Energiewende Atomkonzern Areva streicht bis zu 1500 Jobs in Deutschland

Der französische AKW-Betreiber Areva baut bis zu einem Viertel der Arbeitsplätze in Deutschland ab - und begründet das mit dem Atomausstieg. Deutsche Gewerkschafter protestieren, sie vermuten politische Motive.

Areva-Mitarbeiterin in La Hague: Auch bei der Wiederaufbereitungsanlage wird gespart
AP

Areva-Mitarbeiterin in La Hague: Auch bei der Wiederaufbereitungsanlage wird gespart


Erlangen/Paris - Deutsche Angestellte von Areva Chart zeigen müssen um ihre Jobs bangen: Als Teil eines weltweiten Sparprogramms will der französische Atomkonzern in Deutschland zwischen 1200 und 1500 Stellen abbauen. In Frankreich werden ausscheidende Mitarbeiter in der Verwaltung nicht ersetzt, was jährlich rund 200 Posten ausmachen soll.

Der Grund für den Stellenabbau sei die Entscheidung der Bundesregierung zum Atomausstieg, sagte Firmenchef Luc Oursel der Zeitung "Le Figaro". Betriebsbedingte Kündigungen und Standortschließungen sollen vermieden werden. Die IG Metall rechnet allerdings mit einem weiteren Abbau von Arbeitsplätzen.

Grund sei ein auslaufender Vertrag aus Finnland, sagte der IG-Metall-Bevollmächtigte in Erlangen, Wolfgang Niclas, im Bayerischen Rundfunk. "Wenn dann keine neuen Aufträge ins Haus kommen, ist das Thema Arbeitsplatzabbau mit den jetzigen Zahlen mit Sicherheit nicht beendet und die Zukunft sieht da auch nicht sehr positiv aus." Nach Angaben des Gewerkschafters könnten tausend Jobs zusätzlich bedroht sein. In Deutschland arbeiten derzeit noch 5800 Angestellte für das staatlich kontrollierte Unternehmen.

Mit Blick auf den französischen Präsidentschaftswahlkampf im Frühjahr zeichne sich ab, dass der Jobabbau in Frankreich zu Lasten der deutschen Standorte begrenzt werden solle, sagte Niclas. "Wenn es um Arbeitsplatzabbau geht, darf es kein deutsches Opfer für Frankreich geben", unterstrich der Gewerkschafter. "Es müssen diejenigen Stellen abgebaut werden, die in jedem Land nicht mehr benötigt werden."

Der Betriebsrat des Gesamtkonzerns forderte bereits, den Sparplan auf Eis zu legen, bis genaue Zahlen zum Stellenabbau bekannt sind. Die Belegschaftsvertreter drohten sogar damit, vor Gericht zu gehen. In Frankreich sprach die Gewerkschaft CGT von 1200 Mitarbeitern, deren Zeitverträge nicht verlängert werden sollen oder die nach dem Ende ihrer Verträge nächstes Jahr nicht ersetzt würden. Industrieminister Eric Besson bezeichnete die Zahl am Dienstag als "frei erfunden".

Areva hat jährliche Einsparungen von einer Milliarde Euro bis 2015 angekündigt. Die Investitionen sollen um ein Drittel auf 7,7 Milliarden Euro zurückgefahren werden. Betroffen ist unter anderem die Wiederaufbereitungsanlage in La Hague, wo auch Deutschland immer noch schwach radioaktiven Atommüll aufbereiten lässt.

In diesem Jahr rechnet der Konzern mit einem Betriebsverlust von 1,4 bis 1,6 Milliarden Euro. Damit schreibt das Unternehmen, das jahrelang erfolgreich Atomkraftwerke in alle Welt verkaufte, erstmals seit zehn Jahren rote Zahlen. Insbesondere die afrikanischen Uranminen schlagen negativ zu Buche: Sie sind heute fünfmal weniger wert als bei ihrem Kauf 2007.

dab/dpa/AFP

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Seite 1
herr_kowalski 13.12.2011
1. Ich traue meinen Augen nicht:
Zitat von sysopDer französische AKW-Betreiber Areva baut bis zu einem Viertel der Arbeitsplätze in Deutschland ab - und begründet das mit dem Atomausstieg. Deutsche Gewerkschafter protestieren, sie vermuten politische Motive. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,803555,00.html
Ist da tatsächlich ein Gewerkschafter aus dem industriegesponserten Dauerschlaf erwacht ??? Oder handelt es sich um einen Untoten aus den Zeiten echter Gewerkschaften und nicht nur Niedrigtarifbeschaffer ??
Fackus 13.12.2011
2. pruust !
Zitat von sysopDer französische AKW-Betreiber Areva baut bis zu einem Viertel der Arbeitsplätze in Deutschland ab - und begründet das mit dem Atomausstieg. Deutsche Gewerkschafter protestieren, sie vermuten politische Motive. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,803555,00.html
"Deutsche Gewerkschafter protestieren, sie vermuten politische Motive" Ja was denn sonst !!?? Haben doch alle mitgegrölt für die Energiewende vor nem halben Jahr. Das ist se halt jetzt - und schon dreht die Gewerkschaft am Rad (am Windrad:-) Das braucht doch wirklich keinen wundern, dass sich die gesamte Energiewirtschaft aus dem Land hier verabschiedet - RWE macht da auch schon voran. Siemens vor paar Wochen. Die Zukunft liegt inzwischen halt im Ausland.
abi68 13.12.2011
3. Diese DGB Trauergestalten
Zitat von Fackus"Deutsche Gewerkschafter protestieren, sie vermuten politische Motive" Ja was denn sonst !!?? Haben doch alle mitgegrölt für die Energiewende vor nem halben Jahr. Das ist se halt jetzt - und schon dreht die Gewerkschaft am Rad (am Windrad:-) Das braucht doch wirklich keinen wundern, dass sich die gesamte Energiewirtschaft aus dem Land hier verabschiedet - RWE macht da auch schon voran. Siemens vor paar Wochen. Die Zukunft liegt inzwischen halt im Ausland.
sollen doch mit Frau Merkel in der Regierungsmaschine nach China fliegen, dort die vielen neuen Arbeitsplätze in Solarfirmen bejubeln und sich vo Ort neue Mitglieder suchen. Ja, der DGB hat wirklich mitgegrölt für die sogenannte Energiewende. Es freut mich, das langsam immer mehr Menschen die fatalen Folgen dieses deutschen Irrweges erkennen. Wir retten die Welt und zum Beispiel das reiche Kanada entsorgt das Kyoto Protokoll. Hoffentlich folgen weitere Länder diesem Beispiel.
topfgucker 13.12.2011
4. So, so,...
die Gewerkschaften protestieren. Eine Lachnummer!!! Soll ein Konzern der AKW's baut und betreibt in D Leute einstellen wenn die Gewerkschaften und die Regierung für den Atomaustieg schreien? Was haben die erwartet? Wir in D (wie Deppen) versuchen die Welt zu retten und die lacht sich über uns kaputt! Kanada machts vor, hoffentlich machen viele mit!
antilobby 13.12.2011
5.
Es wäre schon viel gewonnen, wenn jeder Deutsche in der Zukunft, bevor er auf irgendeine Demo geht, zuerst über die Ziele der Demo bzgl. Auswirkung auf seinen eigenen Arbeitsplatz nachdenken würde.
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