselbe Richtung: "Man kann den Lastesel nicht erst schlachten und ihn dann weiter tragen lassen wollen."

sdm

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insgesamt 141 Beiträge
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1. Realer Sozialismus
gsm900 19.04.2011
Zitat von sysopDie Bundesregierung plant die Energiewende - und braucht dafür die*Hilfe der Atomkonzerne. Einer Greenpeace-Studie zufolge investieren die Unternehmen aber viel zu wenig in erneuerbare Energien: Sie tragen demnach nicht mal vier Prozent zur Ökoenergie bei. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,757923,00.html
Großzügigkeit mit den Geld anderer Leute.
2. Blockade?
vostei 19.04.2011
Ich nenne das Nötigung, höflich ausgedrückt und dreist. Allein schon, dass es sich die Aktionäre der RWE trauen öffentlich darauf zu dringen, Biblis ausgeschaltet zu lassen, weil es billiger wäre und mit den steigenden Strompreisen zu spekulieren ist frech genug. Der gesamte Energiesektor gehört von Grund auf neu durchdacht. Vom System her.
3. Wende
soulbrother 19.04.2011
Zitat von sysopDie Bundesregierung plant die Energiewende - und braucht dafür die*Hilfe der Atomkonzerne. Einer Greenpeace-Studie zufolge investieren die Unternehmen aber viel zu wenig in erneuerbare Energien: Sie tragen demnach nicht mal vier Prozent zur Ökoenergie bei. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,757923,00.html
Investitionen in zukunftsfähige Technologien waren ja auch noch nie die Stärke der 4 Dinosaurier. Wer die Energiewende vorantreibt steht im Artikel: "Regionalversorger, Stadtwerke, Privathaushalte." Und jeder, der sauberen Strom einkauft.
4. .
pom_muc 19.04.2011
Zitat von sysopDie Bundesregierung plant die Energiewende - und braucht dafür die*Hilfe der Atomkonzerne. Einer Greenpeace-Studie zufolge investieren die Unternehmen aber viel zu wenig in erneuerbare Energien: Sie tragen demnach nicht mal vier Prozent zur Ökoenergie bei. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,757923,00.html
Was für ein Glück dass EnBw dem Land Baden-Württemberg und dortigen Kommunen gehört und uns zukünftig ein grüner Landeschef vormachen wird wie man Greenpeace-Vorgaben politisch korrekt umsetzt. http://www.enbw.com/content/de/investoren/aktie/aktionaersstruktur/index.jsp Ist es eigentlich Zufall dass man das gebrochene Wahlversprechen der Grünen zu S21 nicht zur Diskussion im Forum freigegeben hat? Fehler bei Stuttgart 21 - CDU und FDP attackieren Kretschmann http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,757841,00.html
5. Lügenbarone
allereber 19.04.2011
Zitat von sysopDie Bundesregierung plant die Energiewende - und braucht dafür die*Hilfe der Atomkonzerne. Einer Greenpeace-Studie zufolge investieren die Unternehmen aber viel zu wenig in erneuerbare Energien: Sie tragen demnach nicht mal vier Prozent zur Ökoenergie bei. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,757923,00.html
Viele Kraftwerke blasen die Fernwärme einfach in die Luft, um die Preise zu halten. Sogar Windkraftanlagen werden bei Wind abgeschaltet. Teilweise kriminell. Wird sogar von Mitarbeitern hinter vorgehaltener Hand geäussert. Vorsicht: Beim AKW Stesstest wird radioaktives Material freigesetzt. Siehe Tschernobyl.
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Für den Atomausstieg müssen neue Windräder, Solaranlagen, Biomasseanlagen und Gaskraftwerke gebaut werden. Stromleitungen müssen ausgebaut werden. Hinzu kommen Investitionen in Energieeffizienz. Nach SPIEGEL-ONLINE-Berechnungen belaufen sich die Investitionen insgesamt auf rund 170 Milliarden Euro bis 2020. Andere Forschungsinstitute kommen auf ähnliche Werte.
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Bis Ende des Jahrzehnts könnte der Preis indes um mehrere Cent steigen. Allein durch den Netzausbau und die Großhandelspreise wäre ein Anstieg um drei Cent möglich - dazu kämen Milliardenkosten aus der EEG-Umlage.ssu

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