Kosten der Energiewende BDI-Chef warnt vor Produktionsverlagerung ins Ausland

Die Energiewende bereitet der deutschen Industrie Unbehagen. Die damit verbundenen Kosten würden die Wettbewerbsfähigkeit gefährden, sagt BDI-Chef Kempf - und warnt vor Produktionsverlagerungen.

Dieter Kempf, Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie
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Dieter Kempf, Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie


BDI-Präsident Dieter Kempf hat vor Alleingängen Deutschlands in der Energie- und Klimapolitik gewarnt. Solche nationalen Schritte seien kontraproduktiv, denn "Produktion würde ins Ausland verlagert, der Strompreis weiter steigen", sagte der Chef des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI) in Berlin. "Zu den Leitlinien der Energie- und Klimapolitik sollte keine Schwächung, sondern die Stärkung der industriellen Wettbewerbsfähigkeit gehören."

Kempf forderte in der Energie- und Klimapolitik mehr Realismus und eine sachliche Debatte: "Wir müssen uns jeden Sektor - Industrie, Energie, Verkehr, Gebäude - einzeln anschauen und jeweils politische Instrumente definieren."

Das deutsche Klimaschutzziel für 2020 - eine Verringerung der CO2-Emissionen um 40 Prozent im Vergleich zu 1990 - sei nur noch schwer zu erreichen. Kempf sprach sich zwar nicht für eine Aufweichung des Ziels aus. Aber die Rahmenbedingungen hätten sich in den vergangenen Jahren verändert. "Durch den anhaltenden Aufschwung, der ins neunte Jahr geht, wird mehr verbraucht. Wir haben heute fast zwei Millionen mehr Einwohner als vorhergesehen. Deutschland wird, anders als seinerzeit geplant, 2022 aus der Kernkraft ausgestiegen sein." Die Industrie stehe zum Pariser Klimaschutzabkommen. Dessen Ziele bezögen sich aber auf einen längeren Zeitraum.

Kempf kündigte an, am 18. Januar solle eine große Klimastudie im Auftrag des BDI veröffentlicht werden. Die Industrie wolle eine umfassende Faktenbasis zu den technischen und wirtschaftlichen Potenzialen des Abbaus von CO2 vorlegen. "Für den Erfolg der Energiewende sind umfangreiche Innovationen und massive Investitionen zentral. Klimaschutz ist kein finanzieller Selbstläufer. Die meisten notwendigen Investitionen sind mit erheblichen Mehrkosten verbunden. Das ist volkswirtschaftlich nur möglich, wenn die Anreize richtig ausgestaltet werden."

Viel Potenzial sieht der BDI-Präsident vor allem in der Gebäudesanierung. "Fast 40 Prozent des Energieverbrauchs gehen auf das Konto der rund 20 Millionen deutschen Gebäude. Es kann nicht sein, dass für Neubauten immer strenge Vorschriften gelten für mehr Energieeffizienz, die Sanierung von Altbauten aber vernachlässigt wird."

mik/dpa



insgesamt 45 Beiträge
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Seite 1
holy ghost 08.01.2018
1. Jammern
Jammern auf hohem Niveau ist das. Energieintensive Firmen profitieren von der EEG Umlagebefreiung. Wer das letztendlich bezahlt, sind die kleinen Verbraucher. Da fragt die Industrie nicht.
joG 08.01.2018
2. Im nahen Ausland....
....bekommt man den in Deutschland subventionierten Strom zum Marktwert, der halt oft geringer ist als Produktionskosten und auch mal unter Null lag. Auch haben die Atomkraft. Kommen in manchen Ländern noch erhebliche Steuervorteile und günstigere Lohnkosten und der Kinkurrenzvorteil, den Deutschland aus 2010 und der Euro Krise zog ist rasch verbraucht. Da ist man schnell wieder "Der Kranke Mann von Europa".
Flari 08.01.2018
3.
Zitat von holy ghostJammern auf hohem Niveau ist das. Energieintensive Firmen profitieren von der EEG Umlagebefreiung. Wer das letztendlich bezahlt, sind die kleinen Verbraucher. Da fragt die Industrie nicht.
96% der deutschen Industrie zählen NICHT zu den energieintensiven Unternehmen.
hannesmann 08.01.2018
4.
Jammert nicht die Industrie über Fachkräftemangel? Angeblich fehlen ja demnächst mehrere Millionen Arbeitskräfte. Da kommen doch Produktionsverlagerungen ins Ausland gerade recht. Das verringert die Zuwanderung und die Wohnungsknappheit und auch der hohe Leistungsbilanzüberschuss wird zurückgeführt. Wenn dann noch die Befreiung von der EEG Umlage gekippt wird sinken auch die Stromkosten für die Normalbürger und die kleinen und mittleren Betriebe. Diese Personengruppe wollen doch alle Parteien demnächst fördern. Für unverzichtbare Industrien bleibt dann immer noch die Möglichkeit Befreiungsanträge von der EEG Umlage beim Wirtschaftsministerium zu stellen. Diese Beträge können dann aus dem Steueraufkommen gezahlt werden.
braindead0815 08.01.2018
5. der aufruf an die politik
nur mehr steuergeschenke zu verteilen, noch weiter die steuern zu senken.
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